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„Weißes Gold“ gehörte zum „guten Ton“

Rinteln (who). Wohl kaum ein anderes Porzellandekor hat sich in Deutschland so weit verbreitet, wie das „Zwiebelmuster“. Unser Fundstück zeigt den jüngeren Lesern, worum es geht. Und viele ältere werden sich an die Kaffeetafeln in den Haushalten von Großfamilien vergangener Jahrzehnte erinnert fühlen. Das weiße Porzellangeschirr mit den typischen meist floralen Ornamenten in Blau gehörte etwa seit Ende der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts zum Selbstverständnis und Erscheinungsbild vor allem der wohlhabenderen bürgerlichen und mancher bäuerlichen Familien. Es zählte zum „guten Ton“, Zwiebelmuster-Geschirr zu besitzen. Und Aussteuerlisten empfahlen angehenden Bräuten, mindestens sieben Dutzend (gemeint sind je zwölf Exemplare derselben Art) anzuschaffen. Und das war nicht übertrieben, angesichts der riesigen Gesellschaften, die sich bei Familienfeiern um die langen Tafeln versammelten.

Nachdem die Meißener Porzellanmanufaktur, das Geheimnis der Fertigung des „Weißen Goldes“ der Chinesen durch Massenproduktion für weite Teile der Bevölkerung in Deutschland erschwinglich gemacht hatte, zog vor allem auch das Zwiebelmuster in die Häuser ein, begünstigt durch den neuen Wohlstand im Zuge der Industrialisierung. Die ältesten Vorlagen für das Erfolgs-Design gingen zurück auf das „Blauweiß-Porzellan“ aus der Zeit der Mingdynastie um 1420. Und eigentlich hatten die Dekore so gar nichts mit Zwiebeln zu tun, sondern stellten Früchte und Pflanzen mit Symbolcharakter dar, gemäß asiatischer Philosophie.

Wie auch immer, das Zwiebelmuster war durch seine Vielfalt und seine unzähligen Kombinationsmöglichkeiten eine Erfolgsgeschichte, die allerdings letztlich ohne die Industrie-Spionage unserer Altvorderen in Richtung Fernost wohl nicht zustande gekommen wäre...




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