×
Interview mit Ex Hot Chocolate-Gründungsmitglied Jim Larry Ferguson / „Ich freue mich auf die NDZ-Party“

„Wenn ich singe, gebe ich – deshalb bin ich auf der Bühne“

„Es ist mir immer noch sehr unangenehm, darüber zu sprechen, kann aber so viel darüber sagen, dass es bei meinem Ausstieg, und auch schon einige Zeit davor, um sehr viel Geld und die Rechte an den Songs ging. Wir hatten damals im Proberaum beschlossen, dass eine Person für die Gruppe sprechen und alle Entscheidungen treffen sollte. Das ist aber alles nicht zu unserer Zufriedenheit gelaufen. Eigentlich hätte sich die Band schon 1974 auflösen müssen – aufgrund unterschriebener Verträge war das aber nicht möglich. Ich werde keine Namen nennen – es klingt fatal, aber ich befinde mich noch immer in einem laufenden Verfahren. Ein Ende ist nicht in Sicht, keiner will nachgeben – es ist eine Katastrophe“, verriet uns Jim Larry während des Interviews.

Hot Chocolate gehörte insbesondere in den 70er Jahren zu den bedeutendsten Soul- und Funkbands weltweit, erhielt den Status „Most Successful European Band“ und aufgrund ihrer Erfolge einen Eintrag ins „Guiness Buch der Rekorde“. In der Zeit von 1970 bis 1986 hatte Hot Chocolate insgesamt 36 Hits in mehr als 40 Ländern der Welt, und wenigstens einen Top 10 Hit in jedem Land.

In der ersten Hochphase von Hot Chocolate war der in Nassau auf den Bahamas geborene Entertainer noch dabei – zu Top 10-Hits wie „Love Is Life“ (1970), „I Believe In Love“ (1971), „Brother Louie“ (1973) und „Emma“ (1974) spielte Ferguson Keyboard und sang die Background-Vocals. Dabei hätte sich seine Karriere durchaus anders entwickeln können.

Jim Larry: Ganz am Anfang habe ich gesungen, aber dann, wegen der wirklich außergewöhnlichen Stimme von Errol Brown, wurde das ganze Konzept umstrukturiert und auf seine Stimme aufgebaut. Zudem ist Errol auch ein exzellenter Songwriter. Letztendlich war es so richtig, wie es gekommen ist.

2 Bilder
Im Waldhotel Silbermühle in Horn-Bad Meinberg sprachen wir mit Jim Larry Ferguson unter anderem über seine Hot Chocolate-Vergangenheit und die Zeit danach.

Doch Jim Larry Ferguson nur auf die Hot Chocolate-Zeit zu reduzieren, wäre bedauerlich, denn „Mr. Soul“ stand unter anderem mit Größen wie Count Basie, Stevie Wonder, Joe Cocker und Ray Charles auf der Bühne. An einen sehr langen Auftritt erinnert sich Ferguson besonders gerne.

Jim Larry: Ich spielte in der „La Chunga-Piano Bar“ in Cannes, als nach Mitternacht Stevie Wonder dort auftauchte. Er hatte in der Nähe einen Auftritt und wollte noch etwas an der Bar relaxen. Als er mich spielen hörte, rief er: „Der Sänger muss mein Bruder sein, ich möchte gerne mit ihm zusammen spielen“ – fast vier Stunden haben wir dann gejammt. Einige Zeit später habe ich Stevie auch einmal als Support begleitet – im Rahmen seines Auftritts hat er mich dann auf die Bühne geholt und wir haben zusammen die Songs „Once In My Life“ und „My Cherie Amour“ gesungen.

Im Laufe seiner Karriere stand der 63-Jährige noch mit vielen anderen internationalen Stars auf der Bühne – so auch mit Jazzgrößen wie Ella Fitzgerald und Dizzy Gillespie – mit Ray Charles trat er sogar beim legendären Mountreux-Jazz-Festival auf.

Jim Larry: Das war eine tolle Zeit – das sind Erinnerungen, die dir keiner mehr nehmen kann. Von 1976 – 1978 tourte ich als Sänger mit den Drifters, war Bassist bei Ray Charles und als Support bei Joe Cocker. Als ganz junger Bursche war ich Perkussionist bei den Supremes, wurde bei wichtigen Anlässen immer von einem Bodyguard begleitet.

Der Multi-Instrumentalist lebte im Rahmen seiner Musiker-Tätigkeit in der ganzen Welt – von 1962 bis 1970 auch einige Jahre in Russland.

Jim Larry: Ich habe damals in Sankt Petersburg gewohnt und in Moskau für die Regierung gearbeitet. Dort habe ich in Krankenhäusern, Polizeistationen und auch im Knast gespielt – das war irgendwie eine interessante Erfahrung.

Seit 1997 lebt Jim Larry Ferguson in der Nähe von Hamburg – davor in der Schweiz .

Jim Larry: Ich bin Musiker aus Leidenschaft – um meinen Beruf ausüben zu können, brauche ich ein gutes Management, das mir Jobs besorgt und gute Kontakte herstellt. Darauf bin ich angewiesen, sonst läuft nichts. Leider hat mein Manager in der Schweiz nicht zu meiner Zufriedenheit gearbeitet – ich habe wichtige Kontakte verloren – irgendwann habe ich dann die Zusammenarbeit beendet und bin nach Deutschland gezogen, wo ich mich sehr wohl fühle.

Nach dem Motto „Zurück zur Musik“, möchte der smarte Entertainer sein Publikum glücklich machen, es zurück in die Nostalgie führen, alte Hits zu neuem Leben erwecken.

Jim Larry: Während meiner Show gehe ich durch mindestens 30 Songs, singe einige selbst komponierte Titel, Songs, bei denen ich das Arrangement umgestaltet habe - aber auch Cover, die ich auf meine eigene Weise interpretiere. Zu meinen Lieblingssongs gehört noch immer „My Way“ – eigentlich „Comme d’habitude“, geschrieben und getextet von Claude Francois, Jacques Revaux und Gilles Thibault – mit einem von Paul Anka 1968 geschriebenen englischen Text wurde es unter dem Titel „My Way“ jedoch durch Frank Sinatra weltbekannt.

Für die Zukunft wünscht sich Jim Larry, dass er noch eine Plattenfirma findet, die seine eigenen Songs veröffentlicht – ein frommer Wunsch, wie er meint.

Jim Larry: Das wird schwer. Ich bin nicht mehr 20 – die Plattenfirma kann mich nicht mehr manipulieren wie einen Newcomer – dazu bin ich zu lange im Geschäft. Für mich ist es eh teilweise unerklärlich, was die heute unter Musik verstehen. Der Trend ist zurzeit nicht ideal für Leute wie mich.

Jim Larry Ferguson ist sich selbst treu geblieben, einer der sich bis heute nicht verbiegen ließ, jedoch noch immer neue musikalische Herausforderungen sucht. Freuen wir uns auf Jim Larry Fergusons Auftritt bei der NDZ-Party in Bad Münder am 25. Mai – auf Hot Chocolate-Hits wie „ It Started With A Kiss“, „You Sex Thing“ und „Every 1’s A Winner“, bekannte Cover sowie eigene Titel.

„Hey Jim Larry, ich will keinen Sänger auf der Bühne, der besser ist als ich, spiele gefälligst Saxophon“, rief ihm kein geringerer als Ray Charles 1977 beim Montreux-Festival zu – kann es ein schöneres Lob geben?




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt