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Vicco von Bülow über den Wiedensahler und über die Gesetze der Komik - Ach was!

Was verbindet Wilhelm Busch und Loriot?

Landkreis (to). Am morgigen Sonntag steht Wilhelm Buschs 175. Geburtstag an, und vor wenigen Tagen ist Vicco von Bülow alias Loriot der mit 10 000 Euro dotierte Preis zuerkannt worden, dem der Wiedensahler den Namen gibt. Die beiden eint einiges - es gibt allerdings auch eine nenneswerte Zahl trennender Elemente. Aber Loriot als Busch-Erbe?

Vicco von Bülow alias Loriot - ein Erbe Wilhelm Buschs? Auf jede

Beide - Busch wie Bülow, von - haben Begriffe und Sätze geprägt, die längst Allgemeingut geworden sind. Auch wenn bei vielen Busch-Zitaten der Ursprung verloren gegangen ist, sind diese doch längst Teil noch heute gebräuchlicher Sprache - und sei's nur das Zitat für angehende Familienoberhäupter: "Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr." Allgemeingut sind auch längst Loriot'sche Schöpfungen. Mindestens einmal zu Weihnachten lässt sich nahezu jeder, der auch nur einmal mit Loriot zu tun hatte, zur Äußerung hinreißen: "Früher war mehr Lametta". Und der Loriot-Klassiker schlechthin: "Ach was." Beide arbeiteten und arbeiten nach denselben universellen Gesetzen der Komik, die Loriot einmal so beschrieben hat: "Zur Komik gehört eine gewisse Fallhöhe. Wenn jemand eine Sache ernst anlegt und sie misslingt, dann entsteht Komik." Somit ist Komik im Wesentlichen Verschulden des Verlachten. Komik entsteht, wenn Witwe Bolte klagt: "Fließet aus dem Aug, ihr Tränen! / All mein, all mein Sehen, / Meines Lebens schönster Traum / Hängt an diesem Apfelbaum." und damit nichts weiter beschreibt, als dass gerade durch nachhaltiges Eingreifen des Horror-Duos Max und Moritz drei Hühner und ein Hahn das Leben abhanden gekommen ist. Komisch wirkt es, wenn zwei Herren in einer Badewanne sitzen und einer der beiden mit seriöser Miene erklärt, dass er, wenn es die Situation erfordere, durchaus in der Lage sei, auch mal ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen. Sicher. Beide trennen Image und Auftritt. Wilhelm Busch kultivierte den Eindruck, er sein ein Sonderling, zu dem nur schwer Zugang zu finden sei. Das ist von Herrn von Bülow nicht überliefert. Loriot ist sich seiner Rolle bewusst. Er ist immerhin Loriot. Deshalb gibt er auch keine Interviews aus dem Stegreif, das Publikum hat schließlich ein Recht auf akkurate Antworten. Loriot, der vielen als der beliebteste zeitgenössische deutsche Humorist gilt, pflegt einige Bezüge zu Busch, ohne zwingend in einer Tradition mit diesem zu stehen. Den Knollennasen-Zeichner aber in einer ungebrochenen Linie mit Busch zu sehen, wäre nicht nur viel zu kurz gegriffen, sondern wäre auch ungerecht. Buschs revolutionäre Leistung war es, das bis dahin eherne Gesetz der Trennung von Wort und Bild aufzuheben - und so die Bildergeschichten und -gedichte zu schaffen. Loriot hat sich Zeit seines Schaffens aktueller Medien bedient - von Cartoons über Trick- und Realfilm bis zur DVD-Produktion. Zum 175. Geburtstag attestiert der Preisträger dem Patron des Busch-Preises Omnipräsenz: "Ich möchte wissen, wer in Deutschland sagen kann, dass er Max und Moritz nicht kennt. Mal stärker, mal schwächer, doch: Busch ist so vielfältig, dass er an irgendeiner Stelle jeden trifft."

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