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Bitterste Not: Versorgung miserabel, Schwarzmarkt blühte, Care-Pakete halfen

Wie war das im "Steckrübenwinter '47": Erinnerungen von Zeitzeugen gesucht

Rinteln (ur). In diesem Winter, der sich bislang nur sehr sporadisch als solcher gezeigt hat, ist es genau 60 Jahre her, dass die Menschen im Deutschland der Nachkriegszeit eine Zeit bitterster Not erlebt haben. Auch in Rinteln war diese als "Steckrübenwinter 1947" in Erinnerung gebliebene Zeit besonders entbehrungsreich und die Versorgungslage mit Lebensmitteln, Brennstoffen und wärmenden Textilien war so schlecht, dass auch hierzulande der Schwarzmarkt blühte und viele versuchen mussten, sich und ihre Familie irgendwie durchzubringen - legal und häufig auch illegal.

Auch das so genannte "Fringsen", das "Organisieren" von Lebensmi

Verschärft galt dies für die vielen Ausgebombten aus den Großstädten und für die Vertriebenen, denn während viele der Rintelner aus alteingesessenen Familien noch auf Unterstützung durch bäuerliche Verwandte und Bekannte oder auf ihr persönliches Netzwerk rechnen konnten, waren die Flüchtlinge nicht nur von den schwierigsten Wohnverhältnissen belastet, sondern hatten auch kaum jemanden, der sie in ihrem Überlebenskampf unterstützte. Während der tägliche Kalorienbedarf mit 2400 bis 3000 Kilokalorien ermittelt wurde, lag die offizielle Versorgung lediglich bei 1000 Kilokalorien für "Otto Normalverbraucher" - und im Hungerwinter 1947 wurden die kargen Rationen noch weiter reduziert, so dass viele kaum auf 700 Kilokalorien kamen. In den Schulen wurden Aktionen zum Pflücken von Wildpflanzen und Kräutern durchgeführt, aus Erholungsgärten entwickelte sich Intensivanbau von Gemüse, und auch verstärkte Kleinviehhaltung sorgte dafür, dass die minimale Monatsration von 170 Gramm Fleisch und Fett wenigstens etwas verbessert werden konnte. Auf manchen herkömmlichen Ackerflächen, etwa in Möllenbeck und Engern, wurde Tabak angebaut - nicht nur zur Selbstversorgung, sondern auch als Handelsgut auf dem Schwarzen Markt. Im Winter 1946/47 wurde das Brot immer stärker durch Maismehl gestreckt - und dass selbst in Städten wie Rinteln Notunterkünfte (übrigens auch am Steinanger!) entstanden, um die Vertriebenen und Ausgebombten aufzunehmen, kann sich von den jüngeren Generationen heute kaum noch jemand vorstellen. Für die Kinder immerhin leisteten die mit amerikanischer Hilfe durchgeführten Schulspeisungen noch etwas Überlebenshilfe - und wer Zugang zu Care-Paketen mit Büchsenfleisch, Dosenfett oder Zucker hatte, durfte schon als privilegiert gelten. Unsere Zeitung möchte die Erfahrungen des Hungerwinters 1947 in unserem Raum dokumentieren - und bittet daher ältere Leserinnen und Leser aus der "Erlebnisgeneration", diese in möglichst kompakter Form darzustellen. Interessiert ist die Redaktion auch an Fotos oder Dokumenten, die dazu dienen können, die Not jener Zeit zu verdeutlichen: Falls Sie uns Originale überlassen wollen, beschriften Sie diese bitte sorgfältig, falls Sie an einer Rücksendung interessiert sind. Auch Infos über den "Schwarzen Markt", Hamsterfahrten und andere Strategien gegen den Hunger sind gefragt. Kontakt: Einsendungen unter dem Kennwort "Hungerwinter 1946/47" an die Schaumburger Zeitung, Klosterstraße, 31737 Rinteln. Bitte vergessen Sie dabei nicht, Ihre Rufnummer für eventuelle Nachfragen anzugeben.

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