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Urteil: Fünf Monate Haft auf Bewährung und psychotherapeutische Behandlung

Wasser-Dieb muss sich vor Gericht verantworten

Bad Münder (ube/jhr). Dass Hochprozentiges unter der Kleidung an der Kasse vorbei geschmuggelt wird, kennen Verkäuferinnen in heimischen Supermärkten zur Genüge. Dass ein Mann aber für einfache Wasserflaschen das Risiko eines Diebstahls auf sich nimmt, war im vergangenen Jahr auch für eine Kassiererin des münderschen Lidl-Marktes neu. Jetzt wurde vor dem Hamelner Schöffengericht verhandelt, denn: Der Täter konnte nicht nur gestellt werden, er fiel auch in zwei anderen Fällen durch den sonderbaren Wasser-Klau auf.

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Fünf Monate Haft auf Bewährung – so lautete das Urteil des Gerichts für den 42-jährigen Münderaner, der bereits einschlägig vorbestraft ist. Der Mann muss sich zudem in ambulante psychotherapeutische Behandlung begeben.

Am 3. Februar vergangenen Jahres hatte der Münderaner im Lidl-Markt mehrere Wasserflaschen und ein anderes Getränk unter seiner Jacke versteckt, sich dann an der Kasse vorbei Richtung Ausgang gedrängt. Die Kassiererin bemerkte den Dienstahl, schloss die Ausgangstür des Marktes. Daraufhin habe er sie zur Seite gestoßen, sei dann ohne Beute durch das Lager des Marktes Richtung Innenstadt geflohen, berichtete die Kassiererin damals der Polizei. Die nahm die Sache durchaus ernst, erwischte ihn einige Tage später, als er erneut Flaschen unter der Kleidung versteckt hatte und einen Discounter verlassen wollte, diesmal den Penny-Markt an der Bahnhofstraße. Er wurde vernommen, wieder auf freien Fuß gesetzt – und nur einen Tag später nach einer Verfolgungsjagd erneut geschnappt. Zuvor hatten Polizisten beobachtet, wie er in Coppenbrügge auf dem Parkplatz eines Marktes zwei Wasserflachen über einem Auto ausgoss, dann in den Markt ging. Als er herauskam und die Polizisten bemerkte, versuchte er zu fliehen.

Die Staatsanwaltschaft klagte den Münderaner wegen räuberischen Diebstahls, gefährlicher Körperverletzung, zwei einfachen Diebstählen und Beleidigung eines Polizeibeamten an. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, die Lidl-Verkäuferin verletzt zu haben, um im Besitz der Getränke zu bleiben. Vielmehr habe er Panik bekommen, als die Tür des Discounters geschlossen wurde, erklärte sein Anwalt Roman von Alvensleben: „Mein Mandant wollte da nur noch raus. Er befand sich in einem psychischen Ausnahmezustand.“

Das Gericht folgte der Argumentation, stellte verminderte Schuldfähigkeit fest und das Verfahren wegen Beleidigung ein. Die Gewalttätigkeiten im Lidl-Markt wurden nicht als räuberischer Diebstahl gewertet. Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Monate auf Bewährung gefordert, das Gericht folgte mit seinem Urteil dieser Forderung. Allerdings: „Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil die Verteidigung Rechtsmittel eingelegt hat“, sagt der Direktor des Amtsgerichts Hameln, Dr. Herbert Seutemann.

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