weather-image
11°

Wie die Stadt Daten ihrer Bürger schützt

BAD MÜNDER. Bürotüren, die beim Verlassen des Raumes abzuschließen sind, passwortgesicherte PC-Zugriffe und ausgelagerte EDV-Daten: Das sind keine Nebenwirkungen der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnug, die jetzt bei der Stadt Bad Münder durchschlagen. Das gab es alles auch schon vor der DSGVO-Ära.

Die Sicherheit von Daten – ein großes Thema bei der Stadt. Foto: Wodicka

Autor:

Jana Grube

„Es ist ja nicht so, dass das vorher kein Thema war“, sagt Datenschutzkoordinator Christoph Illgen und verweist auf das Bundes- und Niedersächsische Datenschutzgesetz. Mit den Daten sei auch schon vorher „vernünftig umgegangen“ worden. „Wir müssen das Ganze jetzt nur noch mehr durchleuchten und dokumentieren als vorher“, verdeutlicht er. Einmal im Jahr kommt zudem ein externer Datenschutzbeauftragter ins Haus – eine Neuerung der DSGVO. Zuvor habe sich diese Aufgabe intern erledigen lassen, so Illgen.

Aber wie sichert denn die Verwaltung die sensiblen Daten ihrer Einwohner? Sämtliche EDV-Daten liegen auf einem Server im Rechenzentrum der Kommunalen Datenverarbeitung Oldenburg (KDO). „Das ist komplett gesichert“, so Illgen. Nur eine Handvoll Personen habe Zutritt zu dem Raum. Im Jahre 2014 entschied sich die Stadt für das Outsourcing – unter anderem wegen eigener veralteter Server und aus datenschutzrechtlichen Gründen, wie der Verwaltungsmitarbeiter erklärt. Seitdem lässt sich in den Büros vergeblich nach herkömmlichen Rechnern suchen. Zu finden sind lediglich handliche Computerterminals, sogenannte Thin Clients, die nur über einen Server funktionieren. Gearbeitet wird sozusagen auf einer virtuellen Plattform. Übrig geblieben sind lediglich drei konventionelle PCs. Sie stehen im Meldeamt, weil es laut Illgen die dortige Vielzahl an Peripheriegeräten – zum Beispiel für den Fingerabdruck-Scan – erfordert.

Um Daten vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, müssen Verwaltungsmitarbeiter ihre Büros abschließen, wenn sie sie unbeaufsichtigt zurücklassen würden. So steht es, erklärt der Datenschutzkoordinator, in der Dienstanweisung. Das gilt auch fürs das Kaffeeholen und den Toilettengang. „Selbst die Kopierräume sind abgeschlossen“, verrät Illgen. Zum Feierabend seien darüber hinaus wichtige Dokumente vom Schreibtisch zu räumen und einzuschließen. Nicht mehr benötigte Papiere, die vertrauliche Daten enthalten, müssen geschreddert werden.

Computer sind mit regelmäßig zu ändernden Passwörtern gesperrt. Nach zehnminütiger Inaktivität versetzen sich diese automatisch in den Ruhezustand. USB-Sticks anzudocken, erklärt der Datenschutzkoordinator, sei generell untersagt. „Das muss bei mir beantragt werden.“

Allgemein gilt, so Illgen: „Es gehen keine Daten an Dritte raus.“ Aber auch hier bestätigt die Ausnahme die Regel. Unter bestimmten Voraussetzungen darf die Stadt personenbezogene Angaben aus dem Einwohnermelderegister weitergeben – ohne sich das Einverständnis des Bürgers zu holen. Das betrifft mitunter sogenannte einfache Melderegisterauskünfte. Wie Elisabeth Borcherding vom Fachdienst Bildung, Service und Verein erklärt, ist dies beispielsweise der Fall, wenn eine Privatperson, die ein Klassentreffen organisiert und dafür die Anschrift ehemaliger Mitschüler benötigt, eine entsprechende schriftliche Meldeanfrage stellt. Dass die Behörde auch Auskunft erteilt, ist an gesetzlich festgeschriebene Voraussetzungen gekoppelt. Unter anderem muss der Anfragende darlegen können, dass er die gesuchte Person auch tatsächlich kennt, und versichern, dass er die Daten nicht für Werbezwecke verwendet.

Die Meldestelle ist ihrerseits zur Dokumentation verpflichtet. Borcherding: „Bei Erteilung von Auskünften muss protokolliert werden, zu welchem Zweck diese erfolgt ist, wer sie beantragt hat und welche Daten herausgegeben wurden.“ Aber unter anderem auch Parteien und Adressbuchverlagen dürfen Angaben über Vor- und Familiennamen sowie Anschriften erteilt werden. Wer das nicht will, muss der gesetzlich vorgesehenen Datenübermittlung formlos bei der Stadt widersprechen.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt