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Warum der Ortsrat Hachmühlen die Baumschutzsatzung ablehnt

HACHMÜHLEN. Die Emotionen kochen hoch in Hachmühlens Politik. Auslöser: Die neue „Satzung über den Schutz des Baum- und Heckenbestandes für das Gebiet der Stadt Bad Münder“, die der Ortsrat nun beschließen sollte. Und sich einstimmig weigerte.

Streit um Baum-Umfänge: Der Ortsrat Hachmühlen lehnt die städtische Baumschutzsatzung ab. FOTO: HONIG

Autor

Gerhard Honig Reporter

Ortsratsmitglied Stefan Feuerhake hatte zuvor anhand von drastischen Szenarien die möglichen Auswirkungen des neuen Regelwerks für den Bürger und sein privates Grün dargestellt: „Was sind 80 Zentimeter Stammumfang? Dieser Plastiktopf hier misst soviel“ , zeigte Feuerhake anhand eines runden Napfes seines Hundes: „Ein Baum erreicht diese Stärke bereits nach 20 Jahren“. Da aber alle Laubbäume ab einem Stammumfang von 80 Zentimeter sowohl in Wald und Feld als auch im privaten Garten (Ausnahme: Obstbäume außer Walnuss und Esskastanie und Beerenobstkulturen) als schutzwürdig im Sinne der neuen Verordnung gelten, seien die Bürger in ihrer Entscheidungsfreiheit über ihr Eigentum erheblich eingeengt.

Eiben seien als einzige Nadelbaumart in dem Text erwähnt – und bereits mit einem Umfang ab 50 Zentimeter zu schützen, so Feuerhake. Das gleiche gelte für Baumgruppen von mindestens fünf Bäumen mit einer Höhe ab 2,50 Metern, deren Kronenbereiche sich berühren – und wenn einer davon mit mindestens 80 Zentimetern Umfang aufwarten kann. Freiwachsende Hecken ab fünf Metern Länge und ab einem Meter Höhe sind ebenfalls durch die neue Satzung besonders geschützt, auch wenn sie beispielsweise durch Pflegearbeiten auf den Stock gesetzt und niedriger als einen Meter sind.

Feuerhake zitierte aus dem Paragrafen 3 der Satzung, dem Katalog von verbotenen Handlungen praktisch alles, was vorher als normal galt: beispielsweise überflüssige Bäume oder Hecken bei Bedarf zu beseitigen oder zu kappen, wenn vielleicht ein Parkplatz oder eine Sitzecke gepflastert und im Wurzelbereich angelegt werden soll.

Politiker Stefan Lampe äußerte sich ebenfalls empört über diese „Art von Bevormundung der Bürger, wobei jeder weiß, dass alle für Natur- und Umweltschutz sind“, – und seine Ortsratskollegin Claudia Weißflog-Borgwardt wetterte an Ortsratsbetreuerin Birgit Engel gewandt: „...ein bürokratisches Monster, diese Neufassung – wer von der Verwaltung bearbeitet, kontrolliert, liest Gutachten? Von den Kosten ganz zu schweigen, Sie kommen so schon kaum hinterher“. Am Ende verweigerte der Ortsrat dem Satzungsentwurf einstimmig seine Zustimmung.

In der Bürgerfragestunde ließ auch Bezirkslandwirt Wilhelm Heine Dampf ab. Seine Meinung zur neuen Satzung gipfelte darin: „Das ist eine Frechheit, was uns hier zugemutet wird. Wir pflegen jahrein, jahraus die Natur in der Feldmark, schneiden im Winter die Hecken zurück. Wenn wir dazu nicht mehr taugen, werde ich meinem Sohn als baldigen Hofnachfolger empfehlen, seinen Dienst bei der Feuerwehr an den Nagel zu hängen – dann brauchen die uns auch nicht mehr.“ Er habe schon vor zwei Jahren Bürgermeister Hartmut Büttner beim ersten Anlauf zu dieser Neufassung seine Bedenken vorgetragen.



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