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Mara und Jaryi kommt das Thema Bildung zu kurz / 208 Hamelner dürfen zum ersten Mal wählen

„Wir diskutieren die ganze Pause über Politik“

Hameln (jhe). Wenn sie am Sonntag ins Wahllokal gehen, ihren Stimmzettel abholen und sich in die Wahlkabine setzen, werden 208 Hamelner zum ersten Mal das politische Geschehen mitbestimmen können. Weitere 2656 junge Hamelner konnten zwar schon bei der letzten Landtags- oder EU-Wahl ihre Stimme abgeben. Aber auch sie dürfen am 27. September erstmalig über die Zusammensetzung des Deutschen Bundestags mitentscheiden.

Zu dieser Gruppe der Erstwähler gehören auch Mara Keller und Jaryi Lippek. Die beiden Schüler des Viktoria-Luise-Gymnasiums entsprechen keineswegs dem Klischee der politikverdrossenen Jugend. „Bei uns im Jahrgang ist das Interesse an Politik überraschend groß“, sagt Mara. „Manchmal diskutieren wir die ganze Pause über Politik und welche Partei wir wählen wollen.“ Diesen Austausch findet die 18-Jährige sehr wichtig, um sich auch mit den Argumenten der Gegenpositionen auseinanderzusetzen. Auch in den Familien der beiden Abiturienten wird über Politik geredet. Jaryi: „Es ist aber nicht so, dass mich meine Eltern beeinflussen.“ Er wisse auch gar nicht, bei welcher Partei sie ihr Kreuzchen machten.

„Der Druck macht die Schüler krank“

Und welche politischen Inhalte sind den beiden 13-Klässlern wichtig? Ganz klar: Bildung – ein Thema, das Mara und Jaryi im Wahlkampf allerdings zu kurz kommt. „Ich bin sehr gegen die Reform für das Turbo-Abitur“, sagt Mara. Sie ist sich sicher, dass der permanente Druck die Schüler auf Dauer krank mache. „Ich finde es unfair, dass es immer schwieriger wird, durchzukommen“, sagt die 18-Jährige.

Jaryi ist unzufrieden darüber, dass er sein Wunsch-Prüfungsfach Erdkunde nicht belegen konnte, da der Kurs nicht angeboten wurde. „Das hängt mit dem Lehrermangel zusammen“, sagt der 18-Jährige. Und noch etwas läuft nach Meinung des Schülers falsch im Schulsystem: „Es ist traurig, dass Bildung so stark vom Einkommen der Eltern abhängig ist.“ Das müsse sich ändern.

Wichtig ist den beiden Schülern auch das Thema Umweltschutz und Atomausstieg. „Ich wohne in Tündern und habe das Atomkraftwerk immer vor der Nase“, sagt Jaryi. Angst vor radioaktiver Strahlung habe er zwar nicht, trotzdem finde er „saubere Energien immer wichtiger“. Mara findet: „Deutschland liegt im Umweltschutz schon ziemlich weit vorn.“ Sie wünsche sich aber, dass die ganze Welt sich diesem Thema mehr annehme.

Zum Wahlkampf-Thema Wirtschaftskrise haben die beiden zukünftigen Studenten keinen persönlichen Bezug. „Das betrifft uns höchstens erst nach dem Studium“, meint Mara. Wichtig sei hingegen die Koalitionsfrage. Mara: „Wenn ich eine Partei gut finde, die mit einer Partei koalieren will, die ich gar nicht mag, dann wähle ich die Partei nicht mehr.“ Darum findet sie es auch gut, dass sich die Parteien im Vorfeld auf ihre möglichen Koalitionspartner festlegen.

Um Antworten auf Koalitionsfragen und Parteiprogramme zu erhalten, ist Information die erste Wählerpflicht. Jaryi schaut sich hauptsächlich die Tagesschau an und hört nebenbei, was im Radio über die Parteien berichtet wird. Informativer findet Mara hingegen politische Gesprächsrunden und Interviews. „Da werden die Politiker direkt nach Themen gefragt.“ Besonders gut habe ihr das Interview mit den Oppositionskandidaten gefallen. Denn die Schülerin möchte nicht, „dass man immer nur die großen Parteien hört“.

Welchen Kandidaten wählen die Schüler?

Neue Medien wie Twitter oder Soziale Netzwerke sind für die Schüler für Informationszwecke nicht relevant. Jaryi klickt höchstens mal eine Nachricht im Internet an, die er interessant findet. Auch vom Wahlomat halten beide nicht viel. „Für so viele Parteien sind es ziemlich wenig Fragen“, meint Jaryi. Und schließlich gehe der Wahlomat „nur davon aus, was man sich wünscht und nicht, was man für realisierbar hält“.

Welche Partei Mara und Jaryi wählen werden, wollen sie nicht verraten. Nur so viel: ihre Erststimme geben beide einem Kandidaten „mit einer kompetenten Ausstrahlung und Führungsstärke“. Bei der Zweitstimme orientieren sie sich an den Themen der Parteien.

Ob sich die beiden Schüler vorstellen können, selbst einmal politisch aktiv zu werden? „Eher nicht“, ist die einhellige Meinung. Da liegen die Interessen doch eher in anderen Bereichen. Aber beiden ist es wichtig, sich für Politik zu interessieren und laut Jaryi „nicht Nicht-Wähler zu sein“.




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