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Schadensregulierung im Falle einer Mithaftung bei Verkehrsunfällen

Was das Blech berührt

Autor:

Markus Rabe Rechtsanwalt in Springe

Springe. Oft stellt sich bei der Abwicklung eines Verkehrsunfallschadens heraus, dass statt der durch den Geschädigten angenommenen alleinigen Haftung des Unfallgegners tatsächliche eine Mithaftung besteht. Der Geschädigte rechnet dann zumeist nur mit der gegnerischen Haftpflichtversicherung ab und verzichtet auf die Möglichkeit, gleichzeitig auch seine Kaskoversicherung in Anspruch zu nehmen.

Um für den Geschädigten – trotz seiner Mithaftung – eine optimale Regulierung herbeizuführen, bedarf es der Ausübung des sogenannten Quotenvorrechts. Um dessen Grundzüge verständlich zu machen wird im nachfolgenden Beispiel eine Haftungsquote von 50 Prozent angenommen.

Nach einem Verkehrsunfall ergeben sich in der Regel folgende Schadenspositionen: Reparaturkosten 10 000 Euro, Wertminderung 2 000 Euro, Sachverständigenkosten 1 000 Euro, Abschleppkosten 500 Euro, Nutzungsausfallentschädigung 800 Euro, Schadenpauschale 25 Euro. Gesamtschaden somit 14 325 Euro. Bei einer Haftungsquote von 50 Prozent würde der Geschädigte von der gegnerischen Haftpflichtversicherung daher 7 162,50 Euro erhalten.

Verfügt der Geschädigte über eine Vollkaskoversicherung, hat er die Möglichkeit auch diese in Anspruch zu nehmen. Die Kaskoversicherung übernimmt von dem im Beispiel angenommenen Schaden aber lediglich die Reparaturkosten abzüglich einer in der Regel vertraglich vereinbarten Selbstbeteiligung (zum Beispiel 1 000 Euro). Dies würde vorliegend einem Betrag von 9 000 Euro entsprechen. Dem Geschädigten würden in diesem Fall 5 325 Euro fehlen.

Das Quotenvorrecht stellt eine Kombination der Regulierung durch die gegnerische Haftpflicht- und die eigenen Kaskoversicherung dar. Der Geschädigte hat nämlich auch die Möglichkeit, den Schaden zuerst mit der eigenen Kaskoversicherung abzurechnen und bezüglich des danach offen gebliebenen Betrages die gegnerische Haftpflichtversicherung in Anspruch zu nehmen.

Für den vorgenannten Beispielfall sind nach der Abrechnung mit der Kaskoversicherung noch folgende Positionen offen: Selbstbeteiligung 1 000 Euro, Wertminderung 2 000 Euro, Gutachterkosten 1 000 Euro, Abschleppkosten 500 Euro, Nutzungsausfallentschädigung 800 Euro und Schadenpauschale 25 Euro – insgesamt somit 5 325 Euro.

Die gegnerische Haftpflichtversicherung ist nun verpflichtet, die sogenannten quotenbevorrechtigten Positionen nicht nur in Höhe der Haftungsquote (50 Prozent), sondern in vollem Umfange auszugleichen. Quotenbevorrechtigt sind die Positionen, „die das Blech berührt haben“.

Aus diesem Merksatz ergibt sich, dass auch die Selbstbeteiligung als Teil der Reparaturkosten quotenbevorrechtigt ist. Gleiches gilt für die Wertminderung, die Sachverständigenkosten und die Abschleppkosten. In all diesen Fällen wurde das Blech zumindest „berührt“. Etwas anderes gilt lediglich für die Nutzungsausfallentschädigung und die Schadenpauschale, die die gegnerische Haftpflichtversicherung nur in Höhe der Haftungsquote erstatten muss. Insgesamt sind von dieser daher auszugleichen: quotenbevorrechtigt: Selbstbeteiligung 1000 Euro, Wertminderung 2 000 Euro, Sachverständigenkosten 1 000 Euro, Abschleppkosten 500 Euro und nach Haftungsquote 50 Prozent: Nutzungsausfall 400 Euro, Schadenpauschale 12,50 Euro – somit insgesamt 4 912,50 Euro.

Bei der quotenbevorrechtigten Abrechnung ist lediglich eine einzige Einschränkung zu beachten: Der Betrag, der von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu ersetzen ist, darf insgesamt nicht höher sein als der Betrag, der zu ersetzen wäre, wenn ausschließlich auf der Basis der Haftungsquote abgerechnet worden wäre.

In unserem Beispielsfall hätte der Haftpflichtversicherer bei vollständiger Abrechnung über ihn entsprechend der (Mit)Haftungsquote des Geschädigten 7 162,50 Euro zu bezahlen. Unter Berücksichtigung der Quotenbevorrechtigung zahlt er nun 4 912,50 Euro und liegt damit unter dieser absoluten Kappungsgrenze.

Von seinem Gesamtschaden in Höhe von 14 325 Euro erhält der Geschädigte somit – trotz seiner 50-prozentigen Mithaftung – insgesamt 13 912,50 Euro (rund 97 Prozent) durch die Abwicklung über das Quotenvorrecht erstattet.




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