weather-image
30°
Familie Heineken erzählt ein Jahr nach ihrem Umzug von ihren Erlebnisse und Erfahrungen in China

Weihnachtsgrüße aus Shanghai

Bad Münder/Shanghai. Im Sommer vergangenen Jahres startete Familie Heineken in das Abenteuer ihres Lebens. Vom ländlichen Bad Münder ging es in die Weltmetropole Shanghai. Jetzt melden sich die Auswanderer mit Weihnachtsgrüßen an ihre alte Heimatstadt.

270_008_7803857_lkbm_Familie_Heineken_2_1_.jpg

Autor:

MIra Colic

Bad Münder/Shanghai. Im Sommer vergangenen Jahres startete Familie Heineken in das Abenteuer ihres Lebens. Vom ländlichen Bad Münder ging es in die Weltmetropole Shanghai, wo Sven Heineken die Stelle des Schulleiters an der Deutschen Schule Shanghai Pudong übernommen hat. Jetzt melden sich der 42-Jährige, seine Frau Simone und ihre Kinder Rike und Bela mit Weihnachtsgrüßen an ihre alte Heimatstadt.

Mittlerweile habe man sich gut eingelebt, erzählt Simone Heineken, „auch wenn wir uns erst an das rasante Tempo der Stadt gewöhnen mussten“. Auf Entdeckungsreisen durch Shanghai hätten sie schnell festgestellt, dass die Metropole voller Gegensätze stecke. „Glaubt man sich in einem Moment in der Stadt der Zukunft zu befinden, mit seinen imposanten Wolkenkratzern und Hochhäusern, bekommt man drei Straßenecken weiter, beim Gang durch die alten Gassen das Gefühl, ein Hauch des alten, traditionellen Shanghais zu erleben.“

Auf ihren Erkundungstouren haben die Heinekens auch viele deutsche Lebensmittel entdeckt. Während die Chinesen den Tag mit Baozi (Dampfnudeln mit Fleischfüllung) oder Jiaozi (frittierte Teigtaschen) starteten, „frühstücken wir weiterhin wie in Deutschland: mit Toast, Brötchen, Croissant und Nutella“. Die „gute deutsche Urkruste“ vom Bäcker habe man jedoch bisher vergeblich gesucht. „Aber was wir wirklich vermissen, sind Waldspaziergänge oder Pilze sammeln.“

In Shanghai sind die Münderaner viel mit dem Fahrrad, mit dem Taxi oder mit der Metro unterwegs. „Wir haben mit der Zeit unsere Lieblingslädchen, unsere Blumenfrau, einen deutschen Metzger, Klamottenläden, einen internationalen Buchhändler, einen DVD-Laden und all die Dinge des täglichen Gebrauchs gefunden, aber entdecken wöchentlich neue Ecken und Möglichkeiten, die uns den Alltag erleichtern.“ Die Uhren tickten in Shanghai etwas schneller und kombiniert mit der Größe der Stadt müsse man aufpassen, nicht aus der Puste zu kommen.

Dafür habe man sich schon einen „kleinen chinesischen Wortschatz“ angeeignet, denn ohne jegliche Sprachkenntnisse sei der Alltag doch etwas beschwerlich. „Ich habe einmal wöchentlich Chinesischunterricht und unsere Kinder lernen die Sprache in der Schule.“ Die Schwierigkeit bestehe darin, dass man im Grunde zwei Sprachen gleichzeitig lernen müsse: das gesprochene Chinesisch (Mandarin) und das geschriebene. „Wir brauchen alle sehr viel Fleiß und Durchhaltevermögen, denn einfach ist es nicht.“

Rike und Bela hätten sich sehr gut in der neuen Schule, an der ihr Vater Direktor ist, eingelebt und schnell Freundschaften geschlossen. An der Privatschule werden fast 400 Schüler unterrichtet – vom Kindergarten bis zum Abitur. Der siebenjährige Bela wurde letztes Jahr in Shanghai eingeschult, in Bad Münder besuchte er den Waldkindergarten. Seine zwei Jahre ältere Schwester geht in die vierte Klasse.

In ihren ersten Ferien in Shanghai bereisten die Heinekens Asien, der diesjährige Sommerurlaub ging zurück in die alte Heimat. „Wir haben es sehr genossen, fünf Wochen durch Deutschland zu reisen und unsere Familien, Verwandte und Freunde wiederzusehen“, sagt Simone Heineken. Die Kinder hätten sich besonders darüber gefreut, ihre alten Schulklassen zu besuchen. Und dennoch: „Wir haben uns sehr gefreut, wieder nach Shanghai zurückzufliegen, denn am Rückreisetag stand unser großer Umzug in eine Wohnsiedlung in der Nähe der Schule an.“

Weihnachten werden die Heinekens nicht in Shanghai verbringen, sondern in den Urlaub ins Warme fliegen. Aber ihr Haus haben sie für die Adventszeit weihnachtlich geschmückt „und wir lassen auch in der Ferne besinnliche Stimmung aufkommen“.

Auch wenn Weihnachten als Fest in China nicht gefeiert wird, gewinnt die amerikanische „Santa Claus“-Variante von Jahr zu Jahr an Bedeutung. Aufgrund des westlichen Einflusses stehen in den Einkaufszentren Weihnachtsbäume und es läuft Weihnachtsmusik in den Geschäften. Vor allem jüngere Chinesen nutzen gern vermehrt die Gelegenheit, um gemeinsam essen zu gehen, einen der Weihnachtsmärkte zu besuchen (in diesem Jahr gab es drei oder vier in Shanghai) oder sich auch Geschenke zu machen.

Auch an der Deutschen Schule Shanghai Pudong werden die weihnachtlichen Traditionen aktiv gelebt: Vom Kindergarten bis zum Abiturjahrgang gibt es gemeinsame Weihnachtskonzerte, Bastelaktionen, der Nikolaus kommt „zu Besuch“, Adventskaffee-Trinken, Plätzchen-Backen und einen Weihnachtsbasar, auf dem es wie auf einem kleinen Weihnachtsmarkt zugeht: mit Buden, in dem man Weihnachtsschmuck kaufen kann, mit Bratwürsten und Zuckerwatte. Kinder lernen Weihnachtslieder – und ein großer geschmückter Weihnachtsbaum steht in der Aula. Also ein bisschen wie zu Hause.

Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare