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Zu teuer, zu wenig effektiv: Im Oktober wird Förderverein aufgelöst - EU-Gelder fließen in Eisenhammer und Radwege

Weserkahn erleidet Schiffbruch: Aus für Tourismus-Projekt

Rinteln (wm). Am 9. Oktober soll im Sitzungssaal des Rathauses der Gemeinde Kalletal der Förderverein "Historische Weserkähne" aufgelöst werden. Letzter Akt für ein ehrgeiziges Projekt, das Rinteln, Vlotho und die Gemeinde Kalletal gemeinsam realisieren wollten, das aber letztlich an einer Vielzahl nicht zu lösender Probleme scheiterte.

Als Werbung für das Binnenschiffprojekt legte die "Lüder von Ben

Die Idee war bei einem Museumsbesuch im Schloss Brake entwickelt worden, wo es Reste eines aus der Weser geborgenen Lastkahns zu sehen gibt. Von Erder aus fuhren solche Kähne bis Bremen, damit ist auch Obernkirchener Sandstein transportiert worden. Es sollten auch Touristen in einem historisch korrekten Nachbau eines solchen Weserkahns auf der Weser schippern. Deshalb wurde im Januar 2004 der Förderverein "Historische Weserkähne" gegründet. Am mangelnden Engagement aller Beteiligten hat es nicht gelegen, dass die Idee nicht Realität geworden ist, denn gleich drei Bürgermeister von Weseranrainern haben sich für das Projekt stark gemacht: Klaus Fritzemeier im Kalletal, Karl-Heinz Buchholz in Rinteln und Bernd Stute in Vlotho. Und es gelang sogar, für den Nachbau des Kahns europäische Fördergelder aus dem Leader-plus-Programm locker zu machen. Eine Bremer Werft hatte Erfahrung im Nachbau historischer Schiffe, außerdem 2002 bereits einen ähnlichen Kahn gebaut, die "Lüder von Bentheim", mit der Touristen die Hafenanlagen in Bremen besichtigen. Rund 100 000 Euro sollte ein Nachbau für die Weser kosten und ein Touristenmagnet werden, ähnlich wie die Draisine. 53 Passagiere und 20 Fahrräder sollten an Bord Platz haben und "Touristen in der Region binden" - so stand es im Konzept. Der Teufel steckte - wie üblich - im Detail: Gebraucht worden wären nämlich zwei Kapitäne mit einem Patent, speziell für die Weser, dazu weiteres Personal - ein beachtlicher Kostenfaktor und eine ungelöste Frage: Was machen die Kapitäne im Winter? Dann stellte sich heraus, dass die Bremer Werft nicht in der Lage war, den Kahn in der projektierten Zeit zu bauen - vorgegeben durch das Förderprogramm. Deshalb hatte die Werft vorgeschlagen, die Initiatoren könnten doch die "Lüder von Bentheim" kaufen. Fachleute von der Reederei "Flotte Weser" in Hameln schauten sich das Boot an - und winkten ab. Für eine Personenbeförderung auf der Weser hätte die "Lüder von Bentheim" aus Sicherheitsgründen aufwändig umgerüstet werden müssen - zu teuer, zu wenig effektiv. Die Werft meldete Insolvenz an. So wurden die EU-Gelder schließlich "umgeleitet" für den Radwegebau in Hessisch Oldendorf und für die Sanierung des "Eisenhammers" in Exten zum Industriemuseum. Es war kein schlechter Tausch, wie Leader-plus-Manager Heiko Wiebusch jüngst bei einer Sitzung in Rinteln lobend hervor hob. Der Eisenhammer sei ein "Vorzeigeprojekt", vor allem wegen des "vorbildlichen bürgerschaftlichen Engagements". Wiebusch: "Es macht Spaß, mit diesen Leuten zusammenzuarbeiten." Trotzdem sei es schade, dass der Weserkahn "Schiffbruch" erlitten habe.

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