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Hanna Hartmann-Hosny berichtet von ihrem sozialen Engagement in Kairo / Bundesverdienstkreuz für ihr Ehrenamt

„Warum meckern die Leute in Deutschland eigentlich?“

Seggebruch. Vor mehr als 30 Jahren hat sie Südhorsten verlassen, um der Liebe wegen nach Ägypten zu ziehen. Bis heute lebt Hanna Hartmann-Hosny in Kairo, „aber Südhorsten ist immer meine Heimat geblieben“, sagt die 65-Jährige. Auf Einladung des Frauengesprächskreises der Seggebrucher Kirche hat sie von ihrem sozialen Engagement in Ägypten berichtet – und darüber gibt es reichlich Geschichten.

Erst im Februar dieses Jahres ist sie mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet worden – für ihr Ehrenamt in der ägyptischen Hauptstadt. Seit sie Deutschland in den Achtzigern verlassen hat, engagiert sie sich für zahlreiche soziale Projekte.

„Ich bin ganz gerührt, so viele bekannte Gesichter aus der Jugendzeit zu sehen“, sagt Hartmann-Hosny im Seggebrucher Gemeindehaus. Als sie damals nach Kairo auswanderte, hatte sie „ungeheures Glück“, als Bibliothekarin an einer Mädchenschule mit katholischen Schwestern arbeiten zu können. „Da habe ich angefangen, das soziale Leben und die Unterprivilegierten kennenzulernen“, schildert sie. „Wenn es einem selber gut geht, und vor der Tür sehe ich Menschen, die gar nichts haben – da muss man einfach was machen.“

Als ihre beiden Söhne geboren wurden, verließ sie die Mädchenschule und wechselte zu einer Oberschule in Trägerschaft der Evangelischen Kirche in Deutschland. „Das war eine Eliteschule“, sagt Hartmann-Hosny, und so habe sie „die Hände immer ganz weit aufgehalten“, um Spenden für ihre Projekte zu sammeln. „Wenn man einmal angefangen hat, kann man nicht mehr aufhören.“

Als die Wahl-Ägypterin in Seggebruch Straßenbilder aus Kairo zeigt, ist die Stimmung bedrückt. „Diese Menschen leben mitten im Müll“, erläutert sie und geht zum nächsten Foto über. „Die Villen muss ich euch nicht zeigen, die könnt ihr euch ja vorstellen“, wirft sie ein und berichtet von Projekten, die ihr besonders am Herzen liegen. Da wäre das Straßenkinderheim, wo kriminelle Kinder landen, die von der Polizei aufgegriffen werden. „Das ist da wie im Gefängnis.“ Um das Leben dort erträglicher zu machen, organisiert Hartmann-Hosny zusammen mit Partnern Ausflüge ans Meer oder renoviert die heruntergekommenen Zimmer.

Außerdem engagiert sie sich an einer Behinderten-Schule und in einem Lepra-Dorf. Von so etwas wie Inklusion ist man in Kairo meilenweit entfernt. Dort werden Behinderte und Kranke oft ausgegrenzt. Dagegen will die gebürtige Südhorsterin etwas tun. Deshalb geht sie mit den Schülern ihrer Elite-Schule auch mal zu den Kindern, denen es nicht so gut geht. „Die Schere zwischen Arm und Reich ist sehr groß. Rund zwei Drittel leben in Kairo unter dem Existenzminimum.“ Während die Einen die Wüste begrünten, bildeten sich auf der anderen Seite immer mehr Ghettos. Hartmann-Hosny bewundert die Menschen, die ihr Leid mit so viel Stärke ertragen – „und trotzdem lächeln“. Da frage sie sich öfters: „Warum meckern die Leute in Deutschland eigentlich? Nur, weil das Gras des Nachbarn mal zu lang ist?“

„Und die politische Situation?“, wollte eine Zuhörerin wissen. „In der Revolution, das war eine so tolle Zeit“, schildert sie. „Aber danach hatten wir viele dunkle Stunden durch die Muslimbrüder.“ Seit der Militärregierung, die da weitergemacht habe, wo Mubarak aufgehört habe, sei es auch nicht besser geworden. Und der neue Präsident Sisi sei „noch etwas verhalten“ und verkörpere auch nicht „den Vater des Landes“. Außerdem verschwänden seine Widersacher ebenso wie die von Mubarak.

„Hattest du nie Heimweh?“, interessierte die Zuhörer. „Mein normales Leben auf der Straße ist natürlich auf Arabisch, aber ich hab’ auch meine deutsche Seite“, erzählt Hartmann-Hosny. So backe sie jedes Jahr zu Weihnachten Kekse. „Und wenn ich die rieche, fühle ich mich geborgen.“kil




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