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Wenn „Das schöne Mädchen von Seite 1“ als Rap-Version erklingt

Howard Carpendale begeistert mit „Old-Boy-Charme“ 2000 Fans in der Swiss Life Hall

Wie die Zeiten sich doch ändern – 1998 hatte Howard Carpendale noch „Lust auf mehr“, 2001 war für ihn noch immer „Alles ok“ – bis dann 2003 „Der richtige Moment“ kam, seine Karriere zu beenden. Nach eigenen Aussagen wollte er sich neuen Herausforderungen stellen, zum Beispiel der Schauspielerei. „Damals war ein Höhepunkt erreicht und ich hatte das Gefühl, alles würde sich wiederholen“, erklärte er in einem Interview. 2004 wurde der gebürtige Südafrikaner mit dem „Echo“ für sein Lebenswerk geehrt – zu früh scheinbar, denn 2008 hauchte Carpendale bei seinem grandiosen Comeback wieder sein „Hello again“ in die größten Konzerthallen Deutschlands.

War 2008 die TUI Arena bei seiner Comeback-Tour nahezu ausverkauft, lockte „Howie“ vorgestern nur noch 2000 Fans in die Swiss Life Hall. Was der 68-Jährige jedoch dem begeisterten Publikum bot, war erste Sahne.

Nach dem Motto „Stillstand ist Rückstand“ beschreitet Carpendale musikalisch neue Wege, stellt sich neuen Herausforderungen. Wochenlang arbeitete der Sänger in einem Hotel mit 15 jungen Musikern und Songschreibern an seinem aktuellem Album „Viel zu lang gewartet“, das am 25. Oktober 2013 veröffentlicht wurde und von 0 auf 9 in die Charts einstieg.

Eine überdimensionale Uhr tickt und das Konterfei des Künstlers erscheint auf einer LED-Wand – auch für das hannoversche Publikum ist um 20 Uhr das Warten auf „Howie“ endlich vorbei. Ein Hauch von Las Vegas streift die Konzerthalle, als der 68-Jährige, nach mehr als einer Minute, wie aus dem Nichts am hinteren Bühnenende erscheint und seinen Opener „Kann mir immer noch in die Augen seh’n“ anstimmt. Kurz danach mit „Es geht um mehr“ der erste Klassiker, der das Publikum das erste Mal von den Sitzen holt.

Carpendale geht durch die Zuschauerreihen, schüttelt Hände, lässt sich mit den Fans fotografieren, wird mit Rosen überschüttet – so nah war er dem Publikum in der Vergangenheit recht selten. Der dreifache Echo-Preisträger greift in die Nostalgie-Kiste, kramt mit „Vielleicht niemals“ ein 20 Jahre altes Juwel hervor. „Ich habe mehr als 700 Songs veröffentlicht, einige davon sind unbekannt geblieben, die singe ich jetzt so lange, bis sie zu Hits werden“, scherzt der „Mann aus Durban“ und stellt mit gleichem Atemzug Bassist Frank Itt, den dienstältesten Musiker seiner Band, vor – „26 Jahre arbeite ich mit ihm zusammen und ich hoffe, es werden noch ein paar Jahre mehr“.

Der Sänger widmet, auf einem Hocker sitzend, das Stück „Bedingungslos“ seinen beiden Söhnen – andächtiges Lauschen, höflicher Applaus. Standing Ovations gibt es jedoch nur, wenn er seine Chartbreaker anstimmt.

Mit „Wake Me Up“ starten die drei Background-Sänger den zweiten Konzertteil – wie auch bei Udo Jürgens beginnt jetzt der große Run des Publikums an die Bühne. „Viel zu früh, ihr nehmt jetzt vielen Leuten die Sicht“, erklärt „Howie“ den Fans, die jedoch keinen Zentimeter zurückweichen.

Ein kleiner Junge entert die Bühne und holt sich ein Autogramm – und immer wieder Rosen. „Wollt ihr ,Das Mädchen von Seite 1‘ – ok, aber dann nur in dieser Version“. Das Lied klingt wie „Tulsa Time“ von Eric Clapton – als der Perkussionist die Verse dann noch in einer Rap-Version interpretiert, gibt es für die Konzertbesucher kein Halten mehr. Natürlich dürfen auch „Tür an Tür mit Alice“ und „Ti Amo“ nicht fehlen – die Swiss Life Hall im „Howie“-Rausch.

Die gelungene Mischung aus Neuem und Vertrautem, angereichert mit Songs aus seinem aktuellen Album, kommt beim Publikum gut an. „Die Musik bleibt“ – das wissen eben auch alle Carpendale-Fans.




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