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Kinder erklären, was Liebe ist: Daran erkennt man, dass jemand verknallt ist

Warum Pärchen nervig sind

Hameln. „Liebe ist, wenn zwei Menschen sich mögen. Wenn sie sich küssen. Und sich an den Händen halten und umarmen. Und manchmal, wenn sie schon älter sind, gehen sie auch zusammen schlafen.“ Liebe ist altersunabhängig, schon kleine Kinder verlieben sich, tauschen erste geheime Liebesbotschaften aus, verleihen großherzig die beste Schaufel am Strand oder schenken der oder dem Angebeteten den letzten Lolli. Wir haben Grundschulkinder gefragt, was sie über Liebe denken, wissen und bereits selbst erfahren haben.

Autor:

Catherine Holdefehr

„Es gibt keine Regeln“, sagt die elfjährige Gladiola. Verliebt sein kann jeder. „Ein Mann und eine Frau oder manchmal sind auch zwei Männer verliebt oder zwei Frauen“, sagt Luisa (10). „Lesbisch und schwul heißt das“, weiß die zehnjährige Vanessa. Wenn diese Menschen verliebt sind, dann mögen sie sich. Aber nicht so wie einen Freund. „Ein Freund und ein Freund, das ist was anderes“, erklärt Luisa. „Ein fester Freund“, präzisiert Gladiola. „Das ist noch einmal ein Stück mehr zwischen einen Freund mögen und lieben.“ Ein bestimmtes Alter müsse dafür nicht erreicht sein: „Mein Bruder, der ist erst vier, der war schon fünfmal verliebt“, sagt Luisa. „Der verheimlicht das dann immer.“ Der zehnjährige Hasan war selbst schon mehrmals verliebt, hatte sogar schon mehrere Freundinnen: „Ich hatte schon ganz viele“, erzählt er. Was sich dann gehört, weiß er ganz genau: „Dann schenkt man sich was.“ Zum Beispiel zum Valentinstag. Und man schreibt sich per SMS oder über Facebook. Ganz lang und doch ganz kurz komme einem die Zeit dann vor,

weil es so schön ist: „Wir haben uns geschrieben und ich dachte, es war ganz kurz, aber dann war es abends plötzlich schon ganz spät.“

Aber woran merkt man eigentlich, dass man verliebt ist? „Wenn man den anderen mag. Oder wenn man ihn komisch findet“, sagt Hasan. Auf die inneren Werte komme es dabei aber an, nicht auf das Aussehen des anderen. „Wenn jemand verknallt ist, dann macht er oft so ,hi, hi, hi‘ und passt im Unterricht nicht auf“, sagt Luisa. „Dann guckt man den die ganze Zeit so an. Anhimmeln sagt man“, sagt Selina. Manchmal falle es auch besonders auf, dass ein Kind verliebt sei, weil es plötzlich richtig fies zu einem anderen sei, erzählen die Kinder aus ihren Erfahrungen in der Schule. Denn „manchmal liebt man jemand und tut so, als hasst man ihn“, erklärt Hasan. Alle nicken. Normal. Schließlich müsse man immer aufpassen, dass nicht andere merken, dass man verliebt ist. Sonst wird schnell darüber gespottet oder gelacht, ständig gibt es neue Gerüchte. „Manche wollen es nicht zugeben“, sagt Selina. „Weil es peinlich ist“, sagt Luisa, und „damit man nicht abserviert wird“, ergänzt Melina (11). Denn dann könne Liebe sogar richtig traurig machen.

Sogar Liebe auf den ersten Blick gibt es: „Dann sagt man, dass es ,sig‘ macht“, erklärt Vanessa. „Das hatte ich auch schon einmal bei meinem Meerschweinchen.“ Denn Liebe gibt es auch zu Tieren. Oder zu Geschwistern. Und das, obwohl man sich so oft streitet. Das sei ganz normal. „Ich mag meinen Bruder eigentlich, aber ich sag es ihm nicht“, sagt Melina. Auch Eltern würden sich manchmal streiten, aber das Wichtigste dabei sei: Sie vertragen sich immer wieder.

Von ihren eigenen Eltern, Geschwistern oder Bekannten kennen sie die Zeichen, an denen man erkennt, dass sich das Paar liebt: Die lachen viel zusammen, umarmen und küssen sich. Auch Zungenküsse. „Und meine Mama sitzt oft auf dem Schoß von meinem Papa“, sagt Vanessa. „Und manchmal, wenn sie sich gestritten haben, dann sagen meine Eltern, dass ich schon ins Bett gehen muss. Und dann, dann gehen, dann machen sie … Dann versöhnen sie sich wieder.“ Alle kichern und nicken. So ist das eben bei den Eltern. Verliebte Pärchen seien oftmals aber auch einfach langweilig, weil sie ständig nur zusammensitzen und zusammen reden oder sich küssen würden. „Nervig“, sagt Selina.

Dass Liebe nicht immer nur schön ist, sondern auch traurig, sogar richtig krank machen kann, ist auch für die Grundschüler nichts Neues. „Es gibt sogar Selbstmord aus Liebe“, sagt Gladiola. „Obwohl das dumm ist.“ Sogar die Themen Zwangsheirat oder verbotene Liebe aus religiösen Gründen oder kulturellen Gründen sind ihnen nicht unbekannt. „Wenn sich ein türkisches Mädchen in einen deutschen Jungen verliebt, dann sagt manchmal zum Beispiel der Bruder, dass die nicht zusammen sein dürfen“, erklärt Luisa. „Oder früher zwischen evangelisch und katholisch“, sagt Vanessa, „oder im Krieg“, fügt Hasan hinzu. Auch dass Liebe nicht automatisch bedeute, dass man heirate und für immer zusammenbleibe, ist den Kindern klar. „Manche lassen sich auch scheiden.“ Angst müsse man trotz der Gefahr des Liebeskummers nicht vor der Liebe haben: „Das ist doch was Schönes“, sind sich alle einig.



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