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Pastorin Uta Bösche-Ritter erzählt Sagen aus der griechischen Mythologie

Wer ist die Schönste im ganzen Land?

Beber (hzs). „Wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Diese Frage bewegt nicht erst seit Schneewittchen die Menschheit. Schon bei den alten Griechen war sie Anlass für reichlich Zwietracht. Die Flegesser Pastorin Uta Bösche-Ritter widmete dieser weltbewegenden Frage in der St.-Magnus-Kirche in Beber jetzt eine ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Stunde.

Unterhaltsam wie lehrreich: Uta Bösche-Ritter und ihr Sohn Andreas gestalten einen Erzähl-Abend mit Musik zum Thema „Wer i

Die rund 40 Besucher träumten sich fort in die archaische Welt der Olympier um den Göttervater Zeus, erlebten dessen listenreiche Verführung der schönen Königstochter Europa. Auch der fatale Richterspruch des Jünglings Paris im göttlichen Casting-Wettbewerb um den „der Schönsten“ gewidmeten goldenen Apfel durfte ebenso wenig fehlen wie die actiongeladene Geschichte vom strahlenden Helden Perseus, der die Königstochter Andromeda davor rettet, von einem Monster verschlungen zu werden.

Bösche-Ritter erzählte die Sagen frei, in moderatem Tempo, mied melodramatische Akzentuierungen und wählte instinktsicher einen Sprachstil irgendwo zwischen Gustav Schwab und den Brüdern Grimm. Den verwunderten Zuhörer offenbarte sich eine erstaunliche Parallelität inhaltlicher Versatzstücke mit biblischen Texten: Auch hier schafft ein Apfel Probleme, lässt ein Blick aufs Medusenhaupt nicht zu Salz, doch zu Stein erstarren, werden Mutter und Kind auf der Flucht in einem Kistlein irgendwo angeschwemmt und erlangen Berühmtheit. Zudem wimmelt es nur so von Monstern, Feuer speienden Drachen, strahlend schönen Jünglingen, greisen Königen mit unglücklichen Töchtern – und über allem schweben Supermännern wie Zeus, dessen Adlatus Hermes und die ganze griechische Götterriege.

Heidnische Mythologie in einer christlichen Kirche? Ja, sagte Bösche-Ritter, denn „der christliche Glaube hat nicht aus Nichts seine Form bekommen.“ Sagen, Märchen und Mythen, so die Theologin, brächten „Grundsätzliches durch die Zeiten“. „Auch wenn das keine echten Mythen mehr sind, da keiner dazu einen Ritus ausführt.“

Musikalisch interpretierte Bösche-Ritters Sohn Andreas die Geschichten ungemein virtuos auf der Flöte. Der 31-jährige Doktorand der Südosteuopa-Geschichte war eigens aus Freiburg angereist. Dem leidenschaftlichen Musiker gelang vor allem mit Telemanns „Fantasie Nr. 1“ und Jacob van Eycks „englischer Nachtigall“ eine beeindruckende Illustrierung der Erzählungen.

Am Ende führte Bösche-Ritter in der Legende vom Heiligen Georg, dem Drachentöter, heidnische und christliche Motive zusammen. Die Frage nach der Schönsten aber blieb, wie seit Jahrtausenden, unbeantwortet.



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