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100 Meter lange Hainbuchenhecke soll Gelände eingrenzen / Baumwurzeln drücken unter Gräber

Waldfriedhof in Wiersen wird neu gestaltet

Wiersen (la). "Unser Friedhof ist in keinem guten Zustand", stellt der 88-jährige Karl Lohmann fest. Er habe deshalb schon einige Male bei der Gemeinde vorgesprochen, aber bislang habe die Zeit und das Geld zum Überarbeiten des Friedhofs gefehlt. Jetzt soll es aber losgehen. "Wir haben in den vergangenen Jahren nach und nach die Friedhöfe im Gemeindegebiet überarbeitet. Jetzt ist der Waldfriedhof in Wiersen dran", verspricht Manfred Spenner vom Bauhof.

Landwirte haben auf dem Waldfriedhof in Wiersen große Familiengr

In spätestens zwei Wochen, wenn die Pflasterarbeiten für den Parkplatz hinter der "Alten Molkerei" in Rehren abgeschlossen sind, soll der Friedhof in Wiersen überarbeitet werden. "Das ist auch dringend notwendig", gibt Spenner Lohmann recht. Alte Grabstellen, die nicht mehr gepflegt sind und bei denen das Nutzungsrecht abgelaufen ist, werden wieder aufgefüllt und neu eingesät. Außerdem soll durch die Beseitigung von großen Bäumen und Heckenabschnitten Fläche für Urnenbeisetzungen und Rasengräber geschaffen werden. Die alte Tujahecke wird beseitigt und durch eine Hainbuchenhecke ersetzt. "Die rund 100 Meter lange Hainbuchenhecke soll das Friedhofsgelände eingrenzen und so dem Ganzen ein neues Aussehen verleihen", erläutert Spenner. Große Bäume auf dem Friedhof müssen beseitigt werden, da deren Wurzeln bereits in den Untergrund der Grabflächen drücken. Außerdem haben die Nutzer des Friedhofs aufgrund des starken Laub- und Nadelbefalls kaum noch die Möglichkeit, ihre Gräber ordnungsgemäß zu pflegen. "Durch die Grünpflegearbeiten wird diesem Umstand Rechnung getragen", sagt Spenner. Durch ein besseres Erscheinungsbild des Friedhofs hätten sowohl die Nutzer bei der Grabpflege erhebliche Vorteile als auch der kommunale Bauhof, indem weniger Pflegeintensität entsteht. Danach sollen auch die Wege überarbeitet werden. Im unmittelbaren Bereich der Friedhofskapelle haben hoch stehende Birken das Dach in Mitleidenschaft gezogen und total begrünt. Diese Birken werden ebenfalls beseitigt, damit die Bausubstanz länger erhalten bleibt. Die Maßnahmen hat Manfred Spenner mit dem Wiersener Ortsvorsteher Heiner Thies abgestimmt. Die Nutzer werden über die geplante Umgestaltung informiert und können Anregungen für die Gestaltung ihres Friedhofs an die Gemeinde richten. "Wir hoffen, im Frühjahr dieses Jahres ein angemessenes Bild für die Ruhestätte geschaffen zu haben", so Spenner. Der Friedhof in Wiersen ist noch relativ jung. Bis 1960 wurden die Einwohner aus dem kleinen Auetaler Dorf noch in Apelern bestattet. "Für die Angehörigen bedeutete dies immer einen weiten Weg", berichtet Karl Lohmann, der 1960 stellvertretender Bürgermeister in Wiersen war. Daher habe er sich mit dem damaligen Bürgermeister Friedrich Wilkening für die Schaffung eines eigenen Friedhofs eingesetzt. Die Gemeinde Wiersen habe Grundstücke verkauft und davon das Grundstück am Waldrand von Prof. Kurt Kirchner erworben. "Dann musste die Anlage des Friedhofs aber irgendwie finanziert werden", erinnert sich Lohmann. Man habe alle Anwohner des 100-Seelen-Dorfes angesprochen und ihnen Grabstätten zum Kauf angeboten. Vor allem die Landwirte hätten damals große Familiengräber erworben und so die Entstehung des Friedhofs mitfinanziert. Dr. Kurt Kirchner erhielt übrigens einen Ehrenplatz. Der Friedhof liegt an einem Hang und ist auf zwei Ebenen angelegt. "Im unteren Teil trifft man auf Lehmboden. Hier sind die Einzel- und Doppelgräber angelegt. Im oberen Teil besteht der Untergrund aus hartem Mergel. Daher wurden dort damals von den Behörden Liegezeiten von 100 Jahren festgelegt", erzählt Lohmann. Man habe allerdings beschlossen, die Liegezeiten auf dem gesamten Friedhof auf 50 Jahre festzulegen, und das wurde schließlich auch genehmigt. 1960 konnte die erste Wiersener Einwohnerin ihre letzte Ruhestätte in ihrem Heimatdorf finden. 1968 wurde dann eine Friedhofskapelle gebaut. "Diese Kapelle hat 48 000 Mark gekostet, und wir haben sehr viel in Eigenleistung gebaut", erinnert sich Lohmann. Finanzielle Unterstützung bekam die Gemeinde Wiersen vom Land Niedersachsen, da sich die Autobahn in unmittelbarer Nähe befindet und bei schweren Verkehrsunfällen die Friedhofskapelle benötigt werden könnte. Aus diesem Grund wurde die Kapelle auch so gestaltet, dass zwei Verstorbene gleichzeitig aufgebahrt werden können. Die Friedhofskapelle wurde 1969 in Betrieb genommen. Der ehemalige Bür germeister Wilhelm Lohmann war der erste Verstor bene, der dort aufgebahrt wurde.

Manfred Spenner vom Bauhof der Gemeinde Auetal zeigt, wo die Bau
  • Manfred Spenner vom Bauhof der Gemeinde Auetal zeigt, wo die Baumwurzeln bereits unter die Gräber drücken. "Wenn die großen Bäume beseitigt sind, sollen hier Urnen- und Rasengräber entstehen", sagt Spenner. Fotos: la
Das Dach der Friedhofskapelle ist durch die hohen Birken, die in
  • Das Dach der Friedhofskapelle ist durch die hohen Birken, die in unmittelbarer Nähe stehen, begrünt.
Bauamtsleiter Friedhelm Liewack nimmt die alte Tujahecke in Auge
  • Bauamtsleiter Friedhelm Liewack nimmt die alte Tujahecke in Augenschein, die einer Hainbuchenhecke weichen soll.
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