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Wie mündersche Betriebe die Arbeitszeit kontrollieren

BAD MÜNDER. Unbezahlte Überstunden sollen bald der Vergangenheit angehören – das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), Arbeitgeber sollen künftig die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter erfassen, sorgt derzeit für viele Diskussionen.

Viele Unternehmen nutzen bereits elektronische Chipkarten zum „Stempeln“. Foto: dpa
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Johanna Lindermann Redakteurin zur Autorenseite

Während die Arbeitgeberverbände in der Rückkehr zur Stechuhr einen Rückschritt und großen bürokratischen Aufwand für die Unternehmen sehen, begrüßen Arbeitnehmervertreter den Schritt.

„Das war lange überfällig“, findet auch Gerd Ahrens, Betriebsratsvorsitzender bei Haworth in Bad Münder. Hier loggt sich der Großteil der Mitarbeiter bereits mit einer elektronischen Chipkarte morgens im Betrieb ein und abends oder bei längerer Abwesenheit aus. Für einen Teil der Mitarbeiter gelte diese Regelung allerdings nicht; hier müsse in Zukunft eine Lösung gefunden werden, meint Ahrens. Das gelte unter anderem auch für Außendienstmitarbeiter, die ihre Arbeitszeit zwar auch derzeit schon erfassen – allerdings manuell und noch nicht elektronisch.

Auch bei der Ardagh-Group in Bad Münder wird bereits mittels eines elektronischen Chips „gestempelt“. Die Mitarbeiter arbeiten hier in ganz unterschiedlichen Bereichen mit verschiedenen Arbeitszeiten – trotzdem verfügt Ardagh Glass über eine Arbeitszeiterfassung. „Das ist erforderlich, um sicherzustellen, dass bestehende gesetzliche Vorgaben eingehalten werden“, sagt Matthias Frank, Personalleiter Ardagh Glass Deutschland. Das Einloggen der Mitarbeiter hat aber auch noch einen anderen Vorteil, wie Stefan Rüter, Betriebsratsvorsitzender Bad Münder, ergänzt: „Wir müssen in einem Brandfall wissen, wer da ist.“ Generell stehe nach Auffassung von Ardagh Glass „eine Zeiterfassung nicht grundsätzlich im Widerspruch zu zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen, solange diese mit geringem bürokratischen Aufwand durchgeführt werden kann“, so Frank.

Doch nicht nur in größeren Unternehmen, auch in kleineren Firmen in Bad Münder ist das Thema elektronische Zeiterfassung längst angekommen. „Wir arbeiten damit bereits seit 2007“, sagt etwa Kai Wehrhahn, Geschäftsführer der Tischlerei Wehrhahn in Nettelrede. Und das funktioniert sogar auf der Baustelle: „Wir haben mobile Scanner“, erklärt Wehrhahn. Mittels Barcodes könnten sich dabei die Mitarbeiter auf der Baustelle in ihrem jeweiligen Arbeitsschritt anmelden.

Außer Haus arbeiten auch die Mitarbeiter der GeTour des Öfteren, etwa bei Veranstaltungen. „Wir haben sehr unterschiedliche Aufgaben zu unterschiedlichen Zeiten“, sagt Geschäftsführer Thomas Slappa. Dazu gebe es vorab Dienstpläne und hinterher Arbeitszeiterfassungsbögen, die jeder Mitarbeiter mit der genauen Stundenzahl ausfülle. Dies sei wichtig, um gegebenenfalls Zuschläge für Sonntagsarbeit zahlen oder Mehrstunden, die aufgrund von Projekten oder Veranstaltungen anfielen, ausgleichen zu können, erklärt Slappa und fügt hinzu: „So geht nichts verloren.“

Auch die heimische Bundestagsabgeordnete Jutta Krellmann, Sprecherin für Mitbestimmung und Arbeit der Fraktion Die Linke im Deutschen Bundestag, begrüßt das EuGH-Urteil: „Das Urteil ist eine gute Nachricht für die Beschäftigten. Arbeit darf nicht krank machen, Gesundheitsschutz muss immer an erster Stelle stehen.“ Dass die Bundesregierung nun in die Pflicht genommen werde, „wurde höchste Zeit“.



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