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Die Deutschen essen gern Gezuckertes: So macht sich der Trend im Landkreis bemerkbar

Wie süß

Landkreis. Zucker ist in aller Munde – und zwar jedes Jahr ein bisschen mehr, wenn man dem Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie Glauben schenken darf. 32,3 Kilogramm Süßigkeiten sollen sich Deutsche pro Kopf im Jahr schmecken lassen. Ein Trend, den auch in Schaumburg Handel und Ärzteschaft wahrnehmen.

Autor:

Kirsten Elschner Und Jan-Christoph Prüfer

Zwiegespalten zeigt sich Holger Schulz vom Feinkost- und Reformhaus Tietz. Im Segment Süßigkeiten profitiert sein Geschäft von dem scheinbar stetig steigenden Hunger auf Süßes. Er sagt: „Das Plus geht Querbeet, wir verkaufen mehr Weingummi, mehr Schokolade, mehr Nuss-Nougat-Brotaufstrich.“

Warum? „Das Angebot ist da“, sagt Schulz. „Früher gab es zu Ostern einen Schokoladenhasen und ein paar bunte, hartgekochte Eier. Heute ist der ganze Korb voll mit Süßigkeiten, und welche Eltern malen noch selbst Eier an?“

Außerdem sei Schokolade „nicht mehr so verschrien“ wie einst. Ein Umstand, der für Hersteller auch „nach hinten losgehen“ könne. Etwa, wenn Slogans ein Produkt als besonders nahrhaft anpreisen, das es tatsächlich nicht ist.

Dass es ein Angebot an Süßwaren gebe, sagt Schulz, sei aber nicht das Problem. Auch Verbote bringen seines Erachtens nichts. „Wenn Sie einem Kind Cola verbieten, wird es sie literweise trinken, sobald es alt genug ist“, zeigt der Kaufmann sich überzeugt.

Wichtig seien Aufklärung und die Ernährung, die die Eltern den Kindern vorleben. Das bedeute zum Beispiel, nicht anstelle eines Butterbrotes eine Süßigkeit mit in die Schule zu geben, weil es schneller geht.

Von steigenden Umsätzen bemerkt das Fachgeschäft Hussel in Stadthagen nichts. „Wir verkaufen viele hochwertige Sachen“, sagt Filialleiterin Simone Fischer. In dieses Kerngeschäft hätten sich in den vergangenen Jahren zunehmend die Discounter eingeklinkt. Ergebnis: Steigende Umsätze aus zunehmendem Süßwarenkonsum fallen an anderer Stelle weg.

Auch für Fischer sind nicht die Schleckereien an und für sich das Problem, sondern der Umgang damit. Manchmal frotzelten Kunden, das Geschäft an der Obernstraße kooperiere doch bestimmt mit der benachbarten Zahnarztpraxis.

„Erst einmal“, sage sie dann, „sind im Apfel und in Ketchup auch Zucker.“ Außerdem rate Fischer dazu, Süßes bewusst zu genießen, als Belohnung zum Beispiel oder als Nachtisch. In einer Aktion zum Jahreswechsel verkaufte sie Aufdrucke mit guten Vorsätzen.

Da wurde der Satz „Keine Pralinen mehr“ erweitert und ergab: „Keine Pralinen mehr vor dem Essen.“ Einfach nur die Losung „Nichts Süßes“ auszugeben ist nicht zielführend, denkt Fischer. Und ergänzt: „Ganz im Ernst: Ein Keks ohne Zucker schmeckt einfach nicht.“




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