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Viel Erstaunliches gibt es bei der Pferdetherapie im Taubblindenwerk zu entdecken / Selbstversuche der Kinder

Wie fühlt sich diese andere Welt an?

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der Klasse 3 der Grundschule Hemeringen

Fischbeck. Daniel freut sich. Gleich steigt er auf das Pferd. Er hat schon seine schwarze Weste an, die ihn vor Stürzen beschützen soll. Es ist zwar noch nie etwas passiert, aber die will er immer anziehen. Und dann geht’s los. Unterstützt von Viola Bauer, steigt der taubblinde Mann auf und reitet los. Wir sind erstaunt.

Wir, das ist die Klasse 3 der Grundschule in Hemeringen, wollten einmal wissen, wie taubblinde Menschen leben, was sie fühlen und wie sie ihre Umwelt wahrnehmen. So kam es, dass Viola Bauer und Cathrin Kunze, die Therapeutinnen vom Reitstall des Taubblindenwerkes in Fischbeck, mit zwei Bewohnern und ihren Therapiehunden uns erst in unserer Schule besuchten und wir dann bei ihnen erleben durften, wie das therapeutische Reiten in Fischbeck ist.

Schon der Besuch in der Schule war aufschlussreich: Nach einer Kennenlernrunde probierten wir – Ohren und Augen fest verschlossen – zu essen, Getränke einzuschenken und zu trinken. Dann ging es raus auf Rasen, Sand, Schotter und Wege. Erst von einem Klassenkameraden geführt, später mit Blindenstock und Führhund, machten wir ganz neue Erfahrungen. Dabei begleiteten uns die taubblinden Bewohner Daniel und Jörg, mit denen wir über das Buchstabenschreiben in die Hand, auch „sprechen“ konnten. Die Hunde Kasper und Tobi haben die Taubblinden begleitet. Die beiden Königspudel passen gut auf die Bewohner auf. Als wir Tobi gestreichelt haben und es ihm zuviel geworden ist, ist er zu Jörg gegangen und hat sich nur noch von ihm streicheln lassen. Jörg war sowieso ganz nett, total geduldig und hat immer gelächelt.

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Als wir dann in Fischbeck ankamen, haben die Therapeutinnen uns begrüßt. Der Hof und die Reithalle und der Stall waren richtig groß. Daniel hat fast ganz alleine einen Stall ausgemistet und war dabei schneller als wir „taubblind“. Wenn die Taubblinden die Pferde putzen, dann sind die Pferde ganz glänzend. Wir haben uns gewundert, dass die Pferde nicht getreten haben, als wir „taubblind“ hinter ihnen herumgelaufen sind.

Die Pferde heißen Kobalt und Leon. Ein Pferd wiegt um die 630 Kilogramm – das hätten wir nicht gedacht. Leon ist neun und Kobalt sechs Jahre alt. Als die Pferde auf der Wiese standen, sahen sie so klein aus und als sie dann in den Stall gekommen sind, waren sie riesig. Als wir in der Reithalle waren, mussten wir erst einmal warten, bis die Pferde startklar waren. Als nächstes sind zwei Betreuer mit den Pferden und Taubblinden rausgegangen zu der Aufstiegsrampe, damit die Taubblinden aufs Pferd gelangen konnten. Sie kamen in die Halle und ritten. Michael, ein taubblinder Bewohner, konnte sogar Kunststücke machen. Wir waren sehr erstaunt, dass Michael das konnte, obwohl er taubblind ist. Daniel, ein sehr begabter Reiter, konnte sich auf dem Pferd umdrehen. Vor dem Reiten fühlte Daniel vom Pferd die Wimpern. Wir waren erstaunt, dass das Pferd sich das gefallen ließ. Die Taubblinden ritten nicht mit einem Sattel, sondern mit einer Decke und einem extra angefertigten Gurt. Und sie sind auch rückwärts, im Trab und im Galop geritten. Ein Reiter ist sogar sitzen geblieben, als Kobalt sich aufgebäumt hat. Manchmal haben sie einfach losgelassen beim Reiten und sind freihändig geritten – taubblind! Die Pferde waren ruhig, geduldig, lieb und vorsichtig zu den Taubblinden.

Mit verbundenen Augen fühlt sich alles ein klein wenig anders an.



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