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Was fördert der Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste?

BAD MÜNDER. Tue Gutes und rede darüber – dieses Motto hat sich Dieter Koenzgen zu eigen gemacht. Dabei geht es ihm gar nicht um die Nennung seines Namens, sondern um den Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste, dessen Vorsitzender er ist.

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Autor:

Mira Colic

Eine seiner Aufgaben – und sicherlich die schönste – ist das Verteilen der Fördergelder. Jüngst kam auch erst Bad Münder wieder in den Genuss, hat der Verein doch das Spielefest der Nationen mit einer mittleren vierstelligen Summe gesponsert. „Das geht aber nur, wenn wir genug fördernde Mitglieder haben und die können nur zu uns kommen, wenn sie uns auch kennen“, sagt Koenzgen.

Doch wer oder was steckt hinter dem zugegebenermaßen etwas sperrigen Namen Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste, der nach eigener Aussage 56 000 Mitglieder hat?

1985 gegründet, um für rund 40 Kreisverbände des Deutschen Hilfsdienstes (DH) Geld zu sammeln. Aus einem Autohilfsclub hervorgegangen, hat es sich der DH zur Aufgabe gemacht, Polizei und Rettungskräfte bei der Ersthilfe am Unfallort zu unterstützen. Der Verein ist seit 1992 nahezu bundesweit bei der Förderung von Projekten aktiv – einzige Ausnahmen bilden Rheinland-Pfalz und Bayern. Seit dem ersten Tag ist Koenzgen, der in Rohrsen wohnt, Teil des Vorstandsteams gewesen, zuerst als stellvertretender, seit fünf Jahre als Vorsitzender.

Zu Beginn war der Verein auch international tätig, stattete etwa in den 1990er-Jahren während des Balkankrieges ein Krankenhaus in Jugoslawien aus. Der Verein lieferte zum Beispiel Betten und Röntgengeräte. In Russland konnte dank des Fördervereins ein Kinderheim eröffnet werden. „Wir haben in den letzten Jahren unseren Fokus aber auf Deutschland gerichtet, weil wir auch hier so viele Probleme haben. Und unser Geld reicht nicht aus, um allen zu helfen.“

In die Schlagzeilen war der Verein 2011 geraten, weil die Staatsanwaltschaft Essen wegen Untreue ermittelt hat. Damals hatte Koenzgen den Vorsitz gerade erst von seinem Vorgänger Fritz Kardolsky übernommen, der sich bis zu seinem Tod alleine um die Abwicklung sämtlicher Geschäfte gekümmert habe. Das Verfahren ist eingestellt worden, weil nach Aussage der Staatsanwaltschaft „der Tatverdacht nicht hinreichend bestätigt werden konnte“.

Umso wichtiger ist dem 76-Jährigen heute, dass sich der Verein nicht mehr angreifbar macht. „Ich habe im Vorstand einen Rechtsanwalt und einen Wirtschaftsprüfer sitzen.“ Und auch bei der professionellen Mitgliederwerbung wolle er nichts dem Zufall überlassen. Denn dass der Einsatz bezahlter Werber in der Kritik steht, weiß er auch. Dennoch glaube er an die Wirksamkeit, um den Schwund auszugleichen, „und weiterhin vielen Vereinen helfen zu können“. Jeder Werber bekomme eine persönliche Einweisung, eine Mappe mit allen Informationen und einen Ausweis mit. „Und bei uns kann jedes Mitglied ohne Fristen jederzeit kündigen, damit sich niemand überfordert fühlt.“ Die Höhe der monatlichen Zahlungen seien individuell gestaltbar. „Im Durchschnitt geben unsere Mitglieder 1 bis 5 Euro im Monat.“ Die jährlichen Ausschüttungen liegen bei 500 000 bis 600 000 Euro.

Auch jedes Projekt, das der Verein fördert, wählt Koenzgen gemeinsam mit dem Vorstand aus. „Ich schaue mir jedes Projekt persönlich an.“ 240 000 Euro sind so im ersten Halbjahr 2016 ausgeschüttet worden. Neben den Organisatoren des Spielefests wurden auch der SV Germania Beber-Rohrsen für seinen Soccerplatz sowie die Mündersche Tafel bedacht. Bereits in den vergangenen Jahren kam die Tafel in den Genuss von Fördergeldern, sodass der Vorstand Koenzgen sogar 2015 zum Ehrenmitglied ernannte. Unter den aufgelisteten Empfängern sind viele Kindertagesstätten sowie Vereine, die sich hauptsächlich um Jugendliche kümmern.

Mindestens 80 Prozent der Einnahmen werden weitergegeben, versichert Koenzgen. Der Rest fließe in die Finanzierung der Büroräume und der Bezahlung von zwei Mitarbeitern. Außerdem unterhält der Verein in Marl eine Erste-Hilfe-Schule, bei der gemeinnützige Vereine ihre Sanitäter kostenlos ausbilden lassen können, sowie einen Mini-Shop, in dem Neuware für 1 bis 10 Euro verkauft wird.

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