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Im Allgäu und auch auf Usedom sorgen Familienwanderungen mit Tieren für launige Naturausflüge

Wenn das Kamel über Löwenzahnwiesen trabt

Mangfalltal. Kamele? Hier in Bayern? Zwei Wanderer bleiben ungläubig stehen. Eine kleine Kamel-Karawane zieht auf dem Waldweg an ihnen vorbei, mitten im idyllischen Mangfalltal, einem Wandergebiet nahe München. Bequem zwischen den beiden Höckern sitzend, schaukeln die Reiter durch den Wald, passieren Bauern auf ihren Feldern und Kühe auf Weiden. Exotik vor heimeliger Kulisse.

Autor:

Patrizia Schlosser

„Das ist viel besser als normales Wandern“, ruft Anna. Die 12-Jährige umarmt den langen Hals ihres Kamels, wuschelt begeistert durch das weiche Fell, macht es sich mal verkehrt herum, mal im Damensitz auf dem Kamelrücken bequem. All das erträgt die Stute Gina gelassen. Erhobenen Hauptes stolziert sie mit Anna auf dem Buckel an einer Herde Kühe vorbei, die verdutzt das Grasen unterbricht.

Ein fehlender Rasenmäher und viel Land – das war der Ausgangspunkt von Konstantins Kameltouren im Mangfalltal. „Um das Gras kurz zu halten, hat mein Vater drei Zirkuskamele mit nach Hause gebracht“, erzählt der 24-Jährige. Statt zu studieren, beschloss Konstantin, die Farm auszubauen. Heute besitzt der selbst ernannte „Naturbua“ elf Kamele.

Auch im Allgäu können dem Wanderer an einer Wegbiegung Kamelreiter begegnen. Hier in Seeg hat Christine Sieber ihre Farm. Als einzige Frau hat sie mit 26 Jahren an einem Kamelrennen in den Arabischen Emiraten teilgenommen. Und gewonnen. „Das hat mich darin bestärkt, eine Kamelfarm zu betreiben“, sagt die heute 38-Jährige.

Auch Ziegen bieten sich als Begleiter für Familien an. Brav wie gut erzogene Hunde laufen sie neben den Wanderern her. Eine Leine brauchen die zahmen Tiere nicht. „Jede Ziege hat ihren eigenen Charakter, und dementsprechend sucht sie sich ihren menschlichen Wanderbegleiter aus“, erklärt Jörg Jacobi. Energiegeladene Kinder laufen mit den Leithammeln vorne weg, die Müßigen unter den Wanderern bilden das Schlusslicht.

Insgesamt besitzt der gelernte Landwirtschaftsmeister und Erlebnistherapeut 40 Ziegen. Im Naturgebiet rund um den Bodensee unternimmt er seine Touren. Weil Ziegen bis zu 40 Prozent ihres eigenen Gewichts tragen können, eignen sie sich nicht nur für entspannte Familienausflüge. Die Schweizerin Sandra Egli bietet anspruchsvolle Bergtouren an, etwa durch die Granit-Landschaft des Gotthard Massivs.

Lamas nutzten schon die Inkas als Lasttiere auf ihren Fußmärschen durch die Anden. Was in Südamerika funktioniert, geht auch auf Usedom in Vorpommern. Hier bietet Christine Harloff Touren mit den sensiblen Tieren an. „Lamas eignen sich gut für Kinder, weil sie sich dem Tempo ihres Herrchens anpassen“, sagt sie. Aber im Gegensatz zu Kamelen und Ziegen sind die Tiere ganz schön wählerisch.

Denn Lamas lassen sich nicht wie Hunde ausführen, das heißt konkret: Wenn hektisch an der Leine gezogen wird, schaltet das Tier auf stur - und bleibt einfach stehen.




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