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Weltmusik im Hofcafé: Sue Sheehan in Flegessen

Flegessen. Es war ein starker Auftritt – und gleichzeitig der absolute Höhepunkt eines der Weltmusik gewidmeten Konzerts im Hofcafé in Flegessen –, als der sudanesische Rapper Abbas Anoor am vergangenen Sonnabend seine Protestsongs gegen die Diktatur in seinem Heimatland auf Französisch, Englisch und Arabisch vortrug.

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

„Ich kämpfe auch von hier aus gegen dieses diktatorische Regime“, erklärte der im Jahr 2010 aus dem sudanesischen Darfur Geflüchtete dem Publikum seine Motivation.

„Rettet meine Heimat“ lautet einer seiner Titel und ein anderer „Peace be everywhere“ – „Lasst überall Frieden sein und nicht nur im Sudan“, wie Abbas Anoor betont. Seine Botschaft ist rundum politisch. „Keine Bomben mehr, keine Gewehre und kein Töten“, formuliert er musikalisch seinen Wunsch. Im Darfur hatte man ihm das Rappen verboten – er war der Einzige, der diese Kunstform in der sudanesischen Krisenregion, in der Hunderttausende zu Tode kamen, beherrschte und praktizierte. Jetzt studiert er am „Center for World Music“ der Universität in Hildesheim und konnte vor einem Monat wieder seine auf legalem Weg nach Deutschland gekommene Ehefrau nach langen Jahren der Trennung begrüßen.

„World Music“ war an diesem bemerkenswerten Abend das Thema im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Dorfgeflüster“, die es inzwischen seit einem Jahr im Hofcafé gibt und sich zu einem kulturellen Kleinod entwickelt hat. Die Idee für diesen Abend hatte die seit 30 Jahren in Deutschland lebende Sängerin und Songwriterin Sue Sheehan nach einem Jazzkonzert im März im Hofcafé. „Das ist eine wunderbare Bühne für mich und meine Kommilitonen“, habe sie damals gedacht, berichtet sie in der Pause. Und stellte gemeinsam mit Mitstudenten ein Programm zusammen, das iranische, türkische, afrikanische und eben ihre eigene Musik enthielt.

Von Vahid H., der im Iran Musik studiert hat, gab es zum Auftakt des Abends mit seinem Tar genannten Instrument einfache iranische Lieder und eine Einführung in die Welt der „World Music“ durch Sue Sheehan, ehe sie selbst mit ihrer schönen Stimme und der Folkmusik auf ihrer Gitarrenbuzuki wunderbare Songs zu Themen aus dem Alltag der Menschen präsentierte.

Bedauert wurde von manchen Zuhörern, dass die Texte der Protagonisten nicht übersetzt wurden. „Wir hätten gerne auch die Poesie der türkischen oder iranischen Sprache nachempfunden“, kritisierte eine Besucherin während der Pause, dass sie die Texte von Vahid H. oder der in Hildesheim türkischen Gesang lehrenden Sängerin Özden Cicek nicht habe verstehen können. Cicek und ihr musikalischer Partner Ersen Bucak an der Baglama, einem der Laute ähnelnden Instrument, präsentierten vor allem volkstümliche Musik aus dem östlichen Anatolien, ehe sie mit dem alten italienischen Partisanenlied „Bella ciao“, gesungen auf Türkisch und auf Deutsch, endeten.

Es war ein gelungener Abend, zu dem Sue Sheehan mit Freunden und Bekannten auch eine ganze Reihe von Flüchtlingen aus Coppenbrügge mitgebracht hatte.



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