×
Erinnerung im Rundfunk zum 125. Geburtstag / Bückeburger von den Nationalsozialisten verfolgt

WDR widmet Pater Muckermann ein "ZeitZeichen"

Bückeburg (kk). Der Bückeburger Jesuitenpater Friedrich Muckermann und seine Gegnerschaft zum Nationalsozialismus werden nun auch überregional gewürdigt. Der Westdeutsche Ru ndfunk nimmt den 125. Geburtstag des Geistlichen zum Anlass, ihm ein "ZeitZeichen" zu widmen. Diese Rundfunk-Sendereihe erinnert an Ereignisse und Persönlichkeiten der Weltgeschichte, an Konrad Adenauer und Marilyn Monroe, an "Kaiser" Franz Beckenbauer und Königin Elisabeth II., an Ludwig van Beethoven und Louis Armstrong - und am 17. August auch an Friedrich Muckermann. Er wird zum Hauptdarsteller in einer der täglichen 15-Minuten-Sendungen. Bedeutende Persönlichkeiten werden aus der Geschichte zurückgerufen, um von einer Autorin, einem Autor in "ZeitZeichen" noch einmal vorgestellt zu werden. Um hier noch einmal Rede und Antwort zu stehen, im Originalton oder in Zitaten.

Im WDR-Pressetext zur Sendung heißt es: "Etliche Kritiker sprechen bis heute von feiger Neutralität der katholischen Kirche gegenüber dem Hitler-Staat. Doch gab es auch radikale Gegner in ihren Reihen. So wurde der Jesuitenpater Friedrich Muckermann bereits 1934 von den Nazis zum "Staatsfeind Nr. 1" erklärt. Offen hatte er die"Instinktlosigkeit" jener Katholiken attackiert, die Hoffnungen in den "Führer", also das Böse setzten. Nach seiner Flucht forderte er weiter zum Widerstand auf: von Holland aus mit seiner Wochenschrift "Der deutsche Weg". Nicht einmal die Oberen des Jesuitenordens konnten Friedrich Muckermann bremsen. Für den Pater begann eine jahrelange Flucht durch Europa." Autor Christoph Vormweg geht in seinem Radio-Feature auf den Lebensweg des Hitler-Gegners ein, der am 17. August 1883 in Bückeburg als Sohn eines Schuhmachers und seiner tiefreligiösen Frau geboren wurde. Als Sechzehnjähriger trat er in den Jesuitenorden ein, die Schrecken des ersten Weltkriegs erlebte er als Feldgeistlicher. In der Weimarer Republik setzte er sich intensiv mit dem Wesen des Bolschewismus und später dann dem des Nationalsozialismus auseinander. "Auf- klären", lautete Muckermanns Devise, der als einer der führenden katholischen Publizisten der dreißiger Jahre gilt. Seine kritischen Werke wurden von den Nazis verbrannt, er flüchtete nach Holland, später dann nach Frankreich und in die Schweiz. Am 2. April 1946 ist Friedrich Muckermann in Montreux verstorben. Die Verbindung nach Bückeburg brach nie ganz ab. Als er sich in Deutschland noch frei bewegen konnte, besuchte er regelmäßig seine Geburtsstadt. Die Bückeburgerin Eva Rademacher erinnert sich an Muckermann: "Der Pater faszinierte durch eine außerordentliche Persönlichkeit, eine Überlegenheit ohne Hochmut, durch seinen christlichen Frohsinn, seine männliche Schönheit - ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle". In der Nachkriegszeit geriet Muckermann zunehmend in Vergessenheit. Auch in Bückeburg wird die Erinnerung an der bedeutenden Sohn der Stadt erst seit einigen Jahren wieder intensiver gepflegt: Seit 2006 erinnert ein "Stol- perstein" an den Widerstandskämpfer, 2007 wurde eine Passage neben seinem Geburtshaus nach ihm benannt. Besonders engagiert hat sich hierfür die Katholische Kirchengemeinde, über die auch eine Informationsbroschüre über den mutigen Pater bezogen werden kann. Auch im Buch "Gegen den Strom: Widerstand und Zivilcourage im Nationalsozialismus in Schaumburg", das von der Schaumburger Landschaft herausgegeben wurde, ist ihm ein Kapitelgewidmet. "ZeitZeichen" ist am Sonntag, 17. August, auf WDR 5 um 9.05 Uhr, auf WDR III um 11.45 Uhr und auf NDR-Info um 19:05 Uhr zu hören. Später kann die Sendung im Internet unter "www. wdr5.de/nachhoeren/zeitzei- chen" abgerufen werden.




Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kontakt
    Redaktion
    Telefon: 05041 - 78932
    E-Mail: redaktion@ndz.de
    Anzeigen
    Telefon: 05041 - 78910
    Geschäftsanzeigen: Anzeigenberater
    Abo-Service
    Telefon: 05041 - 78921
    E-Mail: vertrieb@ndz.de
    Abo-Angebote: Aboshop

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt