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Sozialverbände: Armut durch steigende Preise

Wenn 20 Euro fehlen, "kippt das System"

Stadthagen (jl). Die hohen Lebensmittel- und Energiepreise verschärfen die soziale Not von immer mehr Menschen. Das sind die Beobachtungen der Mitarbeiter der Stadthäger "Tafel", des Diakonischen Werks und der Berater der Arbeiterwohlfahrt in Stadthagen parallel zum Anstieg der Preiskurven in den vergangenen Monaten.

Während viele Normalverbraucher angesichts höherer Preise immer genauer überlegen, was in den Einkaufswagen kommt, können offenkundig immer weniger Menschen noch normal im Geschäft einkaufen. Das bekommen die Mitarbeiter der DRK-Tafel seit etwa einem halben Jahr drastisch zu spüren. "Wir habenseit 2007 40 Prozent mehr Kunden", so Martina Marino-Gruson, die zusammen mit Michaela Hinse Tafel und Bekleidungskammer leitet. "Ganz erschre ckend", so Hinse, sei der Ansturm im Januar gewesen, mit dabei viele Menschen, die noch nie bei der Tafel gewesen seien. Grund des Januar-Ansturms: "Da sind die Energierechnungen gekom men", hat Hinse von vielen Kunden gehört. Die Tafel verzeichnet fast täglich neue Kunden, und das seien nicht nur "Hartz IV"-Empfänger. Das seien Leute aus normalen Haushalten, hat Gruson beobachtet, deren Haushaltskasse offenbar nicht mehr ausreicht, um das Notwendige einzukaufen. Die Regale der Tafel werden laut DRK-Kreisgeschäftsführerin Ursula Krüger immer schneller leer und bei manchem Lebensmittel nicht so voll wienoch vor Monaten. Gemüse wird knapper. Krüger vermutetet, dass Lebensmittelmärkte wegen der Preise beim Einkauf spitzer kalkulieren. Sehr deutlich wird die Preisentwicklung beim Brot: Früher sei immer etwas übrig geblieben, heute nicht mehr, so Krüger. Wie rissig das finanzielle Netz vieler Familien in diesen Tagen ist, schildert Wiebke Peltzer von der Schuldner- und Sozialberatung des Diakonischen Werkes: Das "System kippt" nach ihren Worten schon bei vielen, wenn beispielsweise am Monatsende "20 Euro fehlen". Die Situation habe sich im vergangenen halben Jahr drastisch verschärft. Heidemarie Hanauske, Kreisgeschäftsführerin der Awo, fasst die jüngste Entwicklung so zusammen: "Es wird dramatischer". Immer öfter an Monats- oder Wochenenden werden die Beraterinnnen der Awo mit alleinziehenden Müttern konfrontiert, die keine Nahrung für die Kinder kaufen können. "Das hab' ich bisher nicht gekannt", sagt Hanauske. Die Sozialexpertin vermutet angesichts dieser Entwicklung eine drastische Verschärfung der Kinderarmut.



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