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Winter bedeutet Höchstmaß an Flexibilität

Es war Winter, am Samstag jedenfalls wieder einmal, und stellenweise auch noch gestern. Hoffentlich ist es bald vorbei mit dem Schnee, der Glätte und den damit verbundenen Einschränkungen auf den Verkehrswegen, wünschen sich nicht wenige Bürger. Damit es zu möglichst wenigen Behinderungen durch Schnee und Eis auf den Straßen des Verbreitungsgebietes kommt, erarbeitet die Straßenmeisterei bereits im Sommer Pläne für den Winterdienst.

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Autor:

Matthias Rohde

Es war Winter, am Samstag jedenfalls wieder einmal, und stellenweise auch noch gestern. Hoffentlich ist es bald vorbei mit dem Schnee, der Glätte und den damit verbundenen Einschränkungen auf den Verkehrswegen, wünschen sich nicht wenige Bürger. Damit es zu möglichst wenigen Behinderungen durch Schnee und Eis auf den Straßen des Verbreitungsgebietes kommt, erarbeitet die Straßenmeisterei bereits im Sommer Pläne für den Winterdienst. Dessen Leiter, Norbert Schaaf, betont: „Die meisten Vorbereitungen für den Winterdienst können wir bereits einige Monate vor dem Winter erledigen, wie zum Beispiel die Streu- und Einsatzpläne der Mitarbeiter festlegen oder die Fahrzeuge warten. Eines allerdings, das können wir nicht planen und das ist das Wetter selbst.“

Angewiesen sind Schaaf und sein Team vor allem auf die Vorhersagen des Deutschen Wetterdiensts (DWD), der umfangreiche Daten sammelt. „Der DWD liefert uns mehrmals täglich sogenannte ‚SWIS-Berichte‘ in denen alle relevanten Wetterdaten für die nächsten Stunden vorhergesagt werden.“ Basierend auf diesen Daten, würden dann Maßnahmen ergriffen, um auf die angekündigte Lage adäquat reagieren zu können, so Schaaf. Neben den Daten der Meteorologen werden die Straßen im Zuständigkeitsbereich der Straßenmeisterei aber auch von einem sogenannten Winterdienstmelder täglich in Augenschein genommen, wobei die Beschreibung „täglich“ nicht ganz zutreffend ist, wie der Behördenleiter erläutert: „Tagsüber bekommen wir von den Fahrern Meldung über den Zustand der Straßen, wie glatt es ist und wo es zum Beispiel gerade schneit. Die Arbeitszeit des Winterdienstmelders beginnt um zwei Uhr nachts, und er entscheidet dann spontan, in welchen Region der Winterdienst ausrücken muss.“

Der Landkreis ist in insgesamt zehn Streubezirke eingeteilt, ausgenommen Hessisch Oldendorf und Bad Münder, die über einen eigenen Winterdienst verfügen. Vier davon werden mit den Fahrzeugen der Straßenmeisterei geräumt und gestreut, die anderen sechs von Unternehmen aus der Region, die im Auftrag des Landkreises tätig werden.

Die Männer der Straßenmeisterei registrieren auf ihren Kontrollfahrten jede Veränderung der Straßen- und Wetterlage. Einige Stra
  • Die Männer der Straßenmeisterei registrieren auf ihren Kontrollfahrten jede Veränderung der Straßen- und Wetterlage. Einige Straßen sind besonders von Schneeverwehungen betroffen. Hier hat die Straßenmeisterei spezielle Begrenzungspfähle angeschafft, die man mit einer roten Stange verlängern kann, die offiziell „Leitpfosten mit Schneezeichen“ heißen. Fotos: roh

„Ein Streubezirk umfasst in etwa 40 Kilometer und wird pro Tag im Bedarfsfall mehrmals befahren.“ Gesetzlich sei vorgeschrieben, dass die Straßenmeisterei die Befahrbarkeit der Straßen zwischen sechs Uhr morgens und zehn Uhr abends sicherstellen müsse, so der Leiter der Hamelner Geschäftsstelle der niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Markus Brockmann. „Das bedeutet für unsere Mitarbeiter in den Wintermonaten ein Höchstmaß an Flexibilität, aber auch ein gutes Händchen bei den Entscheidungen, die auf dem Betriebshof in Rohrsen getroffen werden.“ Brockmann führt aus, dass sich ein vorhergesagter Niederschlag um ein, zwei oder auch mehrere Stunden verschieben könne und damit urplötzlich ein spontanes Handeln gefordert sei. Schaaf ergänzt: „Je nach angekündigter Wetterlage schicke ich einige Mitarbeiter bereits am Morgen nach Hause, weil wir mit einem Einsatz im Laufe der Abend- und Nachtstunden rechnen.“ Diese Maßnahme sei nötig, weil es arbeitsrechtliche Bestimmungen und der Verkehrssicherheit dienende Regelungen gebe, so zum Beispiel die Lenkzeitbegrenzung für Lkw-Fahrer.

Gerade das Weserbergland, in dem ein Höhenunterschied von bis zu 400 Metern keine Seltenheit ist, stellt die Streu- und Räumkommandos vor eine besondere Herausforderung. „Die SWIS-Berichte können wir für mehrere Höhenstufen anfordern, außerdem wird uns vom DWD ein für die Region passender virtueller Niederschlagsfilm zur Verfügung gestellt“, erklärt Schaaf und demonstriert am Monitor seines Computers, wie er den Weg eines Niederschlaggebiets verfolgt. „Bei dem grün eingefärbten Bereich handelt es sich um ein solches Gebiet, dessen Weg auf Basis der zur Verfügung stehenden Daten berechnet wird.“ Diese Daten liefern eine Vielzahl von fest installierten Wetter- und Glättemeldestationen im gesamten Bundesland, von denen sich auch zwei im Landkreis Hameln-Pyrmont befinden; eine ist in Rehren, die andere in Hajen installiert.

Vor einigen Jahren noch waren die Meteorologen bemüht, Unwetterwarnungen erst dann auszusprechen, wenn es kaum Zweifel an deren Eintreffen gab. Als aber die großen Überschwemmungen zahlreiche Familien und sogar ganze Dörfer obdachlos machten und es dafür Kritik von allen Seiten hagelte, hat man sich dazu entschlossen, früher solche Warnungen auszusprechen. Aber unabhängig von den Vorhersagen der Wetterprofis werden die Entscheidungen, wo, wann und zu welcher Zeit geräumt und gestreut wird, vor allem von den Einschätzungen der heimischen Winterdienstmelder und der Fahrer der Räumfahrzeuge abhängig gemacht. Schaaf: „Unsere Mitarbeiter verfügen über langjährige Erfahrung, kennen die besonderen Verhältnisse jedes Dorfes, jeder Straße und haben ein untrügliches Auge für die Gefahren.“

Schaaf und die Männer der Straßenmeisterei des Landkreises kennen sie, die Rufe nach Vorsorgestreuungen, aber solche Präventivstreuungen wollen wohl überlegt sein. Zum einen sei es ökonomisch bedenklich, die Straßen des gesamten Landkreises, also die Bundes-, Landes und Kreisstraßen mit Salz zu bestreuen, nur auf die Vermutung hin, dass es glatt werden könnte, denn ein Umlauf aller zehn Räumfahrzeuge koste rund 6500 Euro. „Insgesamt werden dabei rund 40 Tonnen Salz gestreut, die im Extremfall ungenutzt von der Straße gespült werden“, so Schaaf. Es mache demnach keinen Sinn, in den Abendstunden Salz zu streuen, damit es morgens wirken könne. Denn das führe zu einer nicht notwendigen Belastung der Umwelt, so dass ein Winterdiensteinsatz stets eine ökologische Komponente beinhalte. Der Preis für eine Tonne Streusalz liegt derzeit übrigens bei rund 100 Euro.

Besondere Herausforderungen werden an das logistische Geschick der Männer der Straßenmeisterei dann gestellt, wenn ein Winterdiensteinsatz im Berufsverkehr nötig wird, denn dann wird es auch für Räumfahrzeuge eng auf den Straßen. „In diesen Stunden reicht dann schon die harmlose Rutschpartie eines Pkw, um einen Stau zu verursachen, in dem dann natürlich auch unsere Fahrzeuge stecken“, erklärt Brockmann. Auch ein Defekt an einem der Fahrzeuge oder den Streu- und Räumwerkzeugen sei nicht ausgeschlossen. Schaaf: „Dann müssen wir in Windeseile den Streubezirk des ausgefallenen Fahrzeugs auf die anderen verteilen.“ Mit sämtlichen Gemeinden des Landkreises gebe es bereits seit vielen Jahren Absprachen über die Durchfahrtstraßen, die eigentlich in der Zuständigkeit der jeweiligen Gemeinde lägen. Allerdings: „Wir haben mit allen Gemeinden die Regelung getroffen, dass unsere Fahrer das Räumschild an der Ortseinfahrt unten lassen und somit die Durchfahrtstraßen von uns geräumt und gestreut werden“, so Brockmann.

In diesem Zusammenhang verweist Schaaf auf die Technik: „Die Straßen werden von unseren Fahrern pro Umlauf zweimal befahren. Auf dem Hinweg wird der Schnee der Fahrspur geräumt, und auf dem Rückweg wird nicht nur die andere Fahrspur geräumt, sondern auch beide Fahrspuren gestreut.“ Es mache schließlich keinen Sinn das mittlerweile kostbar gewordene Streusalz in den Schnee zu streuen, denn dort könne es seine Wirkung nicht erzielen.

Und wenn so mancher Autofahrer seinen Kollegen von seinem Glück berichtet, im morgendlichen Berufsverkehr direkt hinter einem Räumfahrzeug hergefahren zu sein, wird der zwei Stunden zu spät kommende Mitarbeiter seine Verspätung genau diesem Räumfahrzeug zuweisen. „Der hat mir doch glatt den ganzen Schnee in meine Hofeinfahrt geschoben.“ Solche Aussagen kennen Schaaf und Brockmann und auch die Fahrer. Man könne es eben nicht allen recht machen, meinen sie, aber es gelte in erster Linie, den Fokus auf die Sicherheit der Straßen zu legen. Auf die Frage, wie das Wetter in den nächsten Tagen wird, können die heimischen Experten keine verbindliche Antwort geben. Eine andere Vorhersage jedoch können nicht nur Fachleute, sondern kann auch jeder Bürger bereits jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit treffen: „Der nächste Winter kommt bestimmt.“ Oder wie unsere Vorfahren sagten: „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt, wie es ist.“

Die Frage „Und, wie war das Wetter?“ lässt sich für einen Urlaubsrückkehrer relativ leicht beantworten. Die Antwort auf die Frage, wie das Wetter morgen wird, fällt allerdings schwer. Wetterprofis aber müssen diese Frage jeden Tag mehrmals beantworten. Das Risiko einer falschen Vorhersage ist angesichts der technologischen Entwicklung zwar gering, aber nicht ausgeschlossen.

Aufmerksam verfolgt Norbert Schaaf den Vorhersagefilm des DWD. Die grün eingefärbten Bereiche sind Niederschläge.



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