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Die Gärten versprühen auch in der dunklen Jahreszeit ein besonderes Flair

Was jetzt blüht, ist die Phantasie: Ein Winterbesuch in Herrenhausen

Hannover-Herrenhausen. Im Staudengarten des Berggartens von Hannover liegt Schnee, viel Schnee; hier und da ragt Verblühtes aus dem weißen Kleide hervor, aus dem die Grünfinken und Blaumeisen sich Restkörnchen picken, um über den Winter zu kommen. Die Gärtner in Herrenhausen taten gut daran, nach dem blühenden Herbstfinale nicht alles ratzekahl weggeschnippelt zu haben, sondern den ulkigen Bewohnern der Gärten etwas übrig zu lassen. Stundenlang könnte man ihnen, den Singvögeln, dabei zusehen, wie sie fliegen und knabbern und knabbern und fliegen. So wird selbst der Staudengarten, in dem zu dieser Jahreszeit nun wirklich nicht viel bis rein gar nichts wächst, zu einem Terrain, in dem sich trübe Winterstunden vortrefflich vertreiben lassen.

Blau und Weiß, Schnee und Eis: Die Herrenhäuser Gärten sind auch jetzt schön anzusehen.
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Die Herrenhäuser Gärten, sonst vom blühenden Leben geprägt, wissen auch zu dieser kalten Jahreszeit ein gar königliches Flair zu versprühen, ja mehr noch: Vielleicht ist diese Zeit die beste, um zu erkennen, dass diese Gärten in ihrer Gesamtheit eine der schönsten Parkanlagen Europas sind. So werden sie zumindest von der Landeshauptstadt beworben, und in einschlägigen Bildbänden und in der Fachliteratur gelten sie als ebenso wertvoll, weshalb sie ganz offiziell ja auch als die „Königlichen Gärten Herrenhausen“ bezeichnet werden. Der Große Garten ist prachtvoll, der Berggarten unglaublich reich an Flora und Fauna. Obwohl auch der Georgengarten und der Welfengarten (mehr dazu auch im Internet unter www.hannover.de) zum Gesamtensemble gehören, gelten Großer Garten und Berggarten (Öffnungszeiten zurzeit 9 bis 16.30 Uhr) unumstößlich als die tragenden Säulen dieser riesigen Anlage. Der barocke Große Garten wurde in seiner heutigen Form von 1696 bis 1714 unter Kurfürstin Sophie gestaltet und zählt – darauf darf Hannover durchaus mit Stolz verweisen – tatsächlich zu den wenigen, in ihrer Grundstruktur erhaltenen Barockanlagen in Europa. Vorherrschend ist natürlich der formale Aufbau ohne florale Verrücktheiten; aber für das Flanieren ist der Große Garten ein unübertreffliches Areal – selbst jetzt, da die Fontänen kein Tröpfchen in die Welt hinausprusten.

Dafür ergeben sich unter der weißen Pracht und in Anbetracht allerlei laubloser Gehölze Sichtachsen, die es im Frühling und Sommer nicht gibt. An den goldenen Figuren im Gartentheater hängen Eiszapfen, die Pavillons tragen eine weiße, unschuldige Haube, und die kleinen Boskettgärten, früher beliebte Treffpunkte für verschwiegene Zusammenkünfte, sehen aus, als wenn sie schlafen. Allerlei Spuren lassen sich im Schnee lesen; es sind nicht nur die der Besucher, sondern auch die der Bewohner der Herrenhäuser Gärten. Eichhörnchen, Hasen, allerlei Vögel. Ob die ihr segensreiches Leben in dieser schönen Umgebung wohl wirklich zu schätzen wissen?

Der formale, barocke Große Garten mag vordergründig das wichtigste Element der Herrenhäuser Gärten sein, jedoch ist er botanisch gesehen dem Berggarten weit unterlegen, der einer der ältesten botanischen Gärten Deutschlands ist. Rund 11 000 verschiedene Pflanzen sind in diesem rund zwölf Hektar großen Park zu finden – nun ja, zurzeit nur ein Teil davon, denn die gesamte Staudenpflanzenwelt hat sich vor dem Frost natürlich ins Erdreich zurückgezogen und wird erst wieder austreiben, wenn der Winter sich von dannen macht. Und auch die weißen Traubenhyazinthen, Krokusse, Tulpen und viele andere Zwiebelpflanzen, die erst wieder im Frühling auftauchen (und bis dahin ist es wohl noch ein weiter Weg…), schlafen jetzt selig.

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Die teils verschlungenen Wege durch die Themengärten offenbaren trotz allem eine große Vielfalt, denn zahlreiche Gehölze, einige sogar winterblühend, säumen die Wege. Selbst blattlos eine Zierde, denn die unterschiedlichen Gehölze tragen auch unterschiedliche Farben.

Wem es dann doch zu kalt wird da draußen, der kann sich natürlich auch aufwärmen in den Schauhäusern des Berggartens. Quasi am Dauerblühen ist die üppige Orchideen-Ausstellung, die hier ganzjährig bis zu 1000 Pflanzen zeigt, während es in den Kakteen-Schauhäusern nicht vordergründig auf Blüten ankommt: über 2400 Kakteen, über 1000 weitere Sukkulenten – das ist eine ganz andere Pflanzenwelt, skurril und fremdartig. Im Tropischen Wintergarten hingegen lassen sich wieder jede Menge tropischer und subtropischer Pflanzen entdecken; es duftet nach Zitrus, Wasser tropft von der Decke. Irgendwie erfrischend, so erfrischend wie das Gesamt-Ensemble der Herrenhäuser Gärten, die zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert – auch im Winter.

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