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Verfahren dauern bis zu einem Jahr / Platz in Heimen wird gebraucht

Wieso Wohnungen für Flüchtlinge mit wenig Aussicht auf Asyl?

Exten/Strücken. Vier jungen Männern aus Albanien ist von der Gemeinnützigen Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft eine Wohnung zugewiesen worden, die sie nun selbst renovieren (wir berichteten). Bislang wohnen sie im Asylheim im Kerschensteiner Weg. In Deutschland hoffen sie auf ein besseres Leben. In ihrer Heimat sehen sie für sich keine Zukunftsperspektive. Nun gilt aber Albanien nebst Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Montenegro und Kosovo als sicherer Herkunftsstaat. Das bedeutet: Die Chancen der vier jungen Albaner, in Deutschland bleiben zu dürfen, sind denkbar gering. Wieso sie also noch eine Wohnung renovieren lassen, die sie wahrscheinlich sowieso in Kürze wieder räumen müssen?

„Wir versuchen, alle Personen so schnell wie möglich aus den Sammelunterkünften rauszubekommen, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen und mit der dezentralen Unterbringung die Integration zu fördern“, sagt der städtische Sozialarbeiter Norbert Rose. Daher sei es unerheblich, wie gut oder schlecht die Chancen für ein Bleiberecht des jeweiligen Asylsuchenden sind.

Dazu kommt, dass das Asylverfahren auch für Menschen, die aus sicheren Herkunftsländern kommen, relativ langwierig sein kann. „Manche bekommen den Ablehnungsbescheid zwar schon nach drei Monaten, aber das ist dann schon besonders schnell“, sagt Rose. Meistens dauere es länger. Nach der Registrierung durch die Landesaufnahmebehörde folge zunächst die sogenannte erkennungsdienstliche Behandlung des Asylsuchenden. Erst dann bekomme er oder sie Gelegenheit, einen begründeten Antrag auf Asyl zu stellen. „Bis es so weit ist, sind dann teilweise schon sechs Monate vergangen“, sagt Rose. Wird der Antrag dann abgelehnt, besteht noch die Möglichkeit, dagegen Klage zu erheben. So könnten daraus bis zu neun oder sogar zwölf Monate werden, bis der Asylsuchende ausgewiesen wird.

Ein Vorteil, den die vier Albaner haben, ist, dass sie noch eine Arbeitserlaubnis beantragen können. „Sie sind vor dem 1. Oktober gekommen. Seitdem dürfen Menschen aus sicheren Herkunftsländern keine Arbeitserlaubnis mehr beantragen“, erklärt Rose. Doch um eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten, obwohl man aus einem sicheren Herkunftsstaat kommt, muss ein längerer Aufenthalt in Deutschland, eine unbefristete Arbeitsstelle und Unabhängigkeit von Sozialhilfe nachgewiesen werden. Die Zeit dafür, diese Bedingungen zu erfüllen, ist für die vier arbeitswilligen Albaner denkbar knapp.pk




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