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Was die Schrottlaube unter der Haube hat

Das bekannteste Auto der Welt ist kein roter oder silberpfeilschneller Rennbolide, auch nicht eines von James Bonds Hightech-Fortbewegungs-Kampfmitteln. Das Auto, das weltweit nahezu jeder kennt, liebt und dessen Namen fast alle mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen aussprechen, ist ein Käfer: Herbie. Nüchtern betrachtet ein Volkswagen L 87, Baujahr 1963, Exportmodell in Perlweiß. Bei den Emotionen, die er auch nach über 45 Jahren noch auslöst, aber einfach Kult.

Von Andrea Gerstenberger

Stolze Besitzer dieses Kultobjektes sind seit wenigen Tagen Traugott und Christian Grundmann aus Hessisch Oldendorf. Einen Herbie hatten Vater und Sohn, die als Käferfreaks in der internationalen Autosammlerszene längst selbst Kult sind, schon vorher. Aber dieser Herbie, die Nummer 15 von 26 Filmautos, die von den Walt Disney Studios für die vier Herbie-Filme, die von 1968 bis 1980 gedreht wurden, umgebaut wurde, ist der einzig wahre. Und so geben die Grundmänner ihren bisherigen Herbie gern an ein Museum in der Hamburger Speicherstadt ab und machen so Platz für ein Kultfahrzeug, dass wirklich ein wahrer Hingucker als Schaustück ist.

„Dieser Herbie spielte nachweislich in allen vier Herbiefilmen mit, die in den Walt Disney Studios bis 1980 produziert wurden“, erzählt Christian Grundmann voller Begeisterung und zeigt jene technischen Finessen, die Herbie vom schlichten Auto zum lebenden Kultobjekt machen. So ist noch die Halterung zu sehen, an der das fünfte Rad unter dem Wagen montiert war, damit Herbie sich auf der Stelle drehen konnte, und am hinteren Fahrwerk sieht man, dass er wohl auch noch ein weiteres Rad gehabt hat, für die Szenen, in denen er seitwärts fährt. Noch vollständig original erhalten ist die Stange, die vorne quer durch den Fahrgastraum geht und mit der Fahrer und Beifahrer gemeinsam die Kofferraumklappe während der Fahrt öffnen können, um Herbie winken zu lassen. Vorne an der Stoßstange ist auch noch die Halterung zu sehen, an der mal der Nebelscheinwerfer für die Aufnahmen aus „Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo“ gesessen hat. Kleine Details, aber für den Kenner genau die Beweise, die dieses Auto so wertvoll machen.

Was fehlt, ist das Radio, aber Grundmanns wären nicht Grundmanns, wenn das nicht in wenigen Wochen wieder an seinem Platz zu finden wäre. Und zwar genau das Originalradio aus diesem Herbie Nummer 15. Christian Grundmann holt es im Sommer aus Victorville, einem kleinen Ort in der Wüste Kaliforniens zwischen Los Angeles und Las Vegas, von Chris Crocks ab. In seinem Besitz war genau dieser Herbie von 1980 bis 1988, bevor er ihn an den Franzosen Jackie Morell verkaufte. Das Radio hat er damals als Erinnerungsstück behalten.

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Lässt Nostalgikerherzen höher schlagen: der weiße Innenraum des Kultobjektes mit Lenkrad und Schaltknüppel.

Auf die Frage, wie man es schafft, genau dieses Radio zu finden, lacht Christian Grundmann. „Chris Crocks ist ein alter Bekannter. In der Zeit, als mein Vater als Bundeswehrsoldat in den Staaten stationiert war, haben wir von 1977 bis 1980 in Victorville gewohnt. Chris Crocks hat dort einen riesigen Schrottplatz voller Käfer. Als ich ihm jetzt erzählt habe, dass dieser Herbie hier bei uns ist, war es für ihn Ehrensache, dass ich das Radio bekomme.“

Zusammen mit Dirk Reidemeister und Veit Brommer schaut Christian Grundmann in den alten Unterlagen nach, die bei Herbie dabei waren und findet die Auktionsquittung von 1980, auf der steht, dass Herbie für ganze 150 Dollar den Filmfundus von Walt Disney verließ. Neben den Kopien von Kaufbelegen und Fahrzeugpapieren gab es, in Kartons verpackt, als Zugabe zum großen Herbie auch noch einige kleinere Modelle in verschiedenen Maßstäben und Filmposter, die Christian im Grundmannschen Museum ausbreitet. Eines davon ist ein seltenes Modell aus dem Hause Disney, das Herbie so zeigt, wie er draußen auf dem Hof steht. Mit seinem einzigartigen „Rost-Make-up“ und der Bemalung als Taxi.

Zusammen mit seinen Schrauberkumpels Veit und Dirk überlegt Christian Grundmann, was an Herbie in der nächsten Zeit zu tun ist. „Wir werden einige Ergänzungen vornehmen, wie das Radio, außerdem werden wir uns die Bremsen vornehmen und den Motor wieder flottmachen. Der Wagen hat seit 1980 gestanden“, nennt Christian Grundmann die Planungen. Das, was man für Rost halten könnte, ist in Wirklichkeit nur Farbe. Die Karosserie des Käfers ist nicht ver- oder durchgerostet. Lediglich im Bodenbereich finden sich Löcher. „Er hat die letzten Jahre etwas feucht gelegen“, erklärt sein neuer Besitzer. Eine grundlegende Restaurierung wird es nicht geben. „Ich möchte ihn als ein Stück Zeitgeschichte so erhalten, wie er ist. So eine Art Time-Kapsel. Genauso wie er von Disney kam.“

Fahren soll Herbie nicht mehr, eher ein Schaustück sein für das Grundmann-Museum, aber auch auf Ausstellungen, Käfertreffen und als Leihgabe für andere Museen. „Zum Beispiel, wenn Volkswagen ihn mal haben möchte“, sagt Christian Grundmann mit einem Augenzwinkern. Mit luftgekühlten Filmstars hat man in Hessisch Oldendorf Erfahrung. „Wir stellen ja öfter mal Fahrzeuge fürs Fernsehen und als Requisiten für Filmproduktionen zur Verfügung.“ Mit internationaler Beachtung zuletzt für den Film „Walküre“ mit Tom Cruise. Nach seiner Lieblingsszene mit Herbie gefragt, fällt die Auswahl für Christian Grundmann schwer. „Wie er in ,Der tolle Käfer in der Rallye Monte Carlo‘ in zwei Teile zerfällt und mit beiden Teilen durchs Ziel fährt, ist schon klasse. Aber auch alle anderen Stunts mit dem Auto sind einfach toll.“

Er ist der bekannteste Käfer der Welt: Herbie. Vier Filme drehten die Walt Disney Studios über seine Autoabenteuer. Nun steht der Wagen in Hessisch Oldendorf. Doch was verbirgt er unter seinem „Rost-Make- up“? Eine automobile Schatzsuche.




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