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Ein großes Amüsement

Was die Retro-Reklame mit sich brachte

HAMELN. Eine erste Überraschung hatte der Referent Bernd Schönebaum bereits zu Beginn der Veranstaltung parat: Einen Aufsteller, der übergroß die Titelseite der Zeitschrift „Der Drogenhändler“ zeigte und einst das offizielle Organ für Drogeriebetreiber war.

Im Retro-Look. foto: pr

Und tatsächlich konnte man in Drogerien Heilmittel und Tinkturen finden, die nahe an einer Verschreibungspflicht und eher in Apotheken zu vermuten waren. Oder aber die Produkte beinhalteten so viel Alkohol, dass die Anwender sich einbilden konnten, ein Rausch sei seiner Gesundheit förderlich, denn dass Werbung diese Einbildung unterstützt, wussten die Produzenten in den 20er Jahren ebenso, wie sie es heute wissen. Rund 60 Interessierte folgten dem kurzweiligen Vortrag von Bernd Schönebaum aus Springe.

Neben Reklametafeln von den 20er Jahren bis in die 60er Jahre hatte er zum Teil auch die beworbenen Produkte dabei. Die Zuhörer nutzten die Gelegenheit, um an einer Seife aus den 30er Jahren zu riechen oder die Formenvielfalt der Verpackungen zu bestaunen.

Amüsiert und kopfschüttelnd nahmen sie die, im Vergleich zu heute, verschämte Werbung für Toilettenpapier, Hygieneartikel und Bleichmittel zur Entfernung von Sommersprossen zur Kenntnis. Was früher mühsam beseitigt wurde, lässt man sich aktuell extra tätowieren, weil Sommersprossen als attraktiv gelten. So erkennt der Besucher der Reklamewelten mehr als bunte Bilder. Es ist zugleich eine Zeitreise durch eine sich wandelnde Gesellschaft. Haltungen, Werte, Normen und Einstellungen haben sich verändert und die Entwicklung, die sie genommen haben, lässt sich an der Werbung im Laufe der Zeit sehr gut nachvollziehen und belegen. pr

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