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Wenn Liebe blind macht: Unfallgefahr durch Rehwildbrunft /

BAD MÜNDER. Dienstagnacht, kurz vor Rohrsen. Ein Autofahrer ist auf der Kreisstraße unterwegs, plötzlich kracht es – ein Reh ist vors Auto gelaufen. Das Tier verendet, das Fahrzeug wird beschädigt. Für die Polizei und heimische Revierinhaber gerade jetzt kein ungewöhnlicher Unfall: Es ist „Blattzeit“.

Wenn der Rehbock die Ricke treibt, achten die Tiere nicht auf Verkehr. Autofahrer sollten besonders aufmerksam sein. Foto: Kauer/DJV

Autor

Gerhard Honig Reporter

Wenn der Bock die Ricke fast blind vor Liebe vor sich hertreibt, erhöht das die Gefahr von Wildunfällen deutlich. Denn nicht nur in den Abendstunden und nachts, auch tagsüber ist das Rehwild unterwegs und dabei deutlich weniger vorsichtig als üblich. Auf die vermehrte Möglichkeit von Wildwechsel auch zu untypischen Zeiten müssen sich Autofahrer jedes Jahr aufs Neue einstellen und entsprechende Aufmerksamkeit mitbringen.

Der Waidmann spricht von der „Blattzeit“, die geprägt ist vom Fortpflanzungstrieb, dem das Rehwild jetzt gehorcht. Wenn auch die anhaltende Hitze und Trockenheit der wild lebenden Tierwelt arg zusetzen, liebt aber gerade der Rehbock dieses Milieu – und seine Hormone spielen verrückt. Bis etwa Mitte August nähert sich die Paarungszeit der Rehe ihrem Höhepunkt. Ein uralter Jägerspruch sagt dazu: „Den Bock verwirrt der Sonne Glut, dem Hirsche tut die Kälte gut.“ Wenn des Bocks Suche nach einer Rehdame in seinem Territorium erfolgreich war, folgt ein oft Tage dauerndes Treiben, immer wieder unterbrochen durch Äsungs- und Ruhepausen, bis die Ricke endlich zur Paarung bereit ist. Der Begriff „Blattzeit“ leitet sich vom sogenannten Blatten ab, der Lockjagd auf den Rehbock mit Hilfe eines Buchenblattes, auf dem der Jäger die Lockrufe der Ricke nachahmen kann.

Das Rehwild stellte im vergangenen Jahr mit mehr als 400 im Straßenverkehr getöteten Tieren im Landkreis Hameln-Pyrmont den Löwenanteil bei den Wildunfällen. „Insofern lohnt sich für den Autofahrer besonders in diesen Wochen ein defensives Fahren mit besonderer Beachtung der oftmals unübersichtlichen Seitenräume an den Straßen“, heißt es bei der Jägerschaft.



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