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Vortrag: Baugrubenöffnen Blick in den Untergrund / Beispiel Ritterstraße: Ofenkachel von 1560 entdeckt

Wie die Archäologie mit dem Bagger kooperiert

Rinteln (who). Wenn in Stadtbereichen mit mittelalterlicher Vorgeschichte Baugruben für neue Häuser ausgehoben werden, dann nutzen die Archäologen gerne die Gelegenheit, per Blick in den Untergrund Rückschlüsse auf die Siedlungsgeschichte zu ziehen. Joachim Schween aus Hameln berichtete am Mittwochabend im Rintelner Museum Eulenburg über die Ergebnisse von gleich zwei Rintelner Bauvorhaben. Dabei hatte er in kurzem Abstand im Wettlauf beziehungsweise in Kooperation mit dem Bagger nach geschichtlichen Zeugnissen gesucht.

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Für den Neubau eines Wohnhauses war das Haus am Dingelstedtwall 2 abgerissen worden. Der Schnitt in den Wall habe allerdings nur verschiedene Bodenschichtungen gezeigt, so Schween. Etwas ergiebiger sei dagegen die archäologische Begleitung oder Notuntersuchung beim Bauvorhaben der Fleischerei Rauch in der Ritterstraße gewesen. Denn: Unter anderem war beim Ausheben der Baugrube ein Keramikbruchstück zum Vorschein gekommen. Bei Vergleichen hatte sich gezeigt: Das Stück gehört sehr wahrscheinlich zu einer mittelalterlichen Ofenkachel. Die sogenannte Blattnattkachel mit der typischen vergrößerten Oberfläche für die effektivere Wärmeabstrahlung dürfte aus der Zeit um 1560 stammen. Andere Scherben datieren auf das 13. und 14. Jahrhundert. Bruchstücke sogenannter Weserware, die bis ins 17. Jahrhundert gebräuchlich war, verweisen darauf, "dass der Besitzer wahrscheinlich nicht ganz arm war", so Schween. Die Archäologie nutzt heute die Möglichkeiten, mit Bauarbeitern und ihren Baggern zusammenzuarbeiten, verwies der Hamelner Wissenschaftler auf einen neueren Trend in der Archäologie. Hintergrund: Bei Bauvorhaben in einem Areal mit geschichtlicher Bedeutung gehen Wissenschaft und Bauherren zunehmend zusammen. Die Archäologen bekommen bei diesem System die Möglichkeit, vor dem Anrücken des Baggers zumindest Notgrabungen vorzunehmen und zeichnerisch sowie digital die Grabung zu dokumentieren und für Forschungszwecke festzuhalten. Als Paradebeispiel dafür stellte Joachim Schween das Projekt des ECE-Shoppingcenters in Hameln vor. Stück für Stück hatten die Archäologen dabei Partien des Untergrundes freilegen und dokumentieren können. Als wertvolle Helfer hatten dabei virtuose Baggerführer gewirkt und Vorarbeiten für die Archäologen geleistet. Ebenso Stück für Stück hatten die Wissenschaftler die gefundenen Fundamente, Gruben und Gewölbe dokumentiert und per Fotomontage zu einem aufschlussreichen Gesamtbild zusammengesetzt. Das bedeutsamste Ergebnis: Neben vielen Fundstücken und den Resten eines Wohnturmes deuten die Gründungsumrisse von frühmittelalterlichen Grubenhäusern auf den dörflichen Siedlungsursprung des alten Hameln hin. Die Zusammenarbeit zwischen Archäologen und Bauunternehmen beziehungsweise Bauherren könnte künftig zur Regel werden. Durch sogenannte Grabungsvereinbarungen soll ein verlässlicher Rahmen für beide Seiten geschaffen werden, der die zeitliche Abstimmung für die archäologische Ausgrabung auf der einen und den planbaren Baufortschritt auf der anderen Seite garantiert.



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