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Bei Arbeiten auf dem Hof der Grundschule Mauerrest gefunden / Bodendenkmal wird dokumentiert

Weiterer Teil der alten Stadtmauer entdeckt

Bad Münder (jhr). Wie recht er doch hatte: Als 2007 Freiwillige der Bürgerinitiative für die Kinder ein Spielgerät auf dem Grundschul-Hof aufstellten, beschwerte sich ein Helfer über den harten Untergrund: „Hier liegen wohl noch Teile der Stadtmauer drunter“, witzelte er – und lag doch goldrichtig. Mitglieder des Heimatbundes legten jetzt Teile der alten Stadtmauer in genau diesem Bereich frei.

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Aufgefallen waren die Mauerreste in den vergangenen Tagen bei Baggerarbeiten für das neue Spielgerät auf dem Pausenhof der Schule. Auf einer Fläche von rund 100 Quadratmetern schachteten Mitarbeiter einer Baufirma den Boden rund 40 Zentimeter tief aus. Als sie auf das Mauerwerk stießen, informierten sie das Bauamt, von dort aus wurde Michael Meier als ehrenamtlich Beauftragter für die archäologische Denkmalpflege hinzugezogen. Er legte mit Helfern des Museumsteams Teile des Fundes frei und dokumentierte die Fundstelle. Gestern stellte er Marie Buschmann von der Unteren Denkmalschutzbehörde und Dirk Hitzemann vom Fachdienst Hochbau die Entdeckung vor.

Meier hat sich bereits intensiv mit der Geschichte der Stadtmauer beschäftigt – entsprechend hielt sich sein Erstaunen über den Fund auch in Grenzen. Aufgrund der Vielzahl archäologischer Funde gilt die Burganlage um den Wettbergschen Adelshof als die am besten dokumentierte in Niedersachsen. „Wenn man genau hinschaut, kann man auch am Pflaster des Schulhofes den Verlauf der Mauer erkennen“, sagt er.

Begonnen wurde mit dem Bau der Stadtmauer im Jahr 1260. Damals verständigten sich die Welfenherzöge und der Mindener Bischof darauf, gemeinsam Münder und Hameln befestigen zu lassen. In Münder wurden fünf Adelshöfe errichtet, um jeden hatten die Adelsgeschlechter eine Verteidigungsanlage zu erbauen. Die Lücken zwischen diesen Bauwerken ließen die Stadtherren schließen, sodass eine durchgängige Verteidigungsanlage von rund einem Kilometer Länge entstand. Teilweise war die Stadtmauer mehr als sieben Meter hoch – und hatten Angreifer sie überwunden, tat sich für sie das nächste Problem auf: Nur rund drei Meter betrug beispielsweise der Abstand der Stadtmauer von der hohen Außenmauer des Wettbergschen Adelshofes. Wer sich zwischen den Mauern befand, muss leicht angreifbar gewesen sein. „Das sah damals ähnlich aus wie auf einer richtigen Burg“, macht Meier deutlich. Im oberen Teil der Mauer befand sich ein überdachter Wehrgang.

Gemeinsam mit Sigrun Krone und Friedrich Kunrich legte Meier auf dem Schulhof jetzt 8,70 Meter der Mauerkrone frei. 1,16 Meter die die Mauer in diesem Bereich stark, zum Bau wurden Steine aus Steinbrüchen rund um Bad Münder und heimisches Holz verwendet. „Wir haben den Befund fotografiert, eingemessen und gezeichnet. Die Dokumentation ist damit abgeschlossen“, sagt Meier.

Im Anschluss an die Arbeiten des Museumsteams wurden die Arbeiten für das Spielgerät auf dem Schulhof wieder aufgenommen. Besonderen Wert legten Meier wie auch Vertreter der Unteren Denkmalschutzbehörde darauf, dass die Fundamente für das Spielgerät nicht in Kontakt mit den Mauerresten kommen, damit das Bodendenkmal Stadtmauer nicht beschädigt wird.



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