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Gelungene Hommage mit dem "Bärmann-Trio" / Alle Register gezogen / "Gefühl und Form, das ist wie Leib und Seele"

Wie Mozarts Liebe zur Altklarinette Auferstehung feiert

Bückeburg. Es gibt nicht wenige, die 2006 die letzten Tage des Mozart-Jahres gezählt haben, denn so langsam fühlte man sich so ungefähr wie nach dem Genuss einer ganzen Familienpackung Mozartkugeln: glücklich, aber auch ein wenig übersättigt.

Das Bärmann-Trio: Die drei Herren in Schwarz meistern die irrwit

Autor:

Dietlind Beinßen

Das "Bärmann-Trio" leistete bei seinem Konzert für den Kulturverein im Saal des Niedersächsischen Staatsarchivs dennoch rückwirkend einen hörenswerten Beitrag zu Mozart und wies gleichzeitig auf Mikhail Glinka hin, dessen 150. Todestag sich nähert. Dass Mozart die Familie der Klarinetten sehr schätzte und deswegen einen Großteil der Literatur für dieses Instrument selbst schrieb, dürfte nicht nur den "Jenseits von Afrika"-Fans bekannt sein. Für die Altklarinette, das Bassetthorn, hegte der Meister im Gegensatz zu Beethoven eine ganz besondere Liebe, die Klarinettist Sven van der Kuip,Bassetthornist Ulrich Büsing und Pianist John-Noel Aattard mit zwei Arien aus der Oper "Titus", KV 621, klangsatt auferstehen ließen. Es folgten Beethovens ansprechende "Zwölf Variationen F-Dur" über "Se vuol ballare" aus Mozarts "Figaro" in der Bearbeitung von Ulrich Büsing. Die Vielfalt der in verschiedenen Modifikationen präsentierten Klarinetten wurde dabei geschickt ausgelotet. Reichlich bizarr und am Ende zerbröselnd dann das "Sample Monogramm 3" nach Mozart, KV 580 b. Der 27-jährige Johannes Kreidler schuf diese ungewöhnliche Mozart-Adaption 2003 extra für die "Bärmanns". Kein Wunder, dass die drei Herren in Schwarz alle Register zogen, um die irrwitzigen - an den Eingeweiden des Flügels zerrenden - Sprünge und Zerstückelungen genauso zu meistern wie die sanglichen Parts. Mozart selbst musste zu dieser Verballhornung seines Fragments für Klarinette, Bassetthorn und Streichtrio leider schweigen. In Mendelssohn Bartholdys für Heinrich Bärmann und dessen Sohn Carl verfasstem "Konzertstück Nr. 2, d-Moll", op 114, spielten sich die Interpreten virtuos und mit größt möglicher Intensität die Bälle zu, um danach genügend Noten-Futter in den pikanten Rhythmen des "Trio Pathétique" von Mikhail Glinka zu finden. Entsprechend wurde aufgewartet: mit Verve und artikulatorischer Eloquenz, engagiert, dialogfreudig - und entspannt. Genau das war Glinka, dem "Patriarchen der russischen Musik", einst so wichtig, meinte dieser doch: "Gefühl und Form, das ist wie Leib und Seele". Einhelliges Wohlwollen zeigten die Besucher im Saal des Niedersächsischen Staatsarchivs auch bei der Zugabe, dem temperamentvollen Allegro aus Dvoráks "Legenden".

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