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Firmen Geldbach und Euroflansch verkehren nur noch vor Gericht miteinander / Vorwürfe im Internet

Wie aus Partnern erbitterte Gegner wurden

Rodenberg (bab). Früher bildeten die Firmen Geldbach und Euroflansch ein Joint Venture, heute verkehren sie nur noch vor Gericht miteinander. Ein erbitterter Streit zwischen den zwei Firmen scheint das Zeug zu einem echten Wirtschaftskrimi zu haben. Das geht jedenfalls aus einem offenen Brief hervor, den die Geschäftsführer der Wilhelm Geldbach Piping Equipment, Sheriff Aziz und Andreas Pozzi, an Rodenbergs Stadtdirektor Uwe Heilmann adressiert haben und der im Internet kursiert. Darin schreiben sie nicht nur von "erheblichen Ungereimtheiten", die das Verhältnis zu Konkurrent Euroflansch betreffen. Sie werfen auch ihrem Vorgänger Norbert Jahn und ihrem ehemaligen Prokuristen Andrej Batschkowski vor, in die Sachverhalte "verstrickt" zu sein.

Es geht um den Diebstahl von Unternehmenssoftware und Firmendaten. Juristisch hat die Firma Geldbach, die ausÄrger über die Stadt Rodenberg nach Gelsenkirchen umgesiedelt ist (wir berichteten gestern), bereits Teilerfolge erzielt. Ihr Mitbewerber Euroflansch, der ebenfalls mit Flanschen und Fittingen handelt, wirft den Klägern vor, vor Gericht diese Erfolge nur mit falschen eidesstattlichen Versicherungen erreicht zu haben und wartet auf das Hauptsacheverfahren. Euroflansch, wo Andrej Batschkowski inzwischen tätig ist, und Norbert Jahn bestreiten die Darstellung der Geldbach-Chefs. Euroflansch wurde unter dem Firmennamen "EFF Euro Flansch Fitting GmbH" als Joint-Venture-Projekt 2006 in den Räumen der Wilhelm Geldbach Piping Equipment gegründet. Vermittler war Geldbachs damaliger Geschäftsführer Jahn. Für die Gründung lag nach Jahns Auskunft ein Gesellschafterbeschluss von Geldbach vor. 50 Prozent der Anteile am Joint Venture gingen an chinesische Geschäftspartner, 10 Prozent an Geldbachs damaligen Prokuristen Batschkowski und 40 Prozent an dessen Frau. Wegen Verwechselungsgefahr in Branchenkreisen musste die neugegründete Firma ihren Namen von "EFF Euro Flansch Fitting GmbH" in "Euroflansch GmbH" umbenennen. Deren Geschäftsführer ist Michael Skatikat, ehemaliger Sachbearbeiter bei Geldbach. Im Sommer 2007 war Jahn in den Ruhestand gegangen und gab die hiesige Geldbach-Gesellschaft an die Holding "Geldbach Handels- und Verwaltungs GmbH& Co. KG" zurück. Diese hat, wie auf der Homepage im Internet dargestellt wird, Beteiligungen an 28 Tochterfirmen, darunter auch Wilhelm Geldbach Piping Equipment. Nachfolger von Jahn sind die Geschäftsführer Sheriff Aziz und Andreas Pozzi. Beide sind Verfasser des offenen Briefes. Die ehemaligen Mitarbeiter von Geldbach sollen illegal geschäftliche Daten und speziell angepasste Unternehmenssoftware an Euroflansch transferiert haben. Batschkowski wurde dafür vom Arbeitsgericht Hameln zu einer Geldstrafe verurteilt. Gegen das Urteil hat dieser Berufung beim Landesarbeitsgericht eingelegt. Außerdem hat das Landgericht Hannover der Firma Euroflansch durch eine einstweilige Verfügung untersagt, die Software weiter zu benutzen. Wie Pozzi sagt, ist der Firma Geldbach ein hoher finanzieller Schaden entstanden. Rund 75 Prozent des Umsatzes seien weggebrochen. Euroflansch-Chef Skatikat hat bereits in einem Schreiben auf den offenen Brief von Geldbach reagiert. "Beide Firmen arbeiteten freundschaftlich zusammen, und es war sogar eine Verschmelzung der Firmen geplant", so Skatikat. In diesem Zusammenhang sei auch die Software von Euroflansch für Geldbach weiterentwickelt worden, was der Firma nun zur Last gelegt werde. Anscheinend ist es mit der neuen Geldbach-Geschäftsleitung zum Zerwürfnis gekommen, in dessen Entwicklung Mitarbeiter von Geldbach die Seiten wechselten. Wie Skatikat angibt, wartet Euroflansch jetzt auf das Hauptverfahren: "Es hat zu keinem Zeitpunkt Ungereimtheiten und Verstrickungen der genannten Personen oder der Geschäftsführung gegeben." Geldbach klagt auch gegen seinen ehemaligen Geschäftsführer Jahn. Dieser sieht den Verfahren "gelassen entgegen" und hat sich "nichts vorzuwerfen", da er alle Vorgänge für Geldbach dokumentiert und Rechenschaft abgelegt habe. Die Gründung des Joint Ventures sei mit Wissen und Willen der Holding in Geldbachs Räumen geschehen, und eine Zusammenarbeit sei geplant gewesen. Dieörtliche Presse habe damals die Firmengründung und die Eigentumsverhältnisse veröffentlicht. Jahn verfasste inzwischen eine eigene Stellungnahme, die er nach Absprache mit seinem Anwalt in der kommenden Woche veröffentlichen will.




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