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Debatte von 1988 lebt wieder auf - mitähnlichen Argumenten / Heute tagt Ausschuss

Wenn Radler auf nackte Bäuche gaffen - heftige Kritik an Radweg-Plänen

Rinteln (wm). Der Bauausschuss wird heute Abend ab 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses unter anderem auchüber eine neue Trassenführung des Weserradweges entlang des Freibades diskutieren (wir berichteten). Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz erklärte gestern in einem Telefongespräch, er würde es bedauern, sollte der Bauausschuss dieses von einer Arbeitsgruppe des Rates vorbereitete Projekt ablehnen, vor allem, weil dank der Fördergelder die Finanzierung gesichert sei.

Der Konflikt zwischen Radfahrern und Parkverkehr am Weseranger s

Die Kritik an den Kosten von rund 175 000 Euro für die Stadt kann Buchholz nicht recht nachvollziehen, denn zum Radwegebau gehöre auch eine schon lange gewünschte Erweiterung des Parkplatzes am Weseranger und eine Verlegung und damit Aufwertung des Info-Points, weg vom Parkplatz in die Nähe des Biergartens. Was für ihn noch wichtiger ist: Radtouristen würden nicht mehr in Konflikt mit dem Parkverkehr am Weseranger und Freibad kommen. Dass es hier schon haarsträubende Szenen gegeben hat, bestätigten im Vorjahr auch die Bademeister. Gestern am Lesertelefon meldeten sich ausschließlich Bürger, die von der Idee, Radtouristen könnten nackte Bäuche beim Bräunen am Weserufer begaffen, wenig begeistert sind. Leser wie Anne Wilke, selbst Radfahrerin, Badbesucherin und befreundet mit Kanuten, fragten sich, warum am Weserangerbad aufwendig Sand aufgeschüttet und Strandkörbe aufgestellt worden seien, um Beach-Atmosphäre zu schaffen, wenn das alles hinter einem hohen Zaun verschwinden soll. Daniela Dube-Menke, Mutter von zwei Kindern (zwölf und drei Jahre alt), hielt das Projekt für "einen vorgezogenen Aprilscherz". Über 351 800 Euro für 400 Meter Radweg - so viel Geld könne man in der Stadt sicher sinnvoller investieren. Dr. Eckhard Marx hielte es für effektiver, dann den Radweg entlang der Hartler Straße und am Doktorsee mit Bäumen, Sitzbänken und Anpflanzungen aufzuwerten: "Das ist eine öde Betonpiste." Das Argument, die Bauern würden dafür keinen Quadratmeter abgeben, will er nicht gelten lassen. Die pflügten auch öffentlichen Grund und Boden weg, nämlich die Randstreifen an den Wegen: "Da könnte die Stadt ja auch tätig werden." Einenüberraschenden Beitrag zur Debatte lieferte gestern Dieter Horn, Ortsbürgermeister in Engern und SPD-Ratsherr. Horn hatte nämlich in seinem privaten Archiv geblättert und Zeitungsartikel aus dem Jahr 1988 gefunden. Dort heißt es: "Heftig debattiert wurde im Bauausschuss die Frage, ob der alte Treidelpfad vom Weserangerparkplatz über das Gelände des Freibades bis zum Kanu-Club fortgeführt werden soll. Mit einer Mehrheit von fünf Stimmen empfahl das Gremium, den Bau zu beschließen." Wäre also der Beschluss von vor 20 Jahren umgesetzt worden - den heute strittig diskutierten Radweg entlang der Badeanstalt gäbe es schon längst. Angestoßen hatten damals das Projekt rund 600 Bürger von Engern, Ahe und Kohlenstädt. Die hatten allerdings keine Radtouristen im Sinn, sondern wollten einen sicheren Schulweg für ihre Kinder. Verblüffend, wie sich die Argumente damals und heute ähneln. Da war von einem "KZ-Zaun für Badende" die Rede. Helmut Frieslich (CDU) warnte, die Badeanstalt verliere damit ihren Reiz. Dieter Horn, der damals schon im Rat saß, kämpfte für den Radweg - vergebens, der wurde wieder gekippt. Im Verwaltungsausschuss.



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