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Max Raabe und das Palast Orchester begeistern im ausverkauften Kuppelsaal

Wenn nostalgische Kostbarkeiten mit heiterer Wehmut dargeboten werden

Max Raabe verfolgt aus sicherer Entfernung die Solo-Darbietungen einzelner Orchestermitglieder.

Großes Kino im Kuppelsaal – Max Raabe & Palast Orchester luden ein in die goldene Musik-Ära der 20er- und 30er-Jahre..

Seit mehr als 20 Jahren begeistert der 47-jährige Sänger seine Fangemeinde mit nostalgischen Musik-Juwelen aus einer längst versunkenen Epoche. Doch nicht nur im deutschsprachigen Raum verblüfft Raabe mit seinem einzigartigen Gesangsstil und dem staubtrocken, charmanten Humor die Menschen – selbst Amerika verneigt sich vor dem in Lünen geborenen Künstler und feiert ihn enthusiastisch bei seinen Live-Konzerten.

So ist es auch im Nachhinein nicht verwunderlich, dass der Sänger sein aktuelles Live-Album „Heute Nacht oder nie“ in der ehrwürdigen New Yorker Carnegie Hall aufnahm.

Der Frack sitzt perfekt, das Haar ebenfalls – ein wie aus dem Ei gepellter Max Raabe weiß eben, was das Publikum von ihm erwartet. Wie immer verzichtet Raabe auf ein spektakuläres Opening, betritt die Bühne fast unauffällig, nachdem er seinem Orchester und der Violinistin Cecilia Crisafulli galant den Vortritt ließ.

„I’m Singing In The Rain“ performt Raabe ohne Regenschirm und Steppeinlage. Wie auch bei anderen Titeln überrascht der Sänger sein Publikum mit konsequenter Bewegungslosigkeit und keckem Blick. Bei „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, holt er sich mit Thomas Huder, Rainer Fox, Michael Enders und Jörn Ranke vier seiner Musiker auf die Bühne – Erinnerungen an die Comedian Harmonists werden wach.

Bei Solopassagen der einzelnen Musiker zieht sich Max Raabe mit langsamen Schritten von der Bühnenmitte zurück und wartet, lässig gegen das Klavier gelehnt, auf seinen nächsten Einsatz.

Die Solisten werden nach getaner Arbeit namentlich genannt und nehmen die Streicheleinheiten des Meisters auch dankend, in Form eines tiefen Bücklings, entgegen.

„Mir ist so nach dir“, „Wenn die Elisabeth“, „Du bist nicht die Erste“ – bekannte Klassiker, die längst ihre glorreiche Zeit hinter sich haben, klingen durch Raabes einzigartige Interpretation wieder frisch und runderneuert.

Zwischen den Stücken gibt Raabe mit bemerkenswert gerolltem „R“ viel Wissenswertes zu den einzelnen Titeln zum Besten, greift dabei mit leichtem Augenzwinkern in die Schatztruhen der großen Dichterfürsten. Doch Raabe bereichert sich nicht nur an fast verstaubtem Liedergut – auch Eigenkompositionen wie „Klonen kann sich lohnen“ und „Kein Schwein ruft mich an“ gehören an beiden Abenden zum breit gefächerten Programm des Künstlers.

Raabe hat eine Marktlücke entdeckt: Die Wiederbelebung der Hits aus der Vorkriegszeit reißt das Publikum nach wie vor zu wahren Begeisterungsstürmen hin – Nostalgie ist eben noch immer etwas Schönes.




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