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Expertin warnt vor Lärmbelästigung und befürchtet Hörschäden bei den Tieren / „Folgen nicht absehbar“

Windparks eine Gefahr für Schweinswale in der Ostsee?

Kiel. Die dauerhaften Auswirkungen von Windparks oder anderen großen Bauwerken im Meer auf Meeressäuger lassen sich aus Expertensicht noch nicht vollständig abschätzen. „Welche Folgen solche Eingriffe in den Lebensraum zum Beispiel von Schweinswalen auch nach Fertigstellung eines Windparks, einer großen Brücke oder eines Tunnels haben werden, können wir noch nicht komplett absehen“, sagte die Öko-Toxikologin, Tierärztin und Zoologin Ursula Siebert vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum der Universität Kiel. Lärm könne die empfindlichen Tiere nicht nur während der Bauzeit gefährden, sondern möglicherweise auch danach durch Schiffs- und Helikopterverkehr bei Wartungsarbeiten.

Autor:

Wolfgang Schmidt

In der östlichen Ostsee seien die Schweinswale mit einem Bestand von nur noch rund 600 Tieren schon jetzt vom Aussterben bedroht. Im westlichen Teil der Ostsee sieht es besser aus – laut Siebert mit rund 5000 Schweinswalen. Tendenziell ist der Gesamtbestand dieser Population aber auch in den letzten Jahren gesunken. Als Beispiel dafür, dass nicht nur laufende Bauarbeiten die Meeressäuger beeinträchtigen können, nannte Siebert die Brücke über den Großen Belt zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland: „Hier wurde festgestellt, dass die Schweinswale eine Unterquerung der Brücke tagsüber scheuen, weil diese aufgrund des Autoverkehrs vibriert. Die Tiere empfinden die Brücke so als Barriere und passieren sie häufiger nachts.“ Windanlagen können nach der Installation aber auch als Rückzugsgebiete für Schweinswale dienen, wenn andere Aktivitäten wie Schifffahrt und Fischerei verringert werden, und sie damit schützen.

Außer großen Bauprojekten sind es Lärmbelästigungen durch die zunehmende Berufsschifffahrt, aber auch durch Jet-Skis, Motorbootrennen oder die Sprengung von Munitionsaltlasten, die die Meeressäuger gefährden können. Auch Schadstoffe aus der Chemie, der Landwirtschaft, dem Lebensalltag der Menschen und das Durchrosten alter Minen wirken belastend für Schweinswale. „Sie sind im Laufe ihres Lebens den Auswirkungen vieler menschlicher Aktivitäten ausgesetzt, die ihnen gefährlich werden können“, sagte Siebert. Wenn zum Beispiel die Hörfähigkeit eines Tieres infolge von Explosionen oder Rammschlägen beim Bau von Windanlagen beeinträchtigt werde, könne es sich nicht mehr richtig orientieren.

Aus Sicht Sieberts muss der Schutz der Wale großflächig und grenzübergreifend organisiert werden, da die Tiere sehr mobil sind. So bewegten sich Schweinswale zwischen Fehmarn bis zur südlichen norwegischen Küste. Bei den Bemühungen zum Schutz der Schweinswale spielt Deutschland nach Einschätzung Sieberts eine Vorreiterrolle. Regelungen für die Fischerei ließen sich aber nur auf internationaler Ebene verwirklichen.

Ein Schweinswal in einem Delfinarium. Die Tiere sind in der östlichen Ostsee bereits vom Aussterben bedroht.

Foto: dpa




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