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Wenn Bienen auf die Reise gehen

Bad Münder. Zunächst war es nur ein ungewöhnliches Summen in der Luft. Ein Blick in den Himmel offenbarte, woher das sich steigernde Geräusch rührte: Ein Bienenschwarm näherte sich aus Richtung Lange Straße, verharrte kurz über dem Parkplatz der Getränkequelle, um sich dann in einer Konifere niederzulassen. Ein wunderschönes Naturschauspiel, das sich mit Glück typischerweise Ende Mai Anfang Juni beobachten lässt, in diesem außergewöhnlich fortgeschrittenen Frühjahr entsprechend eher.

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Das Bienenvolk teilt sich in dieser Zeit in zwei Schwärme, von denen einer am alten Standort bleibt und der andere mit der alten Königin eine neue Bleibe sucht. „Die Konifere war bei diesem Unterfangen nur ein Zwischenstopp“, erklärt Imker Peer Böhm aus Bensen, „von dort aus haben die Bienen Kundschafter ausgesandt, die ein neues Zuhause suchen sollten.“ Anwohner hatten die Polizei informiert, die den Imker wiederum über die Schwarmbörse im Internet ausfindig gemacht hatte. Um die 3000 Bienen werden es wohl gewesen sein, schätzt Böhm, „ein typischer mittelgroßer Schwarm“. Vorsichtig löst der Imker in Schutzanzug und mit Imkerhut auf dem Kopf kleinere Zweige mit schweren Trauben von Bienen aus dem Baum, in denen er die Königin vermutet und schüttelt sie in eine spezielle Kiste. Denn: Ist erst einmal die Königin eingefangen, kommen die anderen von selbst hinterher. „Die Bienen erzeugen einen Luftstrom mit Duftstoffen, indem sie den Hinterleib in die Höhe recken, eine Drüse öffnen und mit den Flügeln fächeln. Dadurch erfahren es die anderen“, erklärt Peer Böhm. Bis es dann die letzten kapiert haben, dauert es in der Regel zwei bis drei Stunden.

Ein Bienenschwarm sei nicht gefährlich, problematisch werde es nur, wenn er sich ein unpassendes Zuhause, wie zum Beispiel einen Briefkasten, sucht. Wichtig sei vor allem, nicht in Panik zu geraten und sich nicht hektisch zu bewegen, wenn man auf einen Bienenschwarm trifft, sagt Böhm. Er rät, über schwarmboerse.de einen Imker im Umkreis ausfindig zu machen und zu informieren. „Man kann aber auch die Feuerwehr anrufen.“ Auf eigene Faust zu handeln, könne dagegen ins Auge gehen. „Wer dem Bienenschwarm mit Gift aus dem Baumarkt zu Leibe rückt, riskiert, sich selbst zu vergiften: Statt zu sterben, werden die Bienen aggressiv und geben das Gift beim Stechen zurück“, sagt Böhm. Suchen sich die Tiere einen ungeeigneten Unterschlupf, an den auch der Imker nicht herankommt - zum Beispiel in einer Zwischendecke - kann das Problem häufig nur durch einen Kammerjäger gelöst werden.

Ein solches Schicksal bleibt den Bienen vom Parkplatz glücklicherweise erspart. Imker Böhm hat sie nach Hemeringen gebracht, wo eine angehende Imkerin auf ihren ersten Schwarm gewartet hat.doro



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