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"Bad Nenndorf ist bunt": Quartett Jüdischer Kammerphilharmonie zu Gast

"Welt von Ungerechtigkeit geprägt"

Bad Nenndorf (ede). Mit einer Andacht, Gedichten und klassischer Musik ist in der Godehardikirche des früheren Nenndorfer Arztes Ernst Blumenberg gedacht worden. Zu der Veranstaltung in der Reihe "Bad Nenndorf ist bunt" hatte das Bündnis gegen Rechtsextremismus eingeladen. Vor rund 60 Zuhörern spielte das Quartett der Jüdischen Kammerphilharmonie, es las Karljosef Kreter, Historiker aus Hannover,die Andacht hielt Pastorin Sabine Lambrecht.

Das Quartett der Jüdischen Kammerphilharmonie bringt klassische

Ernst Blumenberg wurde ein Opfer sinnloser Gewalt, auch wenn er letztlich dem Naziterror entkam. Am Sonnabend hielt die Gemeinde für einen Moment inne - im Gedenken an den jüdischen Arzt, der von 1920 bis 1937 in Bad Nenndorf praktizierte (wir berichteten). Pastorin Lambrecht zog einen Vergleich zum Bild des leidenden Jesus und appellierte an das Menschenbild der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe. Es gebe viele Menschen in unserer Gesellschaft, die dem leiderfüllten Bild Jesu ähnlich sind, sagte sie. Menschen, die Opfer von Hass und Gewalt geworden sind. Die Kirche könne sich nicht zufriedengeben mit einer Welt, die von Ungerechtigkeit geprägt ist und in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft verfolgt oder gar getötet werden, betonte sie. Was Blumenberg durchgemacht haben muss, als er 1937 verraten wurde und zwei Jahre später auf die Verfolgungsliste der Gestapo kam, geht nicht nur aus den Bildern und Dokumenten hervor, die bis zum 12. August in St. Godehardi zu sehen sind. Auch seine Gedichte, die 1957 gedruckt wurden, sind Ausdruck seines leidvollen Lebens. Es sind Werke, die zum Teil auf die Zeit vor 1939 eingehen, wie der Historiker Karljosef Kreter weiß. Andere beziehen sich auf Blumenbergs Flucht oder sein Leben in Shanghai und den USA. Am Sonnabend las Kreter aus den Werken, die seiner Ansicht nach mehr sind als Beschreibungen bestimmter Erlebnisse. Vor allem dieälteren Verse seien, so der Historiker, "Erinnerungsmarken für schwierige, überstandene Situationen". Umrahmt wurde die Veranstaltung von vier hervorragenden Solisten - dem Quartett der Jüdischen Kammerphilharmonie, das im Gedenken an Blumenberg unter anderem jüdische Klänge, darunter Shemers"Jerushalaim shel zahav" intonierte.

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