weather-image
Das ruhigste Angebot im Ferienprogramm: Schach / 24 Kinder nehmen das Angebot der Stadtjugendpflege an

Wenn Ferienkinder engagiert ihren König verteidigen

Bad Münder (jhr). Die Stirn in Falten gelegt. Der linke Fuß wippt. Die linke Hand zieht. Schnell. Dann verfolgen nur noch die Augen, was auf dem Brett passiert. Laura ist die Konzentration in Person. Egal, dass rechts von ihr der Turm vom Tisch fällt, dass hinter ihr Lilly lautstark ihre Niederlage beklagt. Laura spielt Schach. Sie verteidigt ihren König.

Lilly gönnt sich nach einer anspruchsvollen Schachpartie eine Pause. Fotos: jhr

Stadtjugendpfleger Frank Henning weiß um die Begeisterung, die das Spiel der Könige auf die jungen Teilnehmer des Ferienprogramms ausübt. „Schach gehört zu den gefragtesten Angeboten im Ferienprogramm, ist immer sehr schnell ausgebucht“, verrät er. 24 Teilnehmer haben sich im Saal des Point versammelt, an fünf Tischen wird – unterteilt nach Könnensstufen – gespielt. Begriffe wie „Sizilianischen Eröffnung“ und „Rochade“ spielen zwar keine eine Rolle, gespielt wird aber mit echter Leidenschaft. „Einige sind das erste Mal dabei und lernen unglaublich schnell, andere spielen regelmäßig und kommen jedes Jahr vorbei“, sagt Henning.

Lauras Gegenüber Leon beispielsweise – der Elfjährige spielt Schach auch in der Schul-AG. Wie Lauras Blick ist auch seiner starr auf das Brett gerichtet, auf dem gerade eine Schlacht tobt. Aus dem Figurengewimmel mag man nicht so recht schlau werden, aus den beiden Protagonisten auch nicht. Emotionale Regungen? Schwer zu erkennen. Der Anflug eines Lächelns, das Spitzen eines Mundes, das Knabbern an der Unterlippe bedürfen der Interpretation, die vage bleiben muss.

Geredet wird an diesem Tisch kaum. „Eines der leisesten Angebote im Ferienprogramm“, schmunzelt Henning. Er hat zu Beginn der Spiele Neulinge darauf hingewiesen, wie wichtig Ruhe ist. Erst, als nach zwei Stunden die Pause vor der „Rückrunde“ eingeläutet wird, geht es im Saal lebhafter zu. Einige toben umher, andere wie Lilly sind sichtlich mitgenommen. Sie hat den Kopf entspannt auf die Arme gelegt. „Zwei Stunden Denksport hinterlassen ihre Spuren“, sagt Henning, selbst begeisterter Schachspieler. Er habe es von seinem Vater gelernt, die Begeisterung für das Spiel auch an seinen eigenen Sohn weitergeben können.

Eine gewisse mathematische Begabung sei für das Spiel hilfreich, aber nicht zwingend notwendig. „Einige Kinder hier spielen einfach aus einem taktischen Grundverständnis heraus“, sagt er. Spaß macht es offensichtlich allen Teilnehmern, auch, wenn nicht immer ein Sieg herausspringt. Laura und Leon trennen sich remis – gleich zwei Mal.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt