weather-image

Wenn die eisigen Winternebel wabern...

Von Reinhard Zakrzewski

Besonders plötzlich auftretende Nebelbänke sind bei Autofahrern ein gefürchtetes Wetterphänomen.

Nebel ist mit einer auf dem Erdboden aufliegenden Wolke zu vergleichen. Meteorologen sprechen von Nebel, wenn die Sicht unter 1000 Meter fällt, oberhalb dieser Grenze von Dunst. Die wabernden weißen Schwaden bilden sich besonders gern in langen sternklaren und windschwachen Herbst- und Winternächten, wenn sich die untere Luftschicht durch die Abstrahlung der Bodenwärme in den Weltraum stark abkühlt. Tagsüber kann die schwache Sonne den milchigen Dunst nur noch mit Mühe oder gar nicht mehr auflösen. Fehlt dann noch der Wind zur Durchmischung der Atmosphäre, hält sich die „trübe Suppe“ unter Umständen tagelang.

Nebeltröpfchen bilden sich, wenn die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist. Das heißt, dass diese so viel Wasserdampf enthält, wie bei einer bestimmten Temperatur möglich ist. Unterkühlte Oberflächen, beispielsweise Gräser, Äste, Blätteroder Autos, ziehen die Nebeltröpfchen regelrecht an. Bei Werten über null Grad Celsius lagert sich dann Tau ab, unterhalb des Gefrierpunktes Eiskristalle als Raureif. Auf besonders stark unterkühlten metallischen Oberflächen wie auf Autos oder auf Glas wachsen Eiskristalle sogar schon bei Plusgraden. Kommen starker Frost, dichter Nebel und schwacher Wind zusammen, fällt besonders viel Reif an. Dann präsentieren sich Bäume und Sträucher in einem stimmungsvollen – weißen Winterkleid, mit dem stärksten Reifansatz in Windrichtung zu den heranschwebenden Nebeltröpfchen. Damit der wässrige Nebel wieder zu Wasserdampf verdunstet und so für klare Sicht sorgt, braucht es die Sonnenwärme, die im Winterhalbjahr naturgemäß nur verhalten zur Verfügung steht.

Bereits in der Nacht zum gestrigen Dienstag und gestern den ganzen Tag über war dieses Nebel-Phänomen in den Weserbergland-Landkreisen von Schaumburg bis Holzminden immer wieder zu beobachten. Nebel-Hochburgen waren da vor allem feuchte Flussniederungen sowie generell alle schlecht durchlüfteten Täler, Talkessel und Muldenlagen, von denen es im Weserbergland ja reichlich gibt. Wir erlebten damit einen der statistischen sechs bis sieben Nebeltage, die sich von November bis Februar bei uns monatlich präsentieren; im Oktober sind es im Jahresmittel sogar neun.

Bäume und Sträucher erstrahlen nach Eisnebelnächten in einem stimmungsvollen weißen Winterkleid. Fotos: Dana
  • Bäume und Sträucher erstrahlen nach Eisnebelnächten in einem stimmungsvollen weißen Winterkleid. Fotos: Dana
Bei winterlichen Hochdrucklagen herrscht über dem Nebelmeer oftmals sonniges Wetter mit guter Fernsicht.
  • Bei winterlichen Hochdrucklagen herrscht über dem Nebelmeer oftmals sonniges Wetter mit guter Fernsicht.

Beim Eisnebel schweben im Gegensatz zu normalem Nebel keine Wassertröpfchen, sondern kleine Eiskristalle in der Luft. Ein Eisnebel entsteht, wenn der Wasserdampf in sehr kalter Luft direkt zu Eiskristallen erstarrt. In der Natur treten Eisnebelfelder überall da auf, wo seine Entstehungsbedingungen zusammentreffen, also niedrige Temperaturen einerseits und ein Wasserangebot andererseits. Da die Wassermengen hierzu aufgrund der extrem geringen Sättigungsmenge nicht sonderlich groß sein müssen, kommen neben offenen Wasserflächen auch Emissionen, beispielsweise aus Industrieanlagen oder Kühltürmen infrage.

Besonders plötzlich auftretende Nebelbänke sind eine häufige Ursache von Autounfällen und Massenkarambolagen, weshalb auch bei dichtem Nebel die Verwendung von Nebelschlussleuchten ratsam ist. Bei Sichtweiten über 50 m ist deren Einsatz jedoch verboten. Nebel beeinflusst weiterhin die Geschwindigkeitswahrnehmung des Fahrers, sodass dieser den Eindruck hat, er fahre langsamer, als es tatsächlich der Fall ist.

Bei winterlichen Hochdrucklagen herrscht über dem Nebelmeer oftmals sonniges Wetter mit guter Fernsicht. Die Obergrenze des Nebels wird von einer Temperaturinversion (-umkehrschicht) markiert, die die Kaltluft am Boden von etwas wärmerer Luft in der Höhe trennt. So herrschten in der Nacht zum gestrigen Dienstag beispielsweise an der Weser bei Emmerthal und Ohr Temperaturen von -17 Grad, im höher gelegenen Lüntorf am Hang der Ottensteiner Hochebene aber „milde“ -9 Grad. In Norddeutschland können wir dieses Schauspiel am deutlichsten im Harz genießen, wenn sich das Mittelgebirge ab 300 bis 400 Meter Höhe mit traumhaft schönem Wander- oder auch Wintersportwetter präsentiert, während weiter unten dunstiges Wetter herrscht.

Mit der feuchtkalten Jahreszeit nehmen, laut medizinischer Statistik, auch diverse gesundheitliche Beschwerden wie Erkältungskrankheiten, Depressionen oder auch Störungen von Herz und Kreislauf zu. Hierfür liefert das trübe Wetter der Wintertage den passenden Hintergrund.

Schon im Mittelalter vermutete man, dass sich der triste Abschnitt im Jahresgang der Natur ungünstig auf die Lebensvorgänge auswirkt. Nachstehendes Traktat über den Nebel hinterließ Konrad von Mengenberg (1309-1374) in seinem „Buch der Natur“ der Nachwelt: „Der Nebel kommt vom groben wässrigen Dunst, dem viel irdischer Rauch zugemischt ist, so daß die Sonne ihn nicht zu heben vermag von der Erde in die Lüfte. Auf hohen Stellen zerstreut der Sonnenschein den Nebel, darum wohnen die Alten gern auf höheren, trockenen Stellen, wogegen die jungen Leut gern in geneigten Stellen am Wasser wohnen und bauen. Das ist gar schad und bringt viel Siechtum und vorzeitigen Tod. Weil der Nebel abträglich ist für Brust und Hirn, soll man zur Nebelzeit in der Wohnung bleiben. Muß aber der Mensch ausgehen, soll er vorher essen und trinken, daß die Luft den Leib nicht leer antrifft“.

Dazu ist zu sagen, dass nicht der Nebel an sich gesundheitsschädlich ist, sondern der von Rauch- und Abgaspartikeln verschmutzte Nebel, der im Winterhalbjahr besonders in Großstädten bei austauscharmen Wetterlagen vorkommt.

Tendenziell nehmen die Nebeltage seit einigen Jahren im Weserbergland erfreulicherweise ab. Sowohl Klimaänderungen, als auch die verbesserte Luftqualität könnten dafür ein Grund sein. So ist der Nebel heute wohl nur noch für Autofahrer eine wirkliche Bedrohung.

Autofahrer können das Phänomen bei der derzeitigen Wetterlage, in der über der gefrorenem Erdoberfläche kalte und warme Luftströmungen aufeinanderstoßen, immer wieder mit Schrecken erleben: Vor allem in Wesernähe, aber auch in den Höhenlagen, tauchen unvermittelt Nebelbänke auf. Ist der Nebel dann noch gefroren, kann das gefährlich werden.



Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt