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Anton Traas 1945 Insasse im "Arbeitserziehungslager" am Birkenweg / "Hinlegen!" - "Aufstehen" / Am Bahnhof Waggons mit Koks entladen

Wie ein Holländer in Bad Eilsen seine schwersten Stunden erlebte ...

Bad Eilsen. Ein ehemaliger Strafgefangener aus dem "Arbeitserziehungslager Eilsen" hat jetzt seine Leidensgeschichte erzählt: Willy Honebein aus Bad Eilsen, Bürgermeister nach dem Zusammenbruch, holte den Mann damals aus dem Lager ...

Anton W. Traas

Autor:

Fritz Winkelhake

Der Holländer Anton W. Traas, Jahrgang 1923, musste nach Diplom der Fachschule für Metall und Anstellung in einer Werkstatt, die für die Wehrmacht arbeitete, untertauchen, da er mit einem Arbeitseinsatz in Deutschland rechnen musste. Er versteckte sich im Norden Hollands bei Fremden, arbeitete beim Bäcker, Sesselhersteller und Schmied, bis er Ende 1944 aufgegriffen und nach Deutschland transportiert wurde. Zusammen mit 25 jungen Männern wurde er im Güterwagen der Reichsbahn nach Hannover transportiert und musste dort mit seinen Mitgefangenen eine gesprengte Fabrik enttrümmern. Dort konnte er auch jüdische Gefangene beobachten, die mit Schlägen singend zur Arbeit gezwungen wurden. Mit seinem neuen Freund unter den Gefangenen, Julke Marinus, floh er Richtung Holland. Jedoch kamen die beiden nur bis Minden. Auf dem Bahnhof wurden sie verhaftet, ins Gefängnis gesteckt und zusammen mit 21 Männern über Bückeburg mit dem Eilser Minchen am 22. Januar 1945 nach Bad Eilsen gebracht. "Mit 16 Gefangenen kamen wir dort an. Wo die anderen fünf Männer geblieben sind, weiß ich nicht." So Anton Traas. Das Bad Eilser Straflager schien ziemlich neu zu sein, denn es war sehr sauber und sah wie neu aus. Es lag am Birkenweg nach Ahnsen direkt an der Aue etwa dort, wo sich heute der Parkplatz gegenüber des Altenheimes Desiree befindet. Die Geheime Staatspolizei hatte die Leitung des Lagers, das aus zwei Baracken bestand. Uniformierte und mit Gewehren bewaffnete Personen begleiteten und bewachten die Lagerinsassen. Zwei große Baracken standen dicht nebeneinander. "Auf einem Zimmer schliefen wir 16 Männer. Es gab in der Baracke außerdem ein zweites Zimmer mit 16 Betten, einen Lagerraum, einen Raum mit Koks, das Zimmer der Bewacher und Klo sowie Waschbecken. Im zweiten Zimmer schliefen Russen und Jugoslawen. In einer zweiten Baracke waren Ostarbeiter untergebracht, auch Frauen." Der Ofen im Raum wurde mit Abfällen, die man von der Arbeit mitbrachte, geheizt. Koks konnte man von den Bewachern nur "im Kauf erhalten", erzählt Traas. Im Gang lag gegenüber dem Zimmer der 16 Männer aus dem Gefängnis Minden eine lange Waschgelegenheit mit vielen Wasserhähnen. Im Koksraum gab es ein Klo. Einer der Wachmänner wurde heimlich "Disziplin" genannt, weil er sehr hart zu den Gefangenen war. Das bekannte Spielchen mit dem Gebrüll: "Hinlegen!" - "Aufstehen!" und Strafen, wenn das Zimmer nicht ordentlich aufgeräumt und gesäubert war, gehört zu den Erinnerungen von Anton Traas. Die Köpfe wurden den Gefangenen kahl rasiert. Das aus allen Lagern bekannte "Antreten" und "Zählen" und ständige Kontrollen gehörten zum Lageralltag. "Wenn wir gezählt wurden, machten wir uns manchmal einen Spaß und verzählten uns. Das war für uns eine Art Aufstand gegen das Alltägliche!", berichtet Anton Traas. Das Essen wurde immer vor der Tür der Ostarbeiter-Baracke abgestellt und von dort abgeholt. Es gab nach dem Wecken um 5.30 Uhr, dem anschließenden Waschen mit eiskaltem Wasser und Bettenbau um 6 Uhr sieben Schnitten Brot und Fleisch oder Schmalz. Bis 12.30 Uhr wurde gearbeitet, dann ging es unter Bewachung zurück ins Lager zum Mittagessen, einem halben Liter Suppe. Wieder ging der Marsch zur Arbeitsstelle. Um 18 Uhr marschierte man zurück ins Lager. Traas: "Wir wurden in Arbeitskolonnen aufgeteilt. Eine Gruppe entlud am Bad Eilser Bahnhof Eisenbahnwaggons mit Koks. Die zweite Gruppe grub im Harrl aus dem gefrorenen Boden Baumwurzeln und zerkleinerte diese." Wird fortgesetzt .

Eine Luftaufnahme der RAF vom 25. März 1945 zeigt das Eilser Lag
  • Eine Luftaufnahme der RAF vom 25. März 1945 zeigt das Eilser Lager.
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