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Strenge Strafen für „sündtliche fleyschliche wercke“ / Ehebruch auch in Schaumburg verpönt

„Weibs-Persohnen“ immer schuld…

Als einer der berühmtesten Ehebrecher ist der biblische König David in die Geschichte eingegangen. Er hatte die Ehefrau Batseba seines Feldherrn Urija verführt - hier verewigt auf einer Darstellung des im 16. Jahrhundert lebenden flämischen Malers Jan Massys.

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Autor:

Wilhelm Gerntrup

Ort manchen Übels: Die mittelalterliche Badestube. Unten: Im Mittelalter stand auf Ehebruch nicht selten die Todesstrafe – hier vollzogen durch gemeinsames Pfählen der Delinquenten.

Repros: gp

Landkreis. Nach einer Studie der Universität Göttingen aus dem Jahre 2006 geht rund die Hälfte der verheirateten Deutschen fremd. Gut für die aktiv Beteiligten, dass sich die Zeiten geändert haben. Noch bis vor 40 Jahren war Ehebruch verboten. Mit besonders drastischen Folgen mussten die „übelthätter“(-innen) während des Mittelalters rechnen.

Die Palette der möglichen Strafen reichte – je nach Strenge, Willkür und moralischer Empfindsamkeit des Landesherrn – von saftigen Geldbußen und „außhawung mit rutten“ (Auspeitschen) über „Schleyffen“ (gefesselt vom Pferd über die Erde ziehen) bis hin zum „glüenden zangen reissen“. Nicht selten wurden den Verurteilten zwecks Abschreckung der Nachbarn auch die Ohren abgeschnitten. Und in besonders schweren Fällen konnten die Richter auch auf „lebendig begraben“, „erstlich köpffen und darnach viertheylen“ oder auf „pfelen“ (pfählen) erkennen. Beim Pfählen wurden die Verurteilten auf die Spitze eines Holz- oder Eisenpfahls gelegt und solange heruntergedrückt, bis der Körper durchbohrt und den Qualen der Verurteilten ein Ende bereitet worden war.

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Vom ausgehenden Mittelalter an setzte sich - wenn auch nur ganz allmählich und von häufigen und heftigen Rückschlägen begleitet - eine etwas mildere und menschlichere Betrachtungs- und Vorgehensweise gegenüber „solchs lasters und übelthat“ durch. So sah die im Jahre 1532 von Kaiser Karl V. erlassene und auf dem Reichstag zu Regensburg verabschiedete „Peinliche Gerichtsordnung“ (Constitutio Criminalis Carolina) keine direkt „vom leben zum todt gerichten Strafen“ mehr vor.

Harte Strafen im Mittelalter

Trotzdem hatten Fremdgänger - gemessen an heutigen Maßstäben - auch bei Anwendung der „Carolina“ mit harten und schmerzlichen Urteilen zu rechnen. „Der ehebrecher sampt der ehebrecherin“ seien mindestens mit „Verweisung des landts“ (Verbannung), „Stellung inn branger“ (öffentliche Zurschaustellung am Schandpfahl), „außhawung mit rutten“ (Auspeitschen) und/oder durch „Abschneidung der oren“ zu strafen, gab das als erstes großes deutsches Strafgesetzbuch geltende Regelwerk vor.

Auf ein Urteil ohne körperliche Gewalteinwirkung durften die an „sündtlichen fleyschlichen wercken“ Beteiligten – zumindest hierzulande – erst seit Anfang des 17. Jahrhunderts hoffen. Die 1615 vom damaligen Schaumburger Grafen und späteren Fürsten Ernst erlassene „Land- und Polizey-Ordnung“ sah als Sühneleistung für „stuprans und stuprata“ (Schandtäter und Geschändete) bei erstmaliger Verfehlung grundsätzlich nur noch Geldstrafen vor. Der Regelsatz lag bei zehn Thaler für die beteiligten „Weibs-Persohnen“ und das Doppelte für die „Gesellen“. Nicht so glimpflich kamen die Ehebrecher im Wiederholungsfall davon. „Wenn sie aber zum andern mahl übertreten, sollen sie mit Gefängniß; und da es zum dritten mahl geschieht, mit ewiger Landes-Verweisung belegt werden“.

Genauso wie Ernst und dessen Vorgänger ließen auch die späteren Thronfolger und Landesväter nichts unversucht, um dem „sündtlichen fleyschlichen wercken“ durch immer neue Vorgaben und Verordnungen beizukommen. Opfer und Leidtragende waren (fast) ausschließlich die Frauen. Das weibliche Geschlecht galt seit Alters her (und bis in die Neuzeit hinein) als eine weniger gut gelungene Schöpfungsvariante des Mannes. Schon die altgriechischen Philosophen und noch mehr die klerikalen christlichen Glaubenskrieger sahen deshalb als Bestimmung von „Weibs-Persohnen“ vor allem deren Rolle als Dienerinnen. Als vorrangige Funktionen zählten Hausarbeit, Hilfe auf dem Felde und Kinderkriegen. Entsprechend nüchtern und pragmatisch ging es auch bei der Partnersuche zu. Altersunterschied, Schönheit und Zuneigung oder gar „Liebe“ im heutigen Sinne spielten, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle.

„Maytage-Geläge“ kurzerhand verboten

Vielleicht war das einer der Gründe dafür, dass es – trotz aller gestrenger Moral- und Gesetzesvorschriften – auch damals schon große Probleme mit der Einhaltung des ehelichen Treuegelübdes gab. „Wer in den Ehestand geht, geht in ein Kloster, das voller Anfechtungen ist“, beschrieb Martin Luther (1483-1546) die Situation. Besonders hoch soll es in punkto außerehelicher Beischlaf über Jahrhunderte hinweg in Gesindekammern sowie Bade- und Spinnstuben hergegangen sein.

Über die Schuldfrage mussten die Hüter der Moral nicht lange nachdenken. Das Kernproblem allen Übels stellte seit Adam und Eva die dem weiblichen Geschlecht innewohnende Sündhaftigkeit dar. Vor allem bei Priestern und Pfaffen standen die Frauen als lüsterne Verführerinnen sozusagen „unter Generalverdacht“. Es sei „hernacher befunden, daß die Gesellen von den Weibs-Persohnen beim Trunk und nüchtern zum Beyschlafen heftig gereitzet“ worden seien, machte auch Ernst in seiner Polizey-Ordnung die gängige Sicht der Rollenverteilung klar.

Um dem Treiben ein Ende zu setzen, verbot er kurzerhand alle „Anlässe, da zwo Personen sich in Unehren samien und Unzucht treiben“ konnten. Das waren damals vor allem die „Fastnachts- und Maytage-Geläge“, während derer „auf den Dörfern Mägde und Knechte Bier auflegen, einander dazu bitten, und dabei auch sonsten Abend- und Nacht-Tänze halten, was zu Unzucht keinen geringen Anlaß giebt“.

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