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In Thüringens Kulturstadt ist rund um den 200. Geburtstag des Virtuosen, Komponisten und Weltbürgers viel zu erleben

Weimar ist von Kopf bis Fuß auf Liszt eingestellt

Weimar – das ist normalerweise Goethe, Goethe und nochmals Goethe. Vielleicht noch ein bisschen Schiller. An Franz Liszt denkt man weniger bei der Klassiker-Stadt – und doch war der kosmopolitische Komponist nun Ziel einer Dewezet-Leserreise. Der Anlass: der 200. Geburtstag des Klaviervirtuosen, Komponisten und Weltbürgers. Weimar von Kopf bis Fuß auf Liszt eingestellt – und zum Anwärmen eine Stadtführung auf den Spuren des „neuen Mozarts“, wie Liszt einmal genannt wurde.

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Autor:

Richard Peter

Unverzichtbar ist der Heine-Satz auf den Liebling der Pariser Salons: „Die Weiber sind immer wie berauscht.“ Da klingt fast ein wenig Neid mit über den Beau, der allemal für Furore sorgte. Und auch in seiner Weimarer Zeit waren es starke Frauen – vor allem wohlhabende – die den Boden für das musikalische Werk des Vielgereisten und Vielgeliebten bereiteten.

Am ersten Abend das erste Konzert: ein Liederabend mit Werken von Schubert und Liszt, dessen Lieder so selten auf den Programmen stehen. Traumhaft schön: das Ambiente im Festsaal des Weimarer Stadtschlosses, bevor Bariton Mario Hoff, Ensemblemitglied des Nationaltheaters – den Hamelnern nicht unbekannt von den Marktkirchen-Konzerten unter Becker-Foss – mit seinem adäquaten Begleiter Hans-Christian Steinhöfel sein Publikum verzauberte.

„Nachtgedanken“ als Titel und so bekannte Kompositionen wie „Wanderers Nachtlied I und II“ mit Goethes „Über allen Wipfeln...“.

Es ist selten, beides an einem Abend genießen zu können. Sonst eher Unbekanntes aus dem reichen Liedschaffen Schuberts. Und bei Liszt – nichts als Entdeckungen. Hätte man seine ersten Lieder Schubert zuordnen können, entwickelte Liszt mit „Kling leise mein Lied“ einen völlig eigenwillig-dynamischen Stil. Das Erlebnis des Abends: Mario Hoff. Ein einzigartiger Genuss, wie er einem nur selten geschenkt wird.

Am Geburtstag selbst – Bundespräsident Christian Wulff wohnte dem Festakt im Nationaltheater bei – Liszt total. Die Gemäldesammlung im Schloss mit den beeindruckenden Cranach-Exponaten, ergänzt um eine bedeutende Sammlung von Tafelklavieren und Hammerflügeln, darunter der originale Hammerflügel von Boisselot und dessen Nachbau in passgenauer Nachbildung.

Das Liszt-Haus mit perfekter Führung: Fakten, Anekdoten, Zeitzeugen und Musikbeispiele. Abschluss mit dem Schiller-Museum und der Liszt-Ausstellung „Ein Europäer in Weimar“ mit einer beeindruckenden Wand mit den bekanntesten Porträts. Dann in der Weimarhalle das Festkonzert. Ein ganz besonderes mit dem zurzeit wohl angesagtesten Maestro Christian Thielemann. Das Orchester, eine faszinierende Mischung aus Mitgliedern der Staatskapelle, mit Professoren und Studierenden der Hochschule für Musik Franz Liszt – und dazwischen junge Gesichter à la „Jugend musiziert“.

Ein reines Liszt-Programm mit einer Ausnahme – und auch die hat mit Liszt zu tun, denn er war es, der Wagners „Tannhäuser“-Ouvertüre in Weimar erstaufführte. Vorsichtiges Abtasten des riesigen Apparates, der erst beim 2. Liszt’schen Klavierkonzert perfekt zusammenfand. Von da an spielte das so liebenswert zusammengewürfelte Ensemble wie ein Weltklasse-Orchester.

Das Erlebnis und emphatisch gefeiert: Konstantin Scherbakov am Steinway, der das Kunststück fertigbrachte, zwischen Virtuosität und Empfindung perfekt zu jonglieren. Bewunderung für sein technisches Können, das Herz, Seele oder Sentiment ausspielt. Nach der Pause: Liszts „Totentanz“ und „Les Préludes“, die Symphonische Dichtung Nr. 3. Natürlich weiß man, was einen erwartet – aber wenn das für Wehrmachtssondermeldungen missbrauchte Triumph-Thema aufrauscht, bleibt einem das Herz stehen. Ein einzigartiges Erlebnis. Und wer noch immer über den Titel der Zugabe grübelt – Erhard Hebisch, natürlich, hat es herausgefunden: Liszts „Conclusio“.

Vor der Heimfahrt noch die herzgewinnende Anna-Amalia-Bibliothek mit dem Rokkoko-Saal. Und dann Zeit, Weimar zu Fuß für sich zu erobern.

Heimfahrt der Dewezet-Reisegruppe bei schönstem Sonnenschein, der auch die späten Herbsttage in Weimar vergoldet hatte und wie immer: perfekt und verlässlich gesteuert von Michael Herter von Herter Reisen, den Organisatoren von ts/medialog. Ein ebenso schönes wie ereignisreiches Wochenende.

Im Schiller-Museum sind etliche Porträts Franz Liszts zu sehen (links). Unter dem großen Scherenschnitt des Komponisten Franz Liszt singen beim Festakt die Sänger des MDR-Chores. Fotos: dpa



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