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Zwangsräumung und Zwangsvollstreckungen: Hans B. stand offenbar unter starkem Druck

Weiter Rätselraten um Tatmotiv

Nienstedt. Noch immer herrscht Rätselraten: Warum ist Hans B. am Freitagmorgen mit einem geladenen Revolver in sein Auto gestiegen, das er erst kurz zuvor aus der Werkstatt zurück bekommen hatte, um von Nienstedt nach Hameln zu fahren und im Kreishaus Landrat Rüdiger Butte zu erschießen?

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Dass das Motiv tatsächlich späte Rache für einen drei Jahre zurückliegenden Verwaltungsrechtsstreit um einen Maschendrahtzaun gewesen sein könnte, so recht mag das kaum jemand glauben. Von den wenigen, die den 74-Jährigen näher kannten, wollen die meisten nichts sagen. Hin und wieder eine Andeutung: Hans B. sei zuletzt zunehmend unter Druck geraten, habe möglicherweise in einer aus seiner Sicht verfahrenen Lebenssituation keinen Ausweg mehr gesehen.

So soll ihm etwa eine Zwangsräumung gedroht haben. Seine ehemalige Lebensgefährtin Annemarie S., die jetzt in Uelzen lebt und der offenbar reihenweise Immobilien in Nienstedt gehören, habe ihn aus dem Haus haben wollen. Tatsächlich ist es im Oktober vergangenen Jahres zu einem Streit gekommen, der eskalierte. S., die das Haus verkaufen wollte, war mit einem Makler erschienen. Hans B. rastete aus, prügelte auf beide ein. Die Polizei musste kommen. Der Vorfall hatte nach NDZ-Informationen vor Kurzem ein gerichtliches Nachspiel. B. soll jedoch glimpflich davon gekommen sein.

Der 74-Jährige sei ruppig und aufbrausend gewesen, erzählt man im Dorf, und manchmal habe er zum Aufschneiden geneigt. Vielen hat er ein im Selbstverlag herausgegebenes Büchlein mit Geschichten aus seiner Zeit auf See geschenkt. „Seemann Hans“, so der Titel. Viele der darin geschilderten Erlebnisse muten wirr an. „Eine Mischung aus Seemannsgarn und stellenweise schon pornografischen Schilderungen“, berichtet einer, der es gelesen hat.

Zunehmend habe sich geistiger Verfall bei Hans B. bemerkbar gemacht. Einige im Ort sprechen sogar von einsetzender Demenz.

Bei einer Durchsuchung seines Hauses wurden nur wenige Schriftstücke gefunden. Die 16-köpfige Mordkommission „Kreishaus“ hofft gleichwohl, bei der Auswertung Hinweise auf das Tatmotiv zu bekommen. Es gibt in den Unterlagen offenbar Anzeichen dafür, dass dem 74-Jährigen das Wasser bis zum Hals stand: einige amtliche Schreiben, in denen es laut Polizei „um Zwangsvollstreckungsmaßnahmen verschiedener Gläubiger“ geht. Sie stammen aus diesem Jahr.

Heute wollen die Ermittler die Computer- und Handydaten von B. untersuchen. Vielleicht, so die Hoffnung, ergeben sich daraus neue Erkenntnisse.



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