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„Wartet es nur ab – ich werde ein Star“

Er ist einer, der aus dem beschaulichen Extertal auszog, um ein Star zu werden. Kein Star wie die süße Lena Meyer-Landrut, die vielleicht beim Eurovision Song Contest in Oslo punkten wird, sondern eher wie Tim Toupet oder Mickie Krause, deren Songs regelmäßig auf der Mallorca-Ballermann-Hitliste erscheinen. Ralf Hannover ist eigentlich Metallarbeiter. Weit über 100 Mal im Jahr aber tritt er als DJ Hulpa auf und bringt die Leute mit frechen Sprüchen und aufgedrehter Musik zum Tanzen.

Von Cornelia Kurth

Er ist einer, der aus dem beschaulichen Extertal auszog, um ein Star zu werden. Kein Star wie die süße Lena Meyer-Landrut, die vielleicht beim Eurovision Song Contest in Oslo punkten wird, sondern eher wie Tim Toupet oder Mickie Krause, deren Songs regelmäßig auf der Mallorca-Ballermann-Hitliste erscheinen. Ralf Hannover ist eigentlich Metallarbeiter. Weit über 100 Mal im Jahr aber tritt er als DJ Hulpa auf und bringt die Leute mit frechen Sprüchen und aufgedrehter Musik zum Tanzen. Im Juni erscheint ein Partysong von ihm, der unbedingt in die Charts kommen soll, der „Raupensong“, den man, so sagt er grinsend, „auch noch dann mitgrölen kann, wenn man 8,5 Promille im Blut hat“.

Ralf Hannover sieht ziemlich gut aus, wenn er nicht gerade seine riesige Achtziger-Jahre-Brille trägt und dazu die Lockenperücke, die ihn zu einem Atze-Schröder-Doppelgänger macht. Er trägt ein angesagtes Bärtchen, am Handgelenk ein schwarzes Lederband, um den Hals einen schwarz-gestreiften Schal, und als eine hübsche Bekannte vorbeikommt, lächelt er gewinnend und sagt: „Hallo mein Liebchen!“ Niemals würde man auf die Idee kommen, der smarte Mann könne bereits 42 Jahre alt sein.

Damals aber, als Teenager in Almena und Bremke, gehörte er zu der Sorte eher schüchterner Jungs, die man selten auf der Tanzfläche oder bei Matratzenpartys mit einem Mädchen im Arm sah, sondern die bereitwillig die diskrete Rolle des DJs hinterm Plattenpult übernahmen, um trotzdem mitten im Geschehen zu stehen. Er suchte die Musik für die Kassetten zusammen, legte sich eine immer größer werdende Plattensammlung zu und war durchaus bereit, seine Vorliebe für Heavy Metal zurückzustellen, um mit den gängigen Hits für die ideale Partystimmung zu sorgen. „Mich da anzupassen, machte mir nichts aus“, sagt er. „Wenn alles toll läuft, dann ist es mir egal, welche Musik ich spiele. Hauptsache, es ist hier und jetzt die richtige Musik.“

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In den achtziger Jahren gab es noch mehrere Dorfdiscos im Extertal, darunter das „Joke“ in Bösingfeld, wo der von der Jugend bewunderte DJ Manni arbeitete und den jungen Nachwuchs-DJ unter seine Fittiche nahm. Während Ralf Hannover seine Lehre als Dreher durchstand, jobbte er am Wochenende für Bratwurst und Freigetränke im „Joke“ und guckte sich vom versierten Manni ab, wie man nicht nur die Musik auflegt, sondern sie auch mit dem Mikrofon in der Hand ankündigt und die Tänzer mit lustigen Anmachen dazu bringt, ganz aus sich herauszukommen. Als dann die Großraumdiscos aufkamen, das „Airport“ in Diepholz oder der „Go!Parc“ in Herford, und Diskotheken immer aufwendigere Events starteten, um Besucher anzulocken, wuchs auch Ralf Hannovers Ehrgeiz. „Das saugt man auf als kleiner Dorf-DJ. Hinter so einem Pult wollte ich auch mal stehen.“

Zusammen mit einem Kollegen kaufte er sich Anfang der neunziger Jahre eine Musikanlage und tingelte als DJ Hulpa über Land, um auf Hochzeiten, Vereinsfeiern und Openair-Partys für die richtige Tanzmusik zu sorgen. Die frühere Schüchternheit war längst verflogen, jetzt kam es darauf an, sich im Land bekannt zu machen. Geld gab es kaum dabei zu verdienen, dafür aber steigerte sich seine Trinkfestigkeit und die Mädchen drängelten sich darum, mit dem attraktiven DJ zu flirten.

Schlager aller Art hatten ein Comeback, und als sich auch unter den Organisatoren herumsprach, dass DJ Hulpa mit charmanter Frechheit und dem richtigen Gefühl für eine stimmige Musikauswahl immer beliebter wurde, gehörte auch der Rintelner Brückentorsaal zu seinen Auftrittsorten. Schlagerpartys und natürlich die Mallorca-Partys wurden in und immer mehr erwies sich Ralf Hannover als ein Entertainer, der nicht die geringste Scheu davor hatte, auch Kracher wie „Wirft der Arsch auch Falten“, „Da, wo meine Leber war“ oder „10 nackte Friseusen“ anzukündigen.

„Wer gut sein will, dem müssen alle Musikmittel recht sein“, meint er. „Die Rockmusik ist meine private Leidenschaft, das andere ist mein Beruf. Klar gibt es DJs, die in Clubs ihre Lieblingsmusik auflegen. Mich aber hat es nun mal in die Partyszene verschlagen.“ Inzwischen wird er deutschlandweit gebucht, kennt Mickie Krause, Jürgen Drews, Olaf Henning, Andrea Berg und unzählige andere aus dem Ballermann-Umfeld, für die er als „Support-DJ“ arbeitet, als der Anheizer, der vor und nach dem Auftritt der Berühmtheiten dafür sorgt, dass niemand Zeit hat, mal einfach Luft zu holen.

Das alles ist anstrengend. Kaum zu glauben, dass DJ Hulpa überhaupt noch Energie hat für seinen „normalen“ Beruf, seine Tochter, seine Freundin. „Na ja, an den Sonntagen bin ich einfach nur platt“, meint er. „Und überhaupt setze ich alles dran, um mein Geld ein bisschen leichter zu verdienen. Statt sechs Stunden Musik aufzulegen, würde ich lieber selbst auftreten. Einen eigenen Hit zu haben, eine eigene Halbe-Stunden-Show, das wär’s!“

Das zu erreichen schafft man nicht allein mit Talent und Beziehungen, es ist auch sehr viel Glück dabei. Einen ersten Versuch startete er mit einem Atze-Schröder-Programm. Dabei ist es wirklich verrückt, wie schrecklich ähnlich er dem hässlichen Wuschelkopp sehen kann, trägt er nur selbst die große Brille und die Lockenperücke. „Hallo Freunde des hemmungslosen Alkoholgenusses!“ brüllt er im Proleten-Atze-Tonfall ins Mikro, wenn er seinen ersten Song „Scheißegal – Besoffen“ zum Besten gibt. Pech war nur, dass Schröder sein Double verklagte und auch ein gehöriges Bußgeld einforderte. Und auch der Ruhm seines Liedes musste geteilt werden, das heißt, eigentlich fiel er hauptsächlich an den bekannteren Konkurrenten Peter Wackel, der sich denselben Song eingekauft hatte.

„Fies! Ich hatte den Song als Erster entdeckt!“ sagt Ralf Hannover. Nächtelang hatte er am PC gesessen und die Videos auf der Internetplattform Youtube nach Anregungen durchstöbert, bis er auf das Filmchen von zwei Jungs stieß, die dabei zu sehen waren, wie sie sich Musik einer kleinen Hamburger Band anhörten – eine echte Entdeckung, wie viele DJs sie sich erhoffen, wenn sie unter anderem auch die entsprechenden Foren der Mallorca-Party-Fans beobachten, um einen Geheimtipp aufzuschnappen. „Tja – leider ich bin eben nicht der Einzige, der das macht…“

Jetzt aber war er gerade auf dem Mallorca-Opening, um dort zur Saisoneröffnung seine neueste Produktion vorzustellen, den „Raupensong“, der an Blödsinnigkeit all den anderen Ballermann-Hits in nichts nachsteht. „Steck dir Raupen in den Arsch, wenn du auf Schmetterlinge im Bauch stehst“, so greift er einen Spruch von Komödiant Bastian Pastewka für ein Gröllied auf, in dem es gerade nicht um Verliebtheit geht, sondern um Sex für eine Nacht. Nicht ohne Selbstironie handelt sich der Sänger in seinem Lied eine gewaltige Abfuhr von den Mädels ein. „Viele Ballermann-Hits haben was Sexistisches“, gibt er zu. „Ich spreche jetzt mal den Frauen aus der Seele!“

Sollte sich sein Optimismus bewahrheiten und der „Raupensong“ tatsächlich in die Top Ten kommen, „ach ja, dann hätte ich ausgesorgt!“ meint er. Die Chancen stehen gar nicht mal schlecht. DJ Hulpa ist in der Szene bekannt und kennt selbst alle Leute, die man kennen muss, DJs, Produzenten, Agenten, Künstler. So, wie er selber Newcomern auf die Sprünge half, indem er deren Musik in sein Party-Programm einflocht, so kann er nun erwarten, dass andere für ihn Ähnliches leisten. Mit dem „Hit-Mix-Studio“ hat er außerdem einen einflussreichen Produzenten gefunden, geklaut werden kann das Lied auch nicht mehr: „Wartet es nur ab – ich werde ein Star!“, sagt er selbstbewusst.

So abgebrüht, wie der DJ aus dem Extertal manchmal wirken kann, für eine gewisse Sentimentalität in der Macher-Seele spricht auf jeden Fall die Herkunft seines Alias-Namens. „Hulpa“, so nannte ihn seine Schwester, als er noch ein kleiner Junge war. „Keine Frage, dass ich so heißen wollte“, sagt er. „Das wusste ich schon als Extertaler Dorf-DJ.“ Wer ihn besonders mag, der nennt ihn auch gern „Hulpi“. Auf seiner Website „www.dj-hulpa.de“ kann man prüfen, ob man zu seinen Fans gehören will. Aber Vorsicht: Sobald die Seite geöffnet wird, kommt einem gleich die musikalische Volldröhnung entgegen…

Die Angst vor schlechtem Geschmack ist ihm fremd. Im Gegenteil: Seine neueste Produktion nämlich, der „Raupensong“, steht all den anderen Ballermann-Hits an Blödsinnigkeit in nichts nach. Und wohl gerade deswegen hofft Ralf Hannover alias DJ Hulpa auf den Durchbruch: „Das wird der Sommerhit in diesem Jahr“, prophezeit der Extertaler. „Wartet es nur ab.“




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