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Wettstreit an zwei Flügeln

Bad Münder. Show oder Konzert? Comedy oder Klavierkunst? Paul Cibis und Andreas Kern bieten von allem etwas. Zwei Vollblutpianisten mit Entertainerqualitäten. Wo sie auftreten, haben sie die Lacher auf ihrer Seite. In China, Hong Kong und Taiwan, in München, Berlin, Bonn – und jetzt auch in Bad Münder.

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„Freundschaft“ ist das Thema der 27. Niedersächsischen Musiktage, deren Programm das ungewöhnliche Duo um eine humoristische Facette bereicherte. Mit dem originellen Konzept der „Piano Battle“ sorgten die beiden befreundeten Musiker für beste Stimmung im vollbesetzten Martin-Schmidt-Konzertsaal. Das Publikum sparte nicht mit Applaus und übernahm wie verlangt bereitwillig die Rolle der Jury, die über Sieg und Niederlage in dem pianistischen Wettstreit zu entscheiden hatte.

„Begrüßen Sie…“ Die weibliche Stimme aus dem Off klang, als präsentiere sie zwei Kontrahenten, die sich dem Kampf im Boxring stellen. Paul, der verträumte Romantiker, und Andreas, der dynamische Draufgängertyp, betraten die Planche, die Konzertsaalbühne. Der eine ganz in Schwarz, der andere weiß gekleidet. Eine schwarze und eine weiße Seite hatten auch die Abstimmungskarten, die nach jeder Runde in die Höhe gehoben wurden. Spätestens beim Rundlauf um die Flügel, an dem sich Ole und Oliver, Ute und Wiltraud aus den Reihen der Zuschauer beteiligten, waren dann tatsächlich sportliche Fähigkeiten gefragt. Wer im Vorbeirennen den richtigen Ton von „Freude, schöner Götterfunken“ nicht traf, schied aus.

Chopin gegen Skrjabin, Schubert gegen Debussy. Die beiden Pianisten gaben alles. Sie spielten mit Themen und Stilrichtungen, donnerten das Schicksalsmotiv aus Beethovens fünfter Symphonie und stürmten mit Mussorgsky durch das große Tor von Kiew. In einem bunten Crossover von Klassik bis Rock griffen sie Vorschläge aus dem Publikum auf: Forellenquintett, West Side Story, À la turca, Lady Gaga, Yellow Submarine.

Gelegentlich kam ein nackter Fuß den zehn Fingern zu Hilfe, wenn der entfesselte Klang es erforderte. Die Entscheidung brachte die „One Man Band“, die Andreas mit akrobatischem Einsatz vorführte. Gegen so viel geballte Energie konnte Paul mit seiner minimalistischen Meditationsmusik und seiner sanften Ballade bei Kerzenschein nicht punkten. Er trug die Niederlage mit Fassung, gemäß der Parole des Abends, die Andreas gleich zu Anfang ausgegeben hatte: „Es geht darum, Spaß zu haben. Deshalb sind wir hier.“ Der stürmische Beifall bewies, dass die beiden Akteure diesem Vorsatz voll und ganz gerecht wurden.



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