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Wie geht es der Biene? Eine Spurensuche

Völkersterben oder Aufwärtstrend? Wie steht es um das Insekt, das uns den Honig bringt? Die NDZ hat sich die Debatte einmal genauer angeschaut.

Was macht eigentlich die Biene? Die NDZ hat sich vor Ort auf Spurensuche gemacht. FOTO: DPA
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Christian Zett Redaktionsleiter zur Autorenseite

Die Ministerin: Barbara Otte-Kinast (CDU) hat ein Amt, das den Konflikt schon in sich trägt – wie kaum in einem Ministerium prallen bei der Landwirtschaft Glaubensfragen, Grundsatzdebatten und Ideologien aufeinander. Und werden mitunter vom politischen Gegner genüsslich zelebriert. Jüngstes Beispiel: Die Landwirtin aus Beber lud in ihrem Ministerium in Hannover zur Honigverkostung – und sagte dabei einen Satz, den selbst die eigenen Leute aus der Pressestelle so wichtig fanden, dass sie ihn auszugsweise über die offizielle Mitteilung zum Termin setzten: „Imkern ist wieder in, die Nachwuchssorgen sind vom Tisch und vom Aussterben der Honigbiene sind wir weit entfernt.“


Die Kritiker: Der politische Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten – zumindest über den Teil mit dem Aussterben, der auch über der Mitteilung steht: Die langjährige Chefin der Niedersächsischen Landfrauen verharmlose das Problem, übe sich in „Heiler-Welt-PR“ (Zeitung „Taz“) und vermittle ein „völlig falsches Bild“ (Naturschutzbund Niedersachsen). Auch die Grünen schimpften. Dabei scheint man sich ganz grundsätzlich nicht uneinig zu sein: Der Nabu räumt ein, die Aussagen der Ministerin seien in Sachen Honigbiene korrekt. Wildbienen (die auch Honig produzieren) und anderen Insekten gehe es dagegen nach wie vor schlecht.

Naturschützer fordern unter anderem mehr Rückzugsorte von Bienen: Das Land fördert bereits jetzt Landwirte, die dafür sogenannte Blühstreifen anlegen. Und auch Otte-Kinast sagt: „Ich wünsche mir, dass jeder Landwirt während seiner Ausbildung etwas über die Wichtigkeit dieses kleinen Nutztieres erfährt.“

Der Chef-Imker: Wie nah die Politik und die Imkerei einander sind, zeigt sich im heimischen Landkreis in einer Person: Dirk Adomat. Der ist nicht nur SPD-Landtagsabgeordneter, sondern auch Kreisimkermeister. Und wenn man ihn zum Thema telefonisch erreicht, ist er passenderweise gerade auf dem Weg zu seinen Bienen.

Dass Honigbienen auch Probleme haben, ist aus seiner Sicht kein Geheimnis. Adomat spricht erst mal von einem fast schon historischen Problem namens Varroa-Milbe.

„Die gibt es hier seit 30 Jahren“, sagt Adomat. Und: Sie macht den Bienen zu schaffen, weltweit. Das weniger als zwei Millimeter große Tierchen saugt den Larven Körperflüssigkeit aus, überträgt für die Bienen gefährliche Viren, schwächt deren Immunsystem. Am Ende steht oft der sogenannte Zusammenbruch, der Tod eines gesamten Bienenvolks.

Adomat sagt: „Die Imker haben gelernt, damit zu leben.“ Soll heißen: Sie wissen, worauf sie achten müssen. Und planen den durch die Milbe von zehn auf bis zu 25 Prozent gestiegenen Verlust an Völkern entsprechend ein.

Für den Landkreis-Verband kann Adomat ansonsten den Aufwärtstrend belegen: Ein prozentual zweistelliger Zuwachs an Imkern zuletzt, etwa 140 im Verband organisierte Bienenfans verzeichnet er. Man kennt sich, man hilft sich untereinander – je mehr, desto besser.

Denn Extra-Imker bedeuten auch Extra-Arbeit: Angebotene Schulungen habe man vom Zwei-Jahres auf den Jahresrhythmus umgestellt. Thema ist auch, wie man Milbenbefall und andere Probleme angeht. Ein dringender Rat von Adomat an Einsteiger: Erst mal einem anderen Imker über die Schulter schauen. Und: Keine Völker im Internet bestellen: „Am Ende schleppt man so noch weitere Krankheiten ein, die wir hier noch gar nicht haben.“

Der lokale Imker: Oliver Vogt aus Hachmühlen ist Imker. Und beschreibt auf seiner Internetseite www.honigexpress.com, wie er durch ein Natur-Erlebnis dazu kam: Vor acht Jahren saß er mit seiner Frau unterm Kirschbaum im eigenen Garten. Und vermisste plötzlich die dort stets schwirrenden Insekten. Er begann, sich mit dem Thema Bestäubung von Pflanzen zu beschäftigen – eine wichtige Bienen-Aufgabe. Über einen befreundeten Imker kam er dann selbst zum ersten Bienenvolk und zum ersten Honig: „Ein unbeschreibliches Erlebnis.“

Vogt freut sich, dass sich immer mehr Menschen fürs Imkern begeistern und selbst züchten. Probleme sieht der bei den Honigbienen trotzdem nach wie vor. Aber: Diese seien bei anderen Insekten noch viel stärker. Wildbienen und andere Tiere, die öffentlich nicht so wahrgenommen werden, leiden aus seiner Sicht unter Umwelteinflüssen, Giften, Nahrungsmangel: „Das ist viel erschreckender.“ Leider geschehe das im Gegensatz zum Thema Honigbienen oftmals ohne die nötige öffentliche Aufmerksamkeit: „Die Insekten haben keine Lobby“, bedauert Vogt.

Inzwischen betreibt er auch einen Fachhandel und hat Kontakt zu Anfängern. Wichtig ist für Vogt, dass sich interessierte Neu-Imker klar darüber werden, welche Verantwortung sie übernehmen: „Man stellt sich nicht einfach einen Kasten in den Garten – man muss sich kümmern wie um einen Welpen oder ein Karnickel.“



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