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Weihnachten im Oktober – Vorfreude weg?

Jedes Jahr aufs Neue bietet sich dasselbe Bild: Während in den Fußgängerzonen noch die eisschleckenden Flipflop-Träger das Stadtbild prägen, stehen in den Supermärkten schon die ersten Vorboten des Weihnachtsfests in den Regalen. Auch in diesem Jahr haben Spekulatius, Dominosteine, Stollen und Co. schon Anfang September die Supermärkte der Region erobert. In vielen Geschäften werden jetzt im Oktober sogar schon Weihnachtsmützen und Christbaum-Schmuck angeboten.

Autor:

Jessica Rodenbeck,Lars Lindhorst undJobst Christian Hoeche

Nicht jeder freut sich über diese Art der Weihnachts-Vorfreude. Die evangelische Kirche will dem Trend entgegenwirken. Sie hat die Aktion „Weihnachten ist im Dezember“ ins Leben gerufen. Gerade die Adventszeit sei eine besondere Zeit des Jahres – eine Zeit der Einkehr und Stille, aber auch der Vorfreude und Erwartung. Für die Kirche ist klar: Nach dem Totensonntag am 20. November sei für vier Wochen Raum, sich auf Weihnachten vorzubereiten. Die Vorweihnachtszeit mit ihren besonderen Farben und Düften, mit Lichterglanz und Weihnachtsgebäck brauche ihren festen Rahmen, wenn sie nicht ihre Bedeutung und ihren Sinn verlieren solle. Und dies sei eben der Adventszeit vorbehalten.

Andreas Laubig, Pressesprecher der Edeka Minden-Hannover, erklärt, dass der Verbraucher es letztlich selbst in der Hand hat, wann der Verkauf der Weihnachtsprodukte beginnt. „Diese Produkte stehen im September schon bei uns im Haus, weil sie im September schon gekauft werden“, sagt er. Bei der heutigen Marktlage, bei der die Discounter schon etwa 40 Prozent des Marktes ausmachen, könne es sich ein Markt gar nicht leisten, ein Produkt, das nicht abverkauft werden kann, auch nur eine Sekunde in den Regalen zu behalten.

Diesen Trend bestätigt auch Marén Hünecke vom Rewe-Markt in Rinteln. Seit gestern steht in dem Supermarkt an der Bahnhofstraße ein großes Angebot an Lametta, Geschenkpapier und Adventskalender zum Verkauf. „Die Nachfrage an Weihnachtsartikeln ist einfach da“, sagt Geschäftsführerin Hünecke. Lebkuchenherzen, Spekulatius und Weihnachtsschokolade gebe es schon seit September. „Und wir haben bereits mehrfach nachbestellt.“

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Im Fachjargon heißen Lebkuchen und Co. allerdings nicht Weihnachtsware, sondern „Herbstgebäck“, wie Ulrich Pleger vom Marktkauf in Hameln bestätigt. Ab Ende September stehen die Waren dort zum Verkauf. Der Absatz sei gut, „ansonsten würden wir die Sachen nicht anbieten“, sagt Pleger. Deko-Artikel für Tannenbaum und Haus stünden aber in Plegers Markt erst Ende Oktober in den Regalen.

Früh dran mit Weihnachtsartikeln sind insbesondere auch die Discounter. Die Kommunikationsabteilung des Ein-Euro-Discounters Tedi teilt auf Anfrage mit, dass Mitte September die ersten Weihnachtswaren im Angebot des Handelsunternehmens waren. In den Filialen standen vor allem Holzkrippen mit entsprechenden Figuren, Baumschmuck und ein großes Sortiment an Weihnachtsdekoration zum Verkauf. „Die Artikel kommen bei unseren Kundinnen und Kunden sehr gut an, dies bestätigt uns die entsprechende Nachfrage“, betont Tedi-Sprecher Tobias Mrowitzki. Von zögerlicher Nachfrage bleibt der Billig-Discounter mit Märkten unter anderem in Hameln, Hessisch Oldendorf und Bad Pyrmont im Hinblick auf Weihnachtsartikel offenbar verschont. Wer erst in der Adventszeit in den Tedi-Filialen auf Dekorationssuche geht, kommt meistens zu spät. Denn: „Im vergangenen Jahr waren die Weihnachtsartikel bereits Anfang November nahezu ausverkauft“, heißt es aus der Unternehmenszentrale.

Doch wer gibt nun den Termin vor, zudem die Weihnachtsware erstmals in den Geschäften erscheint? „Die herstellende Industrie gibt uns den Termin vor, ab dem die Ware geliefert werden kann“, sagt Edeka-Sprecher Laubig. Und dieser Termin fällt in der Regel in den Hochsommer.

Der Gebäckhersteller Bahlsen produziert bereits in den Monaten Juli und Juli Weihnachtskekse, Lebkuchen und Zimtsterne. Laut Elke von Plehn, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei der hannoverschen Großbäckerei, wird das Kernsortiment, das rund 20 verschiedene Weihnachtsprodukte umfasst, im August an den Handel ausgeliefert. Auch Elke von Plehn bestätigt, dass der Handel die weihnachtliche Saisonware dann meist schon Ende August/Anfang September in der Auslage präsentiert.

Die Edeka Minden-Hannover als Großhändler gebe, so Laubig, den angeschlossenen Einzelhändlern dann vier Termine, zu denen die Waren bestellt werden können. „Wir haben die Philosophie, dass jeder Einzelhändler selbst entscheiden soll, ab wann er die Ware präsentieren will.“ Dies sei auch sinnvoll, sagt der Konzernsprecher, weil der Einzelhändler vor Ort seine Kunden und die Marktlage am besten einschätzen könne. „Große Märkte haben die Möglichkeit, die Produkte zunächst zu lagern, kleinere Märkte hätten diese Möglichkeit nicht und geben die Ware daher sofort in den Verkauf“, sagt Laubig.

Im kleinen Edeka-Markt an der Rintelner Brennerstraße gibt es derzeit auch schon Spekulatius, Marzipankartoffeln und Lebkuchenherzen. „Das sind Süßigkeiten, die sich das ganze Jahr über verkaufen lassen“, sagt Theo Melonas. Vom Trend, in dieser Jahreszeit schon Schokoladen-Weihnachtsmänner anzubieten, will er aber nichts wissen. „Das machen wir schon allein wegen der Kinder nicht“, meint Melonas. „Dann ist die Vorfreude auf Weihnachten doch weg.“

Seit Sommer schon duftet es in vielen Geschäften und Supermärkten nach Lebkuchen. Jetzt sind vielerorts auch Lametta und Christbaumkugeln im Angebot. Zu viel Kommerz und zu wenig Besinnung in der Vorweihnachtszeit, die eigentlich noch gar keine ist, sagen Kritiker. Hersteller und Händler hingegen berufen sich auf das simple Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Das ganze Festsortiment: Leckereien und Baumschmuck sind in der Hamelner Fußgängerzone längst zu haben.Fotos: Wal




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