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Allerlei vom Osterei – Osterbrauchtum im Schaumburger Land und anderswo auf der Welt

Warum der Osterhase Eier versteckt

Vom Ei war die Menschheit schon immer fasziniert. Es war der einzige Gegenstand, der sich – quasi von selbst und aus eigener Kraft – komplett verändern und sogar Leben hervorbringen konnte. So war es kein Wunder, dass das rundlich-makellose Gebilde schon früh als Symbol für Wandel, Aufbruch und den steten Wechsel von Tod und Dunkel zu Licht und Wiederauferstehung galt – Vorgänge, die die Leute (damals noch weit intensiver als heute) am deutlichsten in den Tagen und Wochen des Aufbruchs nach langer Winterzeit wahrnahmen.

Autor:

Wilhelm Gerntrup

Schon in vorchristlicher Zeit wurde deshalb zu Frühlingsbeginn tüchtig gefeiert. Die hierzulande lebenden Germanen sollen die Festlichkeit ihrer Göttin Ostara gewidmet haben. Der Name der Himmelsschönheit habe etwas mit Osten im Sinne von Morgen und Morgenröte zu tun, ist zu hören. Die Schlussfolgerung, dass daraus unser heutiges Osterfest entstanden ist, ist jedoch umstritten. Nicht wenige Volkskundler und Religionswissenschaftler gehen davon aus, dass Begriff, Zeitpunkt und Ritual in frühchristlicher und/oder jüdischer Zeit „erfunden“ worden sind.

Wie dem auch sei – sicher ist, dass bei den jährlichen Frühjahrsfeiern, neben geweihtem Wasser und Feuer, auch dem Ei eine immer bedeutsamere Rolle zukam. Symbolstatus im Schaumburger Land erlangte allerdings nur das Hühnerei. Jedenfalls ist von einem österlichen Gebrauch anderer Gelege wie Enten-, Gänse- Schnepfen- oder Kiebitzeiern in den hiesigen Überlieferungen keine Rede. Und auch mit den von Fröschen, Schlangen und anderen Reptilien oder auch Insekten oftmals in riesigen Mengen produzierten Eiern vermochten unsere Altvorderen keine Frühlingsgefühle zu verbinden.

Zudem hatte die enge Beziehung des (Hühner-) Eis zu Ostern noch einen ganz praktischen Grund. Das zur häuslichen Grundausstattung gehörende Federvieh zeigte sich, genauso wie seine Besitzer, nach dem Ende der Wintertristesse stark ermuntert und ging sozusagen „aus dem Stand heraus“ zu erhöhter Legetätigkeit über. Zwar mussten die Bauern den größten Teil der Stall-Eier als erste und größte Naturalzins-Jahresrate an die Obrigkeit abgeben – trotzdem blieb noch eine ganze Menge für die eigene Familie übrig. Einen Teil davon spendierte man der Kirche, die die österlichen Gelege im Gegenzug mit einem speziellen Segen bedachte und ihnen dadurch besondere Kraft und Wirkung verlieh. Mancherorts war es üblich, etliche der so (per „Benedictio Ovorum“) geweihten Stücke im Acker zu vergraben oder in Haus und Scheune zu verstecken. Das sollte die Fruchtbarkeit erhöhen und vor Blitz und Unwetter schützen. Eine positive Wirkung versprach man sich auch vom Eigenverzehr. Ostereier standen in dem Ruf, die Manneskraft zu erhöhen. Kein Wunder, dass in der damals noch viagralosen Zeit wesentlich größere Mengen vertilgt wurden als heute – nach volkskundlicher Überlieferung von einem einzigen männlichen Osterfrühstücks-Teilnehmer bis zu zehn Exemplare. Bemerkbar gemacht haben soll sich das jedoch zunächst vor allem am verstärkten Bläh-Darm-Verhalten – was nicht zuletzt im Gottesdienst unangenehm aufgefallen sei.

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Von ähnlich vielen und aus heutiger Sicht zuweilen skurril anmutenden Legenden und Geschichten ist auch der Brauch des Eierfärbens umgeben. Angeblich gab es derartige Rituale schon in vorchristlicher Zeit, vor allem im Gebiet des heutigen Armenien und später auch in Russland sowie rund ums Mittelmeer. Die frühesten verlässlichen Hinweise auf bunte Ostereier in reichsdeutschen Landen sollen aus dem 13. Jahrhundert stammen. Erste konkrete Beschreibungen über Farbgebung und -Technik sind erst drei- bis vierhundert Jahre später belegt. Wann, wo und wie es im Schaumburger Land losging, geht aus den bisher vorliegenden volkskundlichen Untersuchungsberichten nicht hervor. Offensichtlich ging man hierzulande bis in die jüngste Vergangenheit hinein nach einfachen, über Generationen hinweg überlieferten und bewährten Hausrezepten vor: Zwiebelschalen sorgten für braun und gelb, Brennnesseln für grün, Stockrosen für zartes türkis, und mit Rote Beete bekam man die Eier rot. Da machte es auch nichts, wenn selbst das Gelbe vom Ei nachdem Färben anders aussah.

Wesentlich mehr Aufwand wurde offensichtlich in anderen Regionen, vor allem im östlichen Teil Europas, betrieben. Als besonders kreativ galten und gelten Sorben, Böhmen, Griechen und Ukrainer. Vor allem der eigenwillige, in der Ukraine entwickelte „Pysanka“-Deko-Stil mit einer Mischung von Ornamenten und Figuren hat sich zu einer weltweit bekannten Exportmarke entwickelt.

Noch berühmter (und begehrter) sind die Ostereier, die vor rund 200 Jahren der in St. Petersburg geborene Hugenotten-Nachfahre Carl Fabergé (1846-1920) hinterlassen hat: Sie sind überwiegend aus Gold gearbeitet und mit Diamanten und Edelsteinen geschmückt. Die meisten der kostbaren Stücke gab der russische Zar Alexander III. in Auftrag. Heute gelten die Fabergé-Schöpfungen als Inbegriff von unerschwinglichem Luxus und feinster Goldschmiedekunst.

Der Ostereierbrauch ist in vielerlei Variationen bis heute – hier als aktuelle Schaufenster-Deko – lebendig.

Foto/Repros: gp

Eines der weltweit größten Ostereier stellten vor 35 Jahren heimatverbundene Exil-Ukrainer in der kanadischen Stadt Vegreville auf. Die Aluminiumkonstruktion ist neun Meter hoch (l.). Luxus à la Fabergé: das Ei aus Gold (r.).




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